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Auslagerung: Post will Pakete loswerden

Die Post-Gewerkschaften warnen vor Dumping und schlechterem Service bei einer Auslagerung des Paketdienstes auf Fremdfirmen. Sie sprechen von einer "Spirale nach unten"

        

Post- und Paketbote zu Wasser im Spreewald.
Post- und Paketbote zu Wasser im Spreewald.
Foto: Getty

Gewerkschafter schlagen Alarm. „Uns schwant Böses“, sagt Maik Brandenburger von der Gewerkschaft DPVKOM der Frankfurter Rundschau. Seine Warnung ist eindringlich gemeint: „Die Post darf die Paketzustellung nicht an Fremdfