Bochum. Das Modell für die neue Astra-Linie ist perfekt, nur die passenden Arbeitsplätze werden noch verhandelt: Das Bochumer Opel-Werk steht kurz vor der Unterzeichnung seines Zukunftsvertrages. "Wir beraten in den kommenden beiden Wochen das Papier", sagte Betriebsratschef Reiner Einenkel der Frankfurter Rundschau. Einenkel ist zuversichtlich, dass der Mutterkonzern General Motors auch bis zum Jahr 2015 keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen dürfe.
Zurzeit produzieren rund 5000 Menschen im Bochumer Werk den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Erst in diesem Frühjahr wurde der europäische Rahmenvertrag zwischen den Betriebsräten und dem Management von General Motors vereinbart. Er legt die künftigen Produktionsstätten der Opel-Marken fest.
Die weiteren drei deutschen Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach haben die europäische Vereinbarung in ihrem Werk schon umgesetzt, die Bochumer verhandeln noch. "Wir konnten die 38-Stunden-Woche und untertarifliche Bezahlung verhindern", so Einenkel.
Im Gegenzug fallen einige Erschwerniszulagen weg, auch die Samstagsarbeit wird nicht mehr zusätzlich honoriert, sondern kann nur noch abgefeiert werden.
Ein Knackpunkt der Verhandlungen ist die neue Astra-Linie: Die Firmenleitung hat errechnet, dass durch straffere Arbeitsabläufe und neue Roboter die Produktionszeit von 27 auf 15 Stunden gesenkt werden könne und dadurch bis zu 900 Arbeitsplätze wegfallen könnten. "Wir bestreiten diese Zahl vehement", sagt Einenkel.
Zwar sei ihnen vertraglich zugesichert, dass niemand betriebsbedingt gekündigt werden könne und Opel nur durch hohe Abfindungen und zum Beispiel Altersteilzeit die Angestelltenzahl verringern könne.
"Aber die Arbeitszeit weiter zu verdichten wäre Wahnsinn", so der Betriebsrat. Dies ist aber eine weit verbreitete Strategie. "Gerade die Autofirmen rationalisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Erich Latniak, Forscher am Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Essen-Duisburg. Bis zu einem gewissen Punkt sei dies auch sinnvoll, zum Beispiel könnten die großen Teile der Karosserie gut von Robotern angefertigt werden. "Aber nun droht eine neue Rationalisierungswelle: die Taktzeiten werden wieder verkürzt." Dies sei ein Rollback zu schlechteren Arbeitsbedingungen, so der Forscher.
"Aber die Arbeitsintensität lässt sich nicht unendlich erhöhen, irgendwann stoßen die Mitarbeiter an physische Grenzen", erläutert Latniak.
Ob diese Grenzen tatsächlich in absehbarer Zeit ausgetestet werden, ist offen. Denn paradoxerweise könnte den Opelanern die Krise der US-Autoindustrie zugute kommen. General Motors verzeichnete im zweiten Quartal 2008 einen Milliardenverlust. Beobachter vermuten, dass hohe Abfindungen für die größtenteils langjährig Beschäftigten nicht mehr drin sind.
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