Herr Lieske, sind Sie von dem neuen Kurs von General Motors überrascht worden?
Ich muss ehrlich sagen: Das war auch für mich eine echte Überraschung. Es ist immerhin nun schon seit sechs Monaten über die Staatshilfe diskutiert worden.
Welche Folgen hat der Verzicht auf Staatshilfen für die Belegschaft? Haben Sie keine Sorge, dass über kurz oder lang doch stärker bei den Jobs gekappt wird?
Ich vertraue auf die Zusage von General Motors, dass sich nur die Finanzierung der geplanten Sanierung ändert, aber nichts an den Verträgen, die mit den Arbeitnehmern geschlossen worden sind - aber auch gar nichts.
Dass GM nun auch ganz ohne Hilfen auskommen kann, ist für Außenstehende nach der langen Debatte nur schwer nachzuvollziehen.
Trotzdem gehen wir davon aus, dass sich am Sanierungsplan nichts ändert. Weiterer Arbeitsplatzabbau wäre mit uns nicht zu machen.
Alle Opel-Werke werden trotz der Überkapazitäten bestehen bleiben?
Auch hier vertraue ich auf die Zusage, dass Werksschließungen ausgeschlossen sind. Eine Ausnahme gilt nur für das belgische Werk in Antwerpen, falls dort kein Investor gefunden würde. Ich sage: In Deutschland wird an allen vier Standorten weiter produziert. Sie werden nicht angetastet.
Im Moment hat Opel große Überkapazitäten, und der Marktanteil liegt nur noch bei sieben Prozent. Ist das auch ohne Staatshilfe zu drehen?
Das ist weiter das Ziel. Und unsere neuen Produkte laufen ja trotz der jüngsten Debatte gut. Der Astra liegt weit über den Prognosen, der Meriva hat jetzt schon 30000 Bestellungen, und die Insignia-Produktionszehlen sind wegen des hohen Auftragseingangs erhöht worden. Wenn die öffentliche Diskusssion nun zu Ende ist, wird es noch besser werden. Ich bin zuversichtlich.
Hätte GM nicht gleich ohne Staatshilfe loslegen können?
Es ist müßig zu spekulieren, was evnetuell hätte sein können. GM hat um die Staatsbürgschaften nachgesucht, sie aber nicht bekommen. Nun hat die Opel-Mutter die Strategie geändert. Wohl aus dem Wunsch heraus, nicht mehr länger warten zu müssen und endlich mit der Sanierung beginnen zu können.
Könnten Sie verstehen, wenn die deutsche Politik - von Merkel über Brüderle bis Koch und Beck - sich an der Nase herumgeführt fühlt?
Es ist nicht meine Aufgabe, in Politikerherzen zu schauen.
Die Verärgerung ist doch nachvollziehbar. Erst kämpft GM um Bürgschaften, aber es geht auch ohne. Sieht so aus, als hätte Detroit nur das Risiko auf den Steuerzahler abwälzen wollen.
Eine echte Verärgerung könnte ich nicht verstehen. Es war doch immer der Wunsch, dass General Motors die Sanierung möglichst alleine übernimmt. Da die GM-Zentrale dem nun entspricht, wäre Ärger deswegen doch wirklich fehl am Platze.
Interview: Joachim Wile
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