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19. Januar 2015

Oxfam: Hälfte des Wohlstands in der Hand von einem Prozent

 Von 
Ein Prozent der Menschheit verfügt über die Hälfte des globalen Reichtums, während sich die übrigen 99 Prozent mit der anderen Hälfte begnügen müssen  Foto: epd

Die britische Wohlfahrtsorganisation Oxfam weist vor der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos darauf hin, dass ein Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2016 mehr als die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzen wird. Die Kluft zwischen Arm und Reich werde schnell tiefer.

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Das Weltwirtschaftsforum in Davos gilt als eine Art planetarisches Jahrestreffen der Reichen und Mächtigen. Vertreter multinationaler Unternehmen, Politiker, Banker, Wirtschaftsexperten  und Wissenschaftler kommen regelmäßig Ende Januar in dem Schweizer Nobelskiort zusammen, um Themen rund ums Geld zu diskutieren, die die Welt bewegen. Die diesjährige Zusammenkunft, die vom Mittwoch bis zum Samstag stattfindet, setzt mehrere Schwerpunkte: Es geht um „Innovation und Industrie“, um „Wachstum und Stabilität“, „Gesellschaft und Sicherheit“ sowie um „Krise und Zusammenarbeit“.

Passend zu diesem umfangreichen Spektrum legt die britische Hilfsorganisation Oxfam, die erstmals am Weltwirtschaftsforum teilnimmt, eine bemerkenswerte Studie zur Verteilung der Besitztümer dieser Welt vor. Danach verfügt ein Prozent der Menschheit über die Hälfte des globalen Reichtums, während sich die übrigen 99 Prozent mit der anderen Hälfte begnügen müssen. Tendenziell haben sich die Unterschiede zwischen den Reichsten und dem großen Rest in den vergangenen Jahrzehnten nicht verringert, sie sind gewachsen.

Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 hat sich der Prozess des Auseinanderdriftens den Oxfam-Angaben zufolge sogar beschleunigt. 2009 besaß das reichste Hundertstel der Weltbevölkerung „nur“ 44 Prozent des globalen Reichtums, 2014 waren es schon 48 Prozent und 2016 werden es wohl mehr als 50 Prozent sein. Diese Entwicklung führt nicht nur zu extrem ungerecht verteilten Lebens- und Entwicklungschancen – sie ist nach Ansicht von Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima  auch höchst gefährlich: Wachsende Ungleichheit bremse das Wirtschaftswachstum, destabilisiere Regierungen, konzentriere wirtschaftliche Macht und dränge das Gros der Menschen und ihre Interessen an den Rand. „Das ist die Botschaft der Menschen in den armen Ländern dieser Welt, die wir in Davos überbringen wollen“, sagt die 56-Jährige Uganderin, die persönlich am Weltwirtschaftsforum teilnehmen wird.

Die Kluft zwischen arm und reich wird schnell tiefer.  Foto: dpa

Bereits im vergangenen Jahr hatte Oxfam im Umfeld des Forums mit schockierenden Daten zur globalen Verteilung Schlagzeilen produziert: 2013 besaßen die weltweit 85 reichsten Personen ebenso viel, wie die ärmere, 3,5 Milliarden Individuen zählende Hälfte der Menschheit. 2014 hat sich dieses Verhältnis laut Oxfam noch weiter zugunsten der Superreichen verschoben. Im vergangenen Jahr hätten nur mehr 80 Multimilliardäre ihre Besitztümer zusammenlegen müssen, um die Habseligkeiten von 3,5 Milliarden Menschen aufzuwiegen. 2010 hätte es hierzu noch der 388 reichsten Menschen des Planeten bedurft.

Dass  Ungleichheit nicht nur die ärmsten Länder betrifft, sondern auch wohlhabende Gesellschaften, zeigen Daten aus europäischen Ländern. In Großbritannien beispielsweise besitzen 30 Prozent der Gesamtbevölkerung  ebenso viel wie die 100 reichsten Familien der Insel. Letztere mehrten ihr Vermögen allein im Jahr 2008 um 15 Milliarden britische Pfund. Auch in Deutschland sind die Unterschiede enorm. Laut dem vierten Armuts- und Reichtums-Bericht der Bundesregierung besitzen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung mehr als die Hälfte des privaten Nettovermögens. Die weniger betuchte Bevölkerungshälfte dagegen verfügt gerade über ein Prozent. Dass eine solche Verteilung mit der Vorstellung einer gerechten, auf Leistungsbereitschaft und Solidarität beruhenden Gesellschaft nicht überein zu bringen ist, haben Wissenschaftler wie der französische Ökonom Thomas Piketty zeigen können. Doch auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten sind allzu krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht förderlich. Im Dezember stellte die OECD eine Untersuchung vor, die die konjunkturschädlichen  Wirkungen der zunehmenden Ungleichheit in Deutschland bezifferte: Danach wäre das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen 1990 und 2010 um 32 Prozent und damit sechs Prozent stärker gewachsen, wäre die Verteilung des Reichtums in diesem Zeitraum prozentual konstant geblieben. In anderen Ländern wie Neuseeland oder Mexico waren die Wohlfahrtsverluste noch größer.

Oxfam-Direktorin Byanyima hat nun im britischen Guardian ein These formuliert, die sich wie ein Arbeitsauftrag für das Weltwirtschaftsforum liest: „Extreme Ungleichheit ist nicht das Ergebnis eines Zufalls oder wirtschaftlicher Naturgesetze, sondern Resultat politischer Entscheidungen - und somit sind es auch politische Entscheidungen, die Ungleichheit verringern können.“

 

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