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26. Februar 2015

Parkplatzsuche: Revolution bei der Parkplatzsuche

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Besonders in den Innenstädten, wie hier in Wiesbaden, ist der Kampf um einen Parkplatz besonders hart.  Foto: Rolf Oeser

Autofahrer in Städten verbringen bis zu 30 Prozent ihrer Reisezeit mit der Parkplatzsuche. Nun wird daraus ein Geschäft. Der Technologiekonzern Siemens startet Anfang April einen Pilotversuch.

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Die Suche nach einem Parkplatz in der Stadt kostet Autofahrer regelmäßig ordentlich Nerven. Siemens will mit seiner neuesten Entwicklung der lästigen Zeitverschwendung jetzt Abhilfe schaffen: Der Technologiekonzern startet Anfang April einen ersten öffentlichen Pilotversuch auf einem Kilometer der Berliner Bundesallee; Ende des Jahres will Marcus Zwick im großen Stil lieferfähig sein. „Es funktioniert“, ist sich der Leiter Siemens-Innovationsabteilung für Mobilität sicher. Was ihn so euphorisch macht, ist ein Kästchen mit Radarsensoren, das künftig an Straßenlaternen von Berlin bis München und von London bis Dubai hängen soll. Es meldet per Handy-App oder Navigationssystem an Autofahrer, wo ein Parkplatz frei ist.

„Das Fahrzeug ist eigentlich ein Stehzeug“, sagt Zwick. Denn im Schnitt parkt ein Auto 23 Stunden täglich. Bis es aber soweit ist, vergeht oft viel Zeit. Hierzulande dauert die Parkplatzsuche im Schnitt zehn Minuten, hat Europas führender Parkhausbetreiber Apcoa ermittelt. „Fast ein Drittel des innerstädtischen Verkehrs ist Parkplatzsuche“, weiß Zwick. Beim Spähen nach der Lücke werden im Schnitt 4,5 Kilometer zurückgelegt, was mit 1,35 Euro Kosten und 1,3 Kilogramm Kohlendioxidausstoß zu Buche schlägt.

Die Idee der gezielten Parkplatzsuche per moderner Technik ist nicht neu. Konkurrenten sind mit im Boden versenkten Sensoren bereits am Markt. Siemens hält die eigene Technik aber für überlegen und kostengünstiger: Ein Siemens-Sensor könne von oben sieben Parkplätze zugleich erfassen. Zudem sei er anders als Bodensensoren wartungsfrei, witterungsunabhängig und ermögliche weitere Anwendungen.

So können die Sensoren nicht nur freie Parkplätze melden, sondern auch einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes benachrichtigen, wo jemand falsch parkt, sagt Zwick. Anders herum meldet das System dem Autofahrer auch, dass er illegal parkt. Die Sensoren erfassen zudem den fließenden Verkehr. Damit kann das System dazu genutzt werden, nachts Straßenbeleuchtung nur dann anzuschalten, wenn Autos oder Radfahrer unterwegs sind.

„Unser System ist lernfähig,“ betont Zwick. Nach einer Zeit könne es einem Autofahrer noch im Wohnzimmer sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit er in einem bestimmten Innenstadtbereich in 30 Minuten einen Parkplatz finden wird. Fährt er los und kommt er dem Ort nahe, wo er parken will, wird ein konkreter Parkplatz gemeldet und zwar einer, der von der Länge auch passt. Dabei würden Persönlichkeitsrechte stets gewahrt, verspricht Zwick. Die Technik erfasse nur Objekte, keine Menschen oder deren Daten.

In San Francisco sind Systeme mit Bodensensoren bereits seit 2010 im Einsatz. In senorgesteuerten Parkgebieten wurde der Parkplatzsuchverkehr um 43 Prozent reduziert, lautete eine Erkenntnis. Und die zweite Erkenntnis: 30 Prozent der Pendler sind im Wissen, dass kein Parkplatz für sie frei ist, auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen.

Parkplatz finden im Vorfeld

Was die Technologie kostet, will Zwick nicht sagen. Er verspricht aber, dass sie für Städte bezahlbar ist und sich binnen Kurzem amortisiert. Parkautomaten würden sich binnen eines halben Jahres abbezahlen. „So ähnlich wird es bei uns sein“, sagt der Innovationschef. Er räumt aber ein, dass deutsche Städte eher konservativ seien, was die Neuentwicklung angeht. Im Gespräch steht Siemens wegen der Parkplatzsensoren unter anderem mit München und Köln.

Großes Interesse an der neuen Technik würden laut Zwick britische Metropolen zeigen, aber auch die Ölstaaten des Mittleren Ostens. So startet in Dubai unmittelbar nach Berlin ein zweiter Pilotversuch. Dortige Kommunen haben auch keinerlei Finanzierungsprobleme. „Dubai will die verkehrstechnisch modernste Stadt der Welt werden“, sagt Zwick und baut auf Aufträge. Erste Zielmärkte seien auch Italien und China.

In Deutschland will Siemens die Städte noch mit anderen Argumenten ködern: In den Metropolen sei Feinstaub ein immer größer werdendes Problem, weiß Zwick. Die Kommunen würden deshalb nach Puzzlestücken suchen, mit denen sich die Feinstaubbelastung senken lässt. Drastisch sinkender Parksuchverkehr wäre ein solches Puzzleteil. Städte müssten auch nicht flächendeckend mit Laternensensoren bestückt werden. Es reiche die Erfassung von Problemzonen. Zufrieden machen wollen die Siemens-Entwickler auch Konzernchef Joe Kaeser. Das Unternehmen brauche mehr Innovationen, forderte der zuletzt. Die binnen eines Jahres entwickelte Parkplatz-Technik soll ein vorzeigbares Beispiel dafür sein.

Der immer weiter automatisierte Verkehr braucht jedoch neue Regeln: Die deutsche Autoindustrie drängt auf übergreifende EU-Regeln für das Autofahren der Zukunft. Nationale Vorschriften zum Beispiel zu Datenschutz und Haftungsrecht wären „kleinkariert“, so der Verband der Automobilindustrie. (mit afp)

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