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Opel-Investoren planen Stellenabbau: Länder streiten über Magna-Konzept

Egal, wer den Zuschlag bekommt: Stellen wollen alle Investoren abbauen. Der Favorit soll Magna heißen. Der hessische Ministerpräsident ist dafür, sein NRW-Amtskollege dagegen. In wenigen Tagen fällt eine Grundsatzentscheidung.


Foto: rtr

Berlin. In der Suche nach einem Investor für den angeschlagenen Autobauer Opel werden nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der nächsten Woche die "Grundentscheidungen" fallen.

Die Bundesregierung bevorzugt angeblich den Zulieferer Magna bei der Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel. Die Verhandlungen mit allen drei Interessenten gingen weiter, "aber mit dem Schwerpunkt auf Magna", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) am Freitag nach einem Spitzentreffen im Kanzleramt.

Spezial: Autobauer
Der Auto-Kanadier

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Der Autozulieferer Magna gilt mit mehr als 240 Produktionsstätten, rund 74.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 23,7 Milliarden Dollar im Jahre 2008 als einer der weltweit größten Anbieter in der Branche.

Der Nettogewinn des österreichisch-kanadischen Unternehmens lag 2008 bei mehr als 70 Millionen Dollar. Allein in Deutschland unterhält der Konzern inzwischen 35 Fabriken.

Gründer des Konzerns ist der 76 Jahre alte Frank Stronach. Der Firmengründer wanderte in den 1950er Jahren nach Kanada aus . Dort schuf er 1969 Magna, und zwar durch Fusion seines Autoteile-Herstellers mit einer Firma für Rüstungselektronik.

Stronach kehrte in den 1980er Jahren nach Österreich zurück. Im Alpenland investierte er rund 1,5 Milliarden Dollar und baute nach und nach vom neuen Standort Oberwaltersdorf bei Wien Magna Europe auf.

Heute entwickelt und produziert das Unternehmen Teile für fast alle namhaften Autohersteller. Die Tochterfirma Magna Steyr stellt außerdem im Auftrag großer Hersteller auch Fahrzeuge her. Dazu gehören zum Beispiel die Mercedes G-Klasse und der BMW X3.

Magna Europe und Magna International sind ebenfalls massiv von der weltweiten Absatzkrise in der Automobilbranche betroffen. In den USA musste deshalb bereits ein Werk mit 1400 Mitarbeitern geschlossen werden. In Österreich wurden Tausende Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt und haben eine Kürzung ihrer Löhne und Gehälter hingenommen.

Tauziehen um Opel. Wer darf den Autobauer in eine bessere Zukunft schieben?
Tauziehen um Opel. Wer darf den Autobauer in eine bessere Zukunft schieben?
Foto: dpa

"In Kaiserslautern sind derzeit rund 280 Arbeitsplätze in der Diskussion, und das wäre eine Größenordnung, die - vorausgesetzt das Ganze kommt stabil zustande ­ vertretbar wäre, weil mir die Opel-Betriebsräte sagen, das sei über die natürliche Fluktuation, über vorgezogene Altersregelungen und so weiter darstellbar", sagte Beck.

Das Magna-Konzept ist auch nach Angaben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) das interessanteste Übernahmeangebot für Opel und erfülle die Bedingungen für eine Opel-Übernahme "mit weitem Abstand am meisten". Es habe in dieser Sache Konsens zwischen den Ministerpräsidenten der vier Opel-Bundesländer und der Bundesregierung gegeben, sagte Koch.

Wer in der Autobranche was zu sagen hat

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Foto: ddp

Dem Magna-Konzept zufolge sollen am Opel-Standort in Rüsselsheim maximal 200 Arbeitsplätze wegfallen. Auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sprach sich für einen Einstieg Magnas aus.Es gebe aber noch vieles zu verhandeln. Auch die anderen Opel-Interessenten blieben im Spiel.

