Der griechische Regierungschef Papandreou wirbt in Berlin bei Kanzlerin Merkel um politische Unterstützung. Sein Werdegang ist untypisch für einen Politiker. Ein Porträt von Gerd Höhler
Giorgos Papandreou, 57, griechischer Premier, trifft heute in Berlin Kanzlerin Merkel.
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Giorgos Papandreou, 57, griechischer Premier, trifft heute in Berlin Kanzlerin Merkel.
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Berlin. In Berlin wird heute der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou zu einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. Er wirbt um politische Unterstützung für die Sparbeschlüsse seiner Regierung. Andernfalls könne die griechische Schuldenkrise ganz Europa teuer zu stehen kommen.
Als der griechische Premier Kostas Simitis vor sechs Jahren, konfrontiert mit einer sicheren Wahlniederlage, seinen Außenminister Giorgos Papandreou als Nachfolger im Vorsitz der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) vorschlug, gaben viele Beobachter dem Kandidaten keine großen Chancen.
Debatte
Erst kippen Banken - dann wackelt die Wirtschaft. Nun muss der Staat helfen. Reden Sie mit über Wege aus der Krise
Parteichef und Ministerpräsident, das schien eine Nummer zu groß. Doch Pasok-Chef Papandreou, seit vergangenen Oktober griechischer Premier, beweist in der Krise unerwartete Führungsstärke.
"Giorgakis", den "kleinen Giorgos", nennen die Griechen Papandreou, im Unterschied zu seinem gleichnamigen Großvater, der Mitte der 60er Jahre als Regierungschef amtierte. Der zweite Vorname des heutigen Premiers, Andreas, erinnert an seinen Vater, der 1981 an die Macht kam.
Das griechische Debakel mit dem Euro
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Das griechische Debakel mit dem Euro
Die Europäische Union und ihr Ratspräsident Herman Van Rompuy knüpfen den bisher vor allem politischen Beistand an Bedingungen: Die Griechen sollen künftig ehrlich berichten - und viel sparen.
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Das freilich gefällt den Griechen ganz und gar nicht - sie streiken und ziehen auf die Straßen.
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Das Land lebt seit Jahre über seine Verhältnisse - und mogelte sich mit geschönten Haushaltszahlen in den Euro-Raum.
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Das wird deshalb ausgerechnet jetzt zum Problem, weil Athen im April einen vergleichsweise hohen Betrag zurückzahlen muss.
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Die Märkte reagieren: Sie fürchten um die Stabilität des Euro - sein Wert, gemessen am Dollar, sinkt seit Wochen.
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Zugleich verlangen die Geldgeber von Griechenland immer höhere Risikoaufschläge, was sich am Renditeabstand zwischen griechischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen festmachen lässt.
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Viele schwache Länder haben sich Geld bei deutschen Banken geliehen.
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So lässt sich erklären, warum Deutschland mit Frankreich in Sachen Rettungspläne voranschreitet. Hier Bundeskanzlerin Merkel und der französische Staatspräsident Sarkozy in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Brüssel.
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Logo der staatlichen KfW-Bankengruppe.
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Die Euro-Staaten wollen das schuldengeplagte Griechenland unterstützen - bevor das Land pleite geht und Europa in eine neue Finanzkrise stürzt. Hier Griechenlands Premier Giorgos Papandreou.
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Massenstreik in Griechenland (2010)
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Massenstreik in Griechenland (2010)
Viel ist nicht los: Die meisten Passagiere am Internationalen Flughafen Athen scheinen sich auf den Streik der Fluglotsen eingestellt zu haben.
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Ein Plakat ruft zum Generalstreik am 24. Februar auf. Aber nicht das ganze Land steht still: Volksschullehrer unterrichten, Supermärkte bleiben geöffnet, Frachter und Tanker fahren regulär.
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Der Busverkehr steht still, ebenso die U-Bahnen.
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Griechenland plagen Schulden in Höhe von rund 300 Milliarden Euro. Das Defizit als Anteil des Bruttosozialproduktes soll von knapp 13 Prozent bis zum Jahresende um mindestens vier Prozentpunkte gesenkt werden.
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"Nein zum Stabilitätspakt": Die Demonstranten auf dem Balkon des griechischen EU-Büros in Athen lehnen die von der EU geforderte dreiprozentige Defizitgrenze gemessen am BIP ab.
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Blockade vor der Athener Börse
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Die linke Gewerkschaft PAME macht die "Plutokratie" für Griechenlands Schuldenkrise verantwortlich.
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Mit ungeliebten Steuererhöhungen und einem Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst versucht die Regierung unter Giorgos Papandreou die Schulden zu verringern.
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Papandreou hat "kein Verständnis" für den Streik, weil es einfach "kein Geld" gebe.
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Schon am 19. Februar hatten die Taxifahrer gestreikt: Der Grund war eine Erhöhung der Spritpreise.
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Die Benzinpreise waren wegen Treibstoffknappheit erhöht worden - streikende Zollbeamten hatten die Öleinfuhr verhindert.
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Der Generalstreik in Griechenland verläuft glimpflicher als befürchtet. Zwar fallen Flüge und Busse aus, Schulen bleiben geschlossen. Aber Tourismus, Handelsschiffart und Lebensmittelindustrie arbeiten weiter. Unser Bild zeigt einen schlafenden Passagier am Flughafen Athen.
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Die Papandreous sind einer der drei großen Polit-Clans, die sich seit Jahrzehnten an der Macht ablösen. Sie haben das Land im Laufe der Zeit mit einem dichten Netz von Klientelbeziehungen überzogen - und sind damit eine der tieferen Ursachen der heutigen Krise. Insofern ist auch der heutige Ministerpräsident aus der Familie Papandreou ein Teil des Problems.
Sein Werdegang ist jedoch untypisch für einen griechischen Politiker. Geboren in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota, wo sein Vater als Professor lehrte, studierte Giorgos Papandreou in den USA, Kanada, Schweden und an der School of Economics in London Soziologie und Politik. Manche nennen ihn eher geringschätzig den "Amerikanaki", den "kleinen Amerikaner".
Athen hingegen ist Schauplatz eines Schlüsselerlebnisses in seinem Leben. Als sich die griechischen Obristen am frühen Morgen des 21. April 1967 an die Macht putschten, kamen Soldaten auch zum Haus der Familie Papandreou, um Andreas Papandreou zu holen. Der damals 13 Jahre alte Giorgos öffnete die Tür.
Ein Offizier hielt dem Jungen eine Pistole an den Kopf und drohte: "Sag mir, wo Dein Vater ist, oder ich drücke ab." Giorgos sagte: "Ich weiß es nicht." Sein Vater kam danach aus seinem Versteck und ließ sich festnehmen. Seit jenem Tag, sagen Freunde, sei Giorgos Papandreou nicht aus der Fassung zu bringen.
Wenn der Premier heute vom "Überlebenskampf" Griechenlands spricht und seine Landsleute ermahnt, "entweder wir ändern uns, oder wir gehen alle miteinander unter", dann wird das nicht als Demagogie wahrgenommen. Papandreou wirkt glaubwürdig.
Das schlägt sich auch in den Meinungsumfragen nieder. 74 Prozent der Griechen halten Papandreou für sympathisch, ein traumhafter Wert für einen Politiker, der seinen Landsleuten seit dem Amtsantritt eigentlich nur Hiobsbotschaften verkünden konnte.