Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

18. Januar 2016

Patente : Nur gefunden, nicht erfunden

 Von 
Geerntete Sojabohnen. Der US-Konzern Monsanto hat sich in Amerika ein Patent auf eine genetisch veränderte Sojapflanze gesichert.  Foto: dpa

Pflanzen, Saatgut, Tiere - Konzerne wie der amerikanische Monsanto wollen sich Patente daran sichern. Nun sehen Aktivisten erstmals eine Chance, ihnen beim für Schutzrechte zuständigen Europäischen Patentamt einen Riegel vor zu schieben.

Drucken per Mail
München –  

Patente auf Saatgut, Pflanzen und Tiere sind seit Jahren ein Zankapfel – und es werden immer mehr. Nun sehen Aktivisten von Organisationen wie Greenpeace oder „Kein Patent auf Leben“ erstmals die Chance, das für die Schutzrechte zuständige Europäische Patentamt (Epa) in München zu bremsen. Noch im ersten Quartal 2016 will die EU-Kommission einen Bericht zum kontrovers diskutierten Thema vorlegen. Einzelne EU-Länder wie die Niederlande machen Druck und auch Deutschland soll sich nun dafür stark machen, Patente auf Lebensmittel wie Kohl, Weizen und Melonen zu verbieten, fordert ein Bündnis. Dazu startet am Mittwoch eine europaweite Kampagne unter Führung der Bürgerrechtsbewegung Campact.

Das Datum ist nicht zufällig gewählt. An diesem Tag verhandelt das Epa einen Einspruch gegen ein Melonen-Patent (EP 1962578) des US-Saatgutriesen Monsanto, erklärt Christoph Then. „Wir werden wahrscheinlich verlieren“, schätzt der Patentexperte von Greenpeace die Lage ein. Die Melone genießt Patentschutz, weil sie eine besondere Resistenz gegen Viren aufweist, die bei der Zucht ein großes Problem sind. Aber diese Resistenz hat auch eine Melone aus Indien. Monsanto hat sie nur gefunden, nicht erfunden. „Monsantos Patent ist ein klarer Fall von Biopiraterie“, kritisiert Francois Meienberg von einem Schweizer Ableger des Protestbündnisses. Wenn jemand die Natur kopiere, sei das noch keine Erfindung.

Nicht nur nach Meinung der Aktivisten sind Patente auf Leben schon jetzt in europäischen Gesetzen verboten. Das Epa interpretiere sie nur falsch. Auch die Niederlande, Österreich oder die Schweiz sehen das so und zuletzt hat auch das Bundesjustizministerium unter Heiko Maas die Stirn gerunzelt. Im Alleingang können die Länder aber beim Epa nichts erreichen, weil es eine übernationale Behörde ist, die von den 38 europäischen Staaten, die sie tragen, nur gemeinsam beeinflusst werden kann.

Druck auf große Koalition

Welche Dimension das Problem erreicht hat, beschreibt Ruth Tippe. Allein 2015 seien beim Epa rund 100 neue Patentanträge für konventionell gezüchtete Pflanzen wie Karotten, Kartoffeln oder Paprika eingegangen, weiß die Chefin von „Kein Patent auf Leben“. Seit 2000 sei die Zahl solcher Schutzersuchen auf 1400 gestiegen. 180 Patente wurden bislang erteilt. Ein Drittel aller Patentanträge auf Nutzpflanzen würden mittlerweile auf konventionell gezüchtete Varianten entfallen, die die natürliche Vielfalt bereitstelle. Ein schöpferisches Dazutun von Konzernen wie Monsanto, Dupont oder Syngenta sehen Tippe und Then nicht. Weitgehend öffentlich unbeachtet entstehen dabei Saatgutmonopole in der Hand weniger Konzerne. „Nur 30 Patente erstrecken sich auf rund 1000 Pflanzensorten“, erklärt Then. Es würden nämlich nicht nur einzelne Pflanzen patentiert, sondern Merkmale wie besondere Resistenzen gegen Schädlinge oder gesundheitsförderliche Eigenschaften, die dann je für ein ganzes Bündel an Pflanzen gelten. Dadurch kontrolliere das Trio aus Monsanto, Dupont und Syngenta global die Hälfte des Saatgutmarkts für Nutzpflanzen.

Ziel der Aktivisten ist es, die Bundesregierung zum Handeln zu bringen. Denn im Koalitionsvertrag ist von einem Verbot von Patenten auf Leben die Rede, ohne dass die Politiker bislang aktiv geworden wären. Wenn nicht rasch etwas geschehe, werde das Patentamt demnächst hunderte weiterer Patente auf Pflanzen, Tiere und Saatgut erteilten, warnt das Protestbündnis. Mit 200 000 Unterschriften, die es nun allein in Deutschland sammeln will, soll Maas an das Koalitionsversprechen erinnert werden.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Rente

Es hat sich ausgeriestert

Von Dorothea Mohn |

Wir brauchen bessere Altersvorsorge-Modelle Mehr...

Hilfe

Provozierte Katastrophen

Wie humanitären Krisen vorgebeugt werden kann Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Videonachrichten Wirtschaft

Anzeige

Forum Entwicklung

Recht auf Arbeit – auch für Kinder?

Das Forum Entwicklung ist eine Debattenreihe von Frankfurter Rundschau, hr-iNFO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).  

Weltweit arbeiten rund 150 Millionen Kinder – oft unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in der Teppichproduktion oder als Dienstmädchen. Darum geht es beim „Forum Entwicklung“ am Donnerstag, 23, April. Mehr...

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen