Es war klar: Ohne deutliche Worte tritt einer wie Klaus Franz nicht ab. Opel dürfe „nicht im gesättigten europäischen Markt eingesperrt bleiben“, die Konzern-Mutter General Motors (GM) müsse die gegen die deutsche Tochter verhängten Exportverbote endlich aufheben, forderte Franz in seiner Abschiedsrede vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik.
Elf Jahre lang war Franz der mächtige Chef des Opel-Betriebsrats, jetzt also ist er im Ruhestand. Sein designierter Nachfolger Wolfgang Schäfer-Klug steht vor einer schwierigen Aufgabe. Denn die Manager in Detroit erhöhen den Druck: Sie wollen in Europa endlich Gewinne einfahren.
Opel fehlen eine Milliarde Euro
Da kam die gestrige Nachricht des Wirtschaftsmagazins Capital bei der Abschiedsfeier in Rüsselsheim zur Unzeit: Demnach droht Opel im kommenden Jahr eine Lücke von rund einer Milliarde Euro beim operativen Ergebnis. Nach Informationen von Capital wird der Rüsselsheimer Autobauer einer internen Prognose zufolge 2012 nur rund 1,4 Millionen Fahrzeuge absetzen können.
Das wären 100000 Autos weniger, als im Sanierungsplan für das Unternehmen festgelegt sein sollen. Dieser sehe für Opel im Jahr 2014 einen Gesamtabsatz von 1,6 Millionen Fahrzeugen und einen Gewinn von rund 1,5 Milliarden Euro vor, so das Magazin.
Kredit auf der Kippe?
Würden die Ziele verfehlt, könnte die Begleichung des vom Opel-Mutter-Konzern General Motors gewährten Kredits auf der Kippe stehen, heißt es in dem Bericht. Das Unternehmen wollte gestern dazu keine Stellung nehmen. „Wir kommentieren Spekulationen nicht“, sagte ein Opel-Sprecher auf Anfrage der FR.
Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat schon angekündigt, die Kosten drücken zu wollen. Sparen will er etwa bei Material und Einsatz von Komponenten. Doch die Angst vor härteren Schnitten bleibt bei den rund 40000 Mitarbeitern. Zwar verbietet der Sanierungsvertrag Werksschließungen und Entlassungen bis Ende 2014. Doch sind die ihm zugrundeliegenden Absatzziele längst von der Realität überholt.
Verbraucher halten sich beim Autokauf zurück
Wegen der Schulden-Krise halten sich die Verbraucher in Europa zurzeit beim Autokauf zurück. Vor allem in krisengeschüttelten Ländern wie Italien und Griechenland, Spanien und Portugal kühlt der Markt ab. Zudem ist Opel zurzeit der Zugang zu drei Vierteln des globalen Automarktes versperrt – durch von GM aufgestellte Handelsbarrieren.
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