kalaydo.de Anzeigen

Studie: Pflege größer als Autoindustrie

Der Bedarf steigt, Arbeitskräfte fehlen: In der Pflegebranche arbeiten inzwischen mehr als eine Million Menschen.

Alte Menschen: Der Pflegebedarf wächst, doch Pfleger fehlen.
Alte Menschen: Der Pflegebedarf wächst, doch Pfleger fehlen.
Foto: dpa

Die Pflege ist zu einer der gefragtesten Leistungen der deutschen Wirtschaft geworden. In der Branche arbeiten inzwischen mehr Menschen als in der Auto-, der Elektroindustrie oder dem Maschinenbau. Das geht aus einer Studie des Wifor-Instituts der TU Darmstadt hervor. Die Zahlen wurden für das Jahr 2008 berechnet. Demnach beschäftigte die Branche zu diesem Zeitpunkt 1,12 Millionen Menschen.

Das Wifor-Institut zog für seine Berechnungen nicht nur die Alten- und die Krankenpflege heran. Eingerechnet wurden auch Heime für werdende Mütter, Einrichtungen zur Eingliederung und Pflege Behinderter und Wohnheime für Behinderte.

Pflegebranche
Pflegebranche
Foto: FR

Da in den kommenden Jahren noch mehr Menschen pflegebedürftig werden, warnt die Branche bereits jetzt vor einem akuten Arbeitskräftemangel. Bereits bis 2020 fehlten 300.000 Pflegekräfte, warnt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA). „Deutschland braucht eine umfassende Qualifizierungsoffensive in der Pflege und die Greencard für Pflegekräfte“, fordert BPA-Präsident Bernd Meurer.

„Wir brauchen noch 2010 einen Pflegegipfel mit allen gesellschaftlichen Kräften. Ein weiteres Aussitzen der ungelösten Probleme hätte schlimme Folgen für Millionen alter Menschen und letztlich für uns alle.“ Denn bis 2050 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen Prognosen zufolge auf über vier Millionen verdoppeln. Zudem geht der Trend weg von der Pflege durch Angehörige hin zur Pflege durch professionelle Anbieter. Hintergrund dafür ist, dass Frauen immer häufiger berufstätig sind, Familien durch berufsbedingte Umzüge auseinandergerissen werden und aufgrund der rückläufigen Geburtenzahlen Kinder fehlen werden, die ihre Eltern pflegen können. Dass wie im Jahr 2007 künftig noch knapp die Hälfte der Pflegebedürftigen von ihren Angehörigen versorgt wird, ist deshalb unrealistisch.

Auch die Regierung hat das Problem erkannt

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) forderte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung „klare und praktikable Rahmenbedingungen“ für den Einsatz osteuropäischer Haushaltshilfen in der Pflege. Damit soll dem häufigen Wunsch Pflegebedürftiger, auch im Alter zu Hause wohnen zu können, entsprochen werden.

Zwischen 1996 und 2008 nahm die Zahl der Beschäftigten in der Pflege laut Wifor-Institut um knapp 50 Prozent zu. Das entspricht einem Beschäftigungsanstieg von durchschnittlich 3,9 Prozent pro Jahr. Die Gesamtwirtschaft weist in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Zuwachsrate von nur 0,6 Prozent aus. „Die Branche stellt durchschnittlich sechs Mal mehr Erwerbstätige ein als die Gesamtwirtschaft“, sagt Studienautor Dennis Ostwald.

Zwar schwächte sich die Zahl der Neueinstellungen in der Pflegebranche seit 2005 etwas ab. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird aber im größten Pflegesektor – der Alten- und Krankenpflege mit 885.000 Beschäftigten – auch in den kommenden Jahren mit einem Beschäftigungsaufbau gerechnet. Das Institut der Deutschen Wirtschaft erwartet bis ins Jahr 2050 eine Verdreifachung der Zahl der Beschäftigten in der Altenpflege auf 2,06 Millionen Arbeitnehmer in Voll- und Teilzeit.

Autor:  Daniel Baumann
Datum:  8 | 8 | 2010
Kommentare:  12
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Insolvenz
Hunderte von Filialen hat Schlecker bereits geschlossen.

Der Insolvenzverwalter ist bestellt, jetzt beginnt die harte Zeit der Neuordnung von Schlecker. Wir erklären, wie es mit der Kette weitergeht.

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!