Wie kann Porsche sich mit Volkswagen den größten Automobilkonzern Europas kaufen, ohne sich dabei zu übernehmen? Man muss einfach Holger Härter fragen, den Finanzvorstand des Sportwagenbauers. Maßgeblich hat er nämlich ein raffiniertes System ausgeklügelt, um die mehrheitliche Übernahme von VW zu stemmen. Kürzlich ließ sich das Stuttgarter Unternehmen ein wenig in die Karten schauen, wie das funktioniert. Das Geheimnis heißt "cash gesettelte Optionen".
So funktioniert es: Porsche schloss zunächst nur Wetten auf steigende VW-Kurse mit Banken ab. Mit diesen Optionsverträgen erwarb Porsche das Anrecht auf Aktien des Autobauers. Zu welchem Preis, ist unbekannt, aber er lag anfangs wohl sehr niedrig. Betrug der vereinbarte Preis zum Beispiel 20 Euro, so macht Porsche bei einem Kurs von 35 Euro pro Aktie einen Gewinn von 15 Euro, weil die Bank dem Unternehmen die Differenz zwischen dem Aktienkurs und dem im Optionsvertrag vereinbarten Wert auszahlen musste. Vermutlich hat der Sportwagenbauer zunächst eine ganze Weile spekuliert und aufgrund steigender VW-Kurse Milliarden eingesammelt und damit später tatsächlich zusätzliche Aktien der Wolfsburger gekauft. Wäre der VW-Kurs kontinuierlich gefallen, hätten die Spekulationsgeschäfte nicht funktioniert.
Der Sportwagenhersteller ist mit seinem System aber ziemlich weit gekommen. Als der Sportwagenbauer sich vor rund drei Jahren mit 20 Prozent bei VW engagierte, stand der Kurs der VW-Aktie bei 35 Euro. Gestern übersprang er zeitweise die Marke von 1000 Euro. Dass Porsche noch kräftig mitzockt, gilt als sicher, auch wenn der Konzern dies bestreitet. Im nächsten Jahr will das Unternehmen am Ziel sein und 75 Prozent der VW-Anteile besitzen. cri
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