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Opel und die Arbeitnehmer: Was sich der Betriebsrat wünscht

Zunächst schien die Sache klar: Der Betriebsrat von Opel lehnt einen Einstieg von Fiat strikt ab. Doch dann hieß es plötzlich: Einzelne Betriebsräte sähen das ganz anders. Von Eva Roth

Zunächst schien die Sache klar: Der Betriebsrat von Opel lehnt einen Einstieg von Fiat strikt ab. Doch dann hieß es plötzlich: Einzelne Betriebsräte sähen das ganz anders. Schauen wir also nach: Was halten Betriebsräte und Gewerkschafter von einem möglichen Engagement der Italiener bei Opel? Und welche Lösung fänden sie gut?

Mit deftigen Worten warnt Armin Schild, IG-Metall-Chef in Hessen, vor einem Einstieg: Mit Fiat und der derzeitigen US-Mutter General Motors "wären zwei kranke Mütter im Spiel", sagte er im ZDF. "Das hält das stärkste Unternehmen nicht aus." Schild fürchtet einen Jobabbau, weil sich das Angebot der beiden Autobauer überschneidet. Damit liegt er ganz auf der Linie von Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz.

Positiv bewertet Schild dagegen das Interesse des Autozulieferers Magna: "Ich glaube, dass Magna ein vielversprechender Interessent ist, aber ich weiß auch, dass es weitere vielversprechende Interessenten gibt", sagte Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt.

Der Betriebsratschef des Opel-Werks in Bochum widersprach zunächst seinen Kollegen energisch: "Es gibt keinen Grund, Fiat als Investor abzulehnen, so lange man das industrielle Konzept dieses möglichen Investors nicht kennt", sagte Rainer Einenkel der Rheinischen Post. Später näherte er sich dann vorsichtig der Position von Ober-Betriebsrat Franz an: Fiat könne nun darlegen, "in welcher Form man möglicherweise zusammengehen kann", sagte er am Freitagmorgen im WDR. Aber man müsse "aufpassen, dass nicht über diesen Weg ein möglicher Konkurrent ausgeschaltet werden kann".

Opel hat nach eigenem Bekunden Überkapazitäten von 30 Prozent. Im Eisenacher Werk ist davon nichts zu spüren, das Geschäft brummt: "Wir fahren Sonderschichten", sagte der dortige Betriebsratschef Harald Lieske der Frankfurter Rundschau. Die Arbeiter bauen Corsa-Modelle - und die sind gefragt. "Die Auftragsbücher sind gut gefüllt", erzählt Lieske.

Ein Einstieg von Fiat bei Opel sei deswegen kurzfristig betrachtet kein Grund zur Beunruhigung. Langfristig sei die Sache schon schwieriger. Zwar hofft der Betriebsrat, dass der Trend zu kleinen, spritsparenden Autos anhält. Allerdings sei ungewiss, ob Fiat auf Dauer zwei Modelllinien bauen lasse, den Corsa und den Fiat-Konkurrenten Punto. Denkbar sei auch, dass Fiat nach und nach die Produktion nach Italien verlagert. Es bestehe die Gefahr, "dass Opel langfristig geopfert wird".

Und was wäre eine optimale Lösung? "Wir wünschen uns die volle Selbstständigkeit von Opel mit staatlicher Beteiligung", betont Lieske. Er sei überzeugt, dass es Opel auch ohne Partner schaffen und Marktanteile dazugewinnen könne. Das Beispiel Volkswagen zeige, dass eine staatliche Beteiligung funktionieren könne.

Der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) muss an seine Leute in Italien und Deutschland denken. EMB-Generalsekretär Peter Scherrer gab sich denn auch diplomatisch: Sollte der positive Trend bei Klein- und Mittelklassewagen nachlassen, teile er die Befürchtung von Opel-Betriebsrat Franz. Dennoch, betont Scherrer, sei die Zukunft von Opel mit einem "industriellen Partner wie Fiat eher gesichert als mit einem reinen Finanzinvestor". mit dpa

Autor:  EVA ROTH
Datum:  25 | 4 | 2009
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