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Paket mit Kreditkartenabrechnungen: Laxer Umgang

In der Landesbank Berlin ist der Datenschutz offenbar über Jahre hinweg weitaus leichtsinniger gehandhabt worden als bislang bekann. Der Berliner Datenschutzbeauftragte kritisiert die mangelnden Sicherheitsstandards.

Sensible Daten: Diese Mikrofiches landeten bei der FR.
Sensible Daten: Diese Mikrofiches landeten bei der FR.
Foto: Kraus

In der Landesbank Berlin (LBB) ist der Datenschutz offenbar über Jahre hinweg weitaus leichtsinniger gehandhabt worden als bislang bekannt. Im Datenschutz-Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses äußerte ein Referent des Datenschutzbeauftragten am Freitag harsche Kritik an dem Kreditinstitut: Aus den Verträgen, die ihm die LBB bislang vorgelegt habe, könne er "nicht erkennen, dass die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt wurden".

Nachdem der Redaktion der Frankfurter Rundschau durch einen haarsträubenden Zufall ein Paket mit den Kreditkartenabrechnungen von rund 130 000 LBB-Kunden zugespielt worden war, hatte die Bank einen Krisenstab gebildet und den Datenschutzbeauftragten zu Rate gezogen. Dessen Referent Daniel Holzapfel überprüfte vor allem die Verträge zwischen der LBB und dessen Dienstleister Atos Worldline, der für das Kreditkartengeschäft der Landesbank verantwortlich ist. Atos seinerseits beauftragt regelmäßig ein Kurierunternehmen, hochsensible Kundendaten von Frankfurt nach Berlin zu transportieren. Wie man seit Freitag weiß, geschieht dies offenbar ohne nennenswerte Sicherheitsstandards, sondern auf dem gleichen Weg, mit dem auch Lebensmittel, Spielzeug oder ähnliches quer durch Deutschland geschickt werden.

Keine selbstständige Kontrolle

Holzapfel monierte in der Sitzung des Datenschutzausschusses, die konkreten Vereinbarungen zwischen der LBB und Atos seien ihm bislang nicht vorgelegt worden - das sei "ungewöhnlich". Noch ungewöhnlicher sei, dass die Firma Atos - die für die meisten Kreditkartenausgeber in Deutschland tätig ist - "offensichtlich durch ein externes Unternehmen kontrolliert wird, das von Atos selbst ausgewählt wird", so Holzapfel. Damit werde die LBB ihrer Verantwortung für den heiklen Umgang mit nahezu zwei Millionen Kreditkarten nicht gerecht. Atos selbst wollte sich mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren weiterhin nicht zu dem Fall äußern.

Sorglose Unternehmen

Die LBB zeigte sich von den Vorwürfen überrascht. In direkten Gesprächen mit den Datenschützern sei bislang "keine Kritik an der Zulieferung von Unterlagen geäußert" worden, sagte Banksprecher Marcus Recher der FR. Zum Vorwurf, dass sich Atos quasi selbst kontrollieren lasse, sagte Recher: Atos sei "mehrfach zertifiziert und unterhält hohe Standards". Die Einhaltung dieser Standards werde "selbstverständlich durch die LBB überprüft. Dies wurde aus gegebenem Anlass durch die interne Revision der LBB noch einmal überprüft und bestätigt."

Der stellvertretende Berliner Datenschutzbeauftragte Hanns-Wilhelm Heibeyl zeigte sich unterdessen besorgt über den generellen Anstieg von Betrugsfällen mit Kreditkarten. Nach seiner Kenntnis habe sich die Zahl solcher Fälle in den letzten zwölf Monaten nahezu verdoppelt.

Der Grund sei nicht nur die stetige Zunahme von im Umlauf befindlichen Kreditkarten, sondern auch das sorglose Verhalten von Unternehmen. So bewerbe etwa der ADAC "aggressiv" seine eigenen Kreditkarten, klagte Heibeyl. Zigtausendfach habe der Automobilclub etwa per Post fertige Karten an Kunden verschickt, die diese nur noch freischalten müssten. So etwas öffne Missbrauch Tür und Tor. Ausgeber der ADAC-Karte ist die LBB.

Autor:  JÖRG SCHINDLER
Datum:  20 | 12 | 2008
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