Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Holger Härter, den ehemaligen Finanzvorstand des Unternehmens . Mit "richterlichen Durchsuchungsbeschlüssen" seien Beamte am Donnerstag am Verwaltungssitz des Unternehmens eingetroffen, teilte der Sportwagenbauer weiter mit. "In der Folge durchsuchten die Beamten Geschäftsräume". Es seien "diverse geschäftliche Unterlagen" beschlagnahmt worden.
Die Staatsanwälte ermittelten wegen des Verdachts "auf Verletzung der aktienrechtlichen Publizitätspflicht sowie auf Marktmanipulation". Porsche wies die Vorwürfe zurück und erklärte, man unterstütze die Behörden "in vollem Umfang, um zu einer schnellen Aufklärung beizutragen."
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte, nach Hinweisen der Finanzaufsicht Bafin gehe es auch um die unbefugte Weitergabe von Insiderinformationen. Es handele sich um einen Anfangsverdacht. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen", sagte die Justizsprecherin. Ob und wann Anklage erhoben werde, sei noch völlig offen.
Die Bafin bestätigte, Anzeige wegen Marktmanipulationen "beim Übernahmekomplex VW-Porsche" erstattet zu haben. Die Anzeige sei Anfang August bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstattet worden, sagte eine Bafin-Sprecherin. Sie beziehe sich auf einen Teilaspekt, die Untersuchung der Übernahme sei noch nicht abgeschlossen.
Wiedeking und Härter hatten sich beim Versuch, Volkswagen zu übernehmen, verhoben, und mussten im Juli ihren Hut nehmen. Porsche setzte bei dem Versuch auf spekulative Optionsgeschäfte. Dafür hatte das Unternehmen mit Banken Kauf- und Verkaufsoptionen ausgehandelt. Damit sicherte sich Porsche das Recht zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis Stammaktien des Wolfsburger Autobauers zu erwerben.
Mit diesen Deals trieb Porsche die VW-Stammaktie in ungeahnte Höhen. Vorigen Oktober kostete ein Anteilschein zeitweise mehr als 1000 Euro. VW war damit für einige Tage das wertvollste Unternehmen der Welt. Porsche gelang es mit dieser Strategie, mehr als 50 Prozent der VW-Anteile zu erwerben. Außerdem hielt das Unternehmen Optionen für etwa weitere 25 Prozent. Im freien Handel waren kaum noch Aktien von Europas größten Autohersteller zu haben, da das Land Niedersachsen einen Anteil von rund 20 Prozent hält.
Die Deals von Porsche funktionierten aber nur, weil Börsenprofis im Dunkeln über die Strategie der Zuffenhausener gelassen wurden. Mit dem Wissen über die Pläne hätten Spekulanten nämlich gegen Porsche wetten und so deren Geschäfte torpedieren können. Porsche hat in mehreren Mitteilungen die eigene Strategie bewusst verschleiert.
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