Widerspruch kommt aus NRW und aus Berlin. Das Land Nordrhein-Westfalen nach Aussage seines Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) dem Konzept des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna zur Übernahme des angeschlagenen Auto-Bauer Opel nicht zustimmen, "da der Arbeitsplatzabbau nicht akzeptabel ist", sagte er am Freitag. Dies sei ein "unfaires Konzept". Wie die Nachrichtenagentur ddp aus Verhandlungskreisen erfuhr, will Magna bei Opel in Deutschland 2500 Arbeitsplätze abbauen, davon allein 2200 Stellen in Bochum. Dies sei eine einseitige Lastenverteilung zu ungunsten Bochums, kritisierte Rüttgers.

Nach Worten von zu Guttenberg habe sich auch die Regierung nicht auf den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna als favorisierten Käufer von Opel festgelegt.

"Es wäre verwegen, jemanden abzuschreiben", sagte Gutenberg am Freitag in Berlin mit Blick auf die beiden anderen Interessenten Fiat und RHJ. Konzepte könnten sich auch noch verändern, unterstrich er. Auch das Magna-Konzept werfe eine ganze Reihe von Fragen auf, sagte der Minister. Die Entscheidung über den Zuschlag liegt bei der Opel-Konzernmutter General Motors in den USA.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat sich nach einem Spitzengespräch in Berlin zuversichtlich über eine mögliche Lösung der Krise beim Automobilbauer Opel gezeigt. Man sei ein gutes Stück vorangekommen, sagte Steinmeier am Freitag in Berlin. Es gebe drei Interessenten, darunter sei auch ein "sehr tragfähiges Konzept" sagte der Außenminister und SPD-Vize mit Blick auf die Offerte der österreichisch-kanadischen Zuliefererfirma Magna. Die noch offenen Fragen sollten von Mitarbeitern der Bundesregierung schnellstmöglich geklärt werden. Mit endgültigen Entscheidungen rechnet Steinmeier in den nächsten Tagen.

Der Stellenabbau wird kommen - egal von wem

Doch egal, wer den Zuschlag erhält. Die Zukunft des Autobauers Opel kann voraussichtlich nur mit einem Verlust von Arbeitsplätzen gesichert werden. Die drei Übernahme-Angebote des italienischen Autobauers Fiat, des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna und des US-Finanzinvestors Ripplewood für das Europa-Geschäft der Opel-Mutter General Motors einen deutlichen Stellenabbau vor.

Ripplewood und Magna wollen nach einem Einstieg Kreisen zufolge vor allem im europäischen Ausland Stellen abbauen. Insgesamt stünden sowohl im Konzept des Finanzinvestors als auch in dem des kanadisch-österreichischen Zulieferers rund 10.000 der insgesamt 55.000 Jobs in Europa auf der Kippe, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen. .

Magna will im Fall einer Übernahme von Opel alle deutschen Standorte erhalten. Der Hauptsitz solle in Deutschland bleiben, erklärte Magna-Co-Chef Siegfried Wolf in Berlin. Chef des neuen Unternehmens solle der bisherige CEO von GM Europe, Carl-Peter Forster, werden. Zur Umsetzung seines Konzepts benötige Magna Staatsgarantien in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro. Hinzu kämen Konzernmittel von 500 bis 700 Millionen Euro.

Magna wolle alles tun, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Ein Abbau von Stellen sei aber nicht zu vermeiden. Stark betroffen könnten insbesondere die Standorte der europäischen GM-Tochter im belgischen Antwerpen und in Luton in Großbritannien sein.

Stellenkürzungen in ganz Europa

Der dritte Opel-Interessent Fiat will Medienberichten zufolge rund 18.000 Jobs streichen, allerdings bei Opel und Fiat zusammen. Der Chef des italienischen Autobauers, Sergio Marchionne, kündigte in einem Interview an, dass die Stellen gleichmäßig in Europa gekürzt werden sollten. Auch er will alle deutschen Standorte erhalten.

Möglicherweise gib es einen weiteren Opel-Interessenten - aus Fernost. Ein chinesischer Hersteller habe der Opel-Mutter General Motors (GM) am Donnerstag schriftlich sein Interesse signalisiert, berichtete die US-Wirtschaftsagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei informierte Personen. Ob es aber tatsächlich noch zu einem detaillierten Angebot komme, sei offen.

Der GM-Konzern steht kurz vor der Insolvenz und will sich weitgehend von seiner europäischen Tochter rund um Opel trennen. Ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für einen tragfähigen Sanierungsplan von GM läuft in gut einer Woche Ende Mai ab.

Die drei Offerten sehen hohe Staatsbürgschaften vor. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kündigte für heute erste Bewertungen der Konzepte an. Spätestens Anfang nächster Woche soll in den USA und bei der Bundesregierung eine Vorentscheidung fallen, rechtzeitig bevor GM Insolvenz anmeldet. Die zuständigen Minister wollten deshalb schon heute im kleinen Kreis bei Kanzlerin Angela Merkel über die Angebote beraten.

Am Ende entscheidet General Motors

Die Entscheidung, wer zum Zuge kommt, liege allerdings in den Händen von GM, betonte das Wirtschaftsministerium. Um Übernahmeverhandlungen zu ermöglichen, die sich bis zum Herbst hinziehen dürften, will der Bund mit einem Treuhand-Modell eine Brückenfinanzierung über 1,5 Milliarden Euro bereitstellen.

Laut "Bild"-Zeitung will Fiat sich eine Opel-Übernahme mit Bürgschaften von bis zu sieben Milliarden Euro absichern lassen. Europaweit sollten nach dem Fiat-Konzept 18.000 Stellen gestrichen werden, allerdings nicht nur bei Opel, sondern auch bei Fiat. Das Magna-Konsortium kalkuliere mit einem Finanzbedarf von fünf Milliarden Euro und wolle nahezu gleichmäßig über Europa verteilt 10.000 Jobs streichen. Der Finanzbedarf bei Ripplewood betrage unter fünf Milliarden Euro. Der Stellenabbau liege in einer ähnlichen Größenordnung wie bei Magna.

Falls sich kein Bieterkonzept als tragfähig erweist und GM sich nicht auf das deutsche Treuhand-Modell einlässt, droht Opel die Insolvenz. Betriebsratschef Franz kündigte deshalb in der "FAZ" einen Notfallplan an: Die Beschäftigten könnten mit den Opel-Händlern den Autobauer selbst übernehmen. In einem vorab veröffentlichten Interview der "Welt" betonte er allerdings die Vorzüge des Ripplewood-Gebots. "Das Konzept von Ripplewood ist absolut logisch und nachvollziehbar", sagte Franz. "Das Angebot muss ernsthaft geprüft werden."

Einem Bericht von "Automotive News" zufolge hat Fiat zwei verschiedene Gebote vorgelegt - eines mit und eines ohne eine Offerte für das GM-Lateinamerika-Geschäft. "Spiegel online" berichtet ohne Nennung einer Quelle, GM favorisiere für Opel den Zulieferer Magna. Fiat rangiere erst an dritter Stelle.

Roland Koch sieht Magna vorne

Von den drei Interessenten für die Übernahme des angeschlagenen Autokonzerns Opel favorisiert der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna. Es gebe eine deutliche Rangfolge, sagte Koch im Deutschlandfunk.

Magna versuche mehr als die anderen beiden Interessenten, mit neuen Ideen neue Märkte und Kunden zu erschließen - und erfülle am ehesten die Hoffnungen vieler. Danach komme Ripplewood, Fiat sei mit seinem Vorschlag "weit entfernt" von dem, was man sich erhofft habe. Entsprechend dieser Reihenfolge müssten auch in den nun anstehenden Verhandlungen Prioritäten gesetzt werden. (rtr/dpa/ddp/afp)

Datum:  22 | 5 | 2009
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