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19. April 2015

Paul Krugman: „Schäuble hat nichts gelernt“

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Paul Krugmann, Wirtschaftsnobelpreisträger und scharfzüngiger Kolumnist.  Foto: imago/ZUMA Press

Der US-Starökonom Paul Krugman ist fassungslos über die deutsche Europolitik. Auf einem Kongress wettert er gegen Finanzminister Wolfgang Schäuble.

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Von Volkswirten hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), um es vorsichtig auszudrücken, herzlich wenig. Eine ganz spezielle Abneigung aber verbindet den Juristen mit dem US-Starökonomen Paul Krugman, der 2008 den Nobelpreis gewann und als international gefeierter Kolumnist sein Publikum mit Attacken gegen die deutsche Sparpolitik begeistert.

Für Schäuble steht der scharfzüngige Kritiker für das, was er besonders verachtet: die angelsächsischen Wirtschaftsprofessoren, die eine lockere Geldpolitik und schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme lieben – also alles, was Schäuble ablehnt. Für Krugman symbolisiert der Bundesfinanzminister die deutsche Halsstarrigkeit, die Europa zwinge, sich kaputt zu sparen und zu reformieren.

Fehde lebt neu auf

Einmal im Leben sind sich die beiden Männer beiläufig begegnet. Das war vor vielen Jahren, als Schäuble in Kiel eine Rede bei einer Preisverleihung an den US-Star-Ökonomen Paul Krugman hielt. Doch diese Woche nutzten die beiden die Griechenland-Debatte, um ihre Fehde neu aufleben zu lassen. Inhaltlich steht ihre Kontroverse für die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über die Euro-Krise, ihre Ursachen und mögliche Lösungen.

Den Aufschlag machte Schäuble mit einem Gastbeitrag in der New York Times. Ausgerechnet in der New York Times, dem Hausblatt Krugmans, in dem der seine gefürchteten Kolumnen veröffentlicht. Schäuble rechtfertigte die deutsche Position, die bei den Volkswirtschafts-Professoren der Eliteunis in Harvard, Yale, Princeton und Oxford auf pures Unverständnis stößt, genau wie bei den von ihnen ausgebildeten Ökonomen der internationalen Organisationen wie dem IWF.

Europa sei auf gutem Weg, die Krise und ihre Ursachen bekämpfen, betonte Schäuble. Trotz aller Vorwürfe haben Deutschland nicht die Krise mit einer überzogenen Sparpolitik verschärft. Vielmehr setzte sich die Bundesregierung mit Erfolg für eine „wachstumsfreundliche Konsolidierung“ ein. Dies heißt, die Euro-Krisenländer sollen ihre Verschuldung konsequent reduzieren. Sie sollen mit Strukturreformen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Ist der Sparkurs das Problem - oder die Lösung?

Strukturreformen – das Wort steht für harte Veränderungen, den Umbau der Wirtschaft durch eine Öffnung der Arbeitsmärkte, also etwa einen Abbau der Kündigungsschutzregeln, durch steuerliche Anreize für Investoren oder durch weniger soziale Absicherung. Diese Therapie ziele darauf, Vertrauen in die Länder wieder herzustellen. „Einfach mehr öffentliches Geld auszugeben hätte nichts gebracht –und bringt auch heute nichts“, so Schäuble.

Schon dieser Satz ist für Krugman eine einzige Provokation. Auf einem internationalen Kongress, zu dem ihm die Hans-Böckler-Stiftung nach Brüssel geladen hatte, setzte er zum Konter an. In seiner gewohnt ironisch-satirischen Art bezeichnete er das Konzept der „wachstumsfreundlichen Konsolidierung“ als ökonomische Innovation, die ebenso bemerkenswert wie unsinnig sei.

Die Austerität – also ein zu harter Sparkurs – habe Europa in eine Lage geführt, die mit der „großen Depression“ der 1930er Jahre in den USA vergleichbar sei. Eine Volkswirtschaft könne nicht wachsen, wenn die Politik die Nachfrage mit Einsparungen und Kürzungen immer weiter drücke. „Niederschmetternd“ sei die Position Schäubles. „Er hat in fünf Jahren nichts dazu gelernt.“

Und dann erzählte Krugman noch von einer Fernsehsendung aus seiner Kindheit. Immer wieder sei darin ein Mann mit dem Kopf gegen eine Wand gelaufen. Als er gefragt worden sei, warum er dies tue, habe er geantwortet: „Es fühlt sich so schön an, wenn es aufhört“.

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