Frankfurt a.M. Die Entscheidung, wer bei Opel als Investor einsteigt, könnte sich länger hinziehen als gedacht. Denn hinter den Kulissen geht es offenbar überraschend meinungsfreudig zu.
Die bisherige Konzernmutter GM sowie die bürgenden Helfer von Bund und Ländern sind uneins. Das war erwartet worden. Überraschend freilich erscheint, dass die hiesigen Treuhandvertreter wohl nicht auf dem offiziellen deutschen Kurs fahren. Damit zeichnen sich Risse in der deutschen Position ab.
Chrysler und GM sind insolvent. Opel braucht fremde Hilfe. Porsche und VW kämpfen gegen- statt miteinander. Zulieferer leiden mit. Viele Jobs wackeln. Spezial: Krise der Autobauer
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Die Bundesregierung findet mit ihrem Eintreten für eine Opel-Übernahme durch Magna derzeit keine Unterstützung bei den eigenen Gewährsmännern, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von Personen aus dem Umkreis der Verhandlungen. Die beiden von Bund und Ländern bestellten Vertreter im Beirat der Opel-Treuhand teilen nicht die Präferenz der Regierung für den kanadischen Zulieferer.
Das Wirtschaftsministerium wollte das nicht bestätigen und verwies auf die Vertraulichkeit der Gespräche. Ein Beauftragter der Beirates betonte: "Der Beirat hat sich noch keine Meinung gebildet, weil ihm noch Fakten fehlen." Eine abschließende Meinungsbildung gebe es daher noch nicht.
Reuters erfuhr aus verhandlungsnahen Kreisen, das vom Bund benannte Beiratsmitglied Manfred Wennemer neige unter den drei Bietern zum Finanzinvestor RHJ. Der von Länderseite benannte hessische FDP-Politiker Dirk Pfeil halte eine Insolvenz für die bessere Lösung. Die von der deutschen Seite genannten Beiräte seien bislang "nicht hilfreich gewesen", ergänzte eine Person aus dem Kreis der Beteiligten. Ähnliches war auch von einer anderen Seite zu hören. "Die müssen wir wieder ein bisschen einfangen", sagte die Person.
Der Treuhand kommt beim Verkauf des Autobauers eine entscheidende Rolle zu. Sie hält derzeit 65 Prozent der Opel-Anteile, die restlichen 35 Prozent liegen bei GM. Dem Treuhand-Beirat gehören neben den zwei von deutscher Staatsseite benannten Vertretern zwei Repräsentanten von GM an. Vorsitzender ist der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham), Fred Irwin.
Das Gremium soll seine Entscheidung am Ende streng nach kaufmännischen Kriterien treffen. Irwin hatte am Mittwoch an der Gesprächsrunde im Kanzleramt mit GM zu den Kaufangeboten teilgenommen, bei der GM über die Kaufangebote für Opel unterrichtete.
Bei dem Gespräch wurde ein tiefer Graben zwischen den Vorstellungen der Bundesregierung und denen von GM deutlich. Die GM-Seite habe sich ganz eindeutig für RHJ ausgesprochen und keine Basis für eine Zustimmung zu Magna gesehen. "Die haben Magna nur schlecht gemacht", hieß es im Umkreis der Verhandlungen.
Streitpunkte seien etwa die Lizenzgebühren zulasten von Opel gewesen sowie die Marktabgrenzung zwischen GM und Opel. Regierung und GM wollen versuchen, innerhalb der nächsten Tage die Streitpunkte zu klären. Angestrebt wird eine Lösung bis Ende nächster Woche.
Im Rennen um die Übernahme des Autobauers Opel verbleiben nur noch die beiden Interessenten. Die Verhandlungen würden mit dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und dem belgischen Finanzinvestor RHJ International weitergeführt, teilte General Motors Europe mit. Der chinesische Interessent BAIC ist aus dem Rennen. (rtr/afp)
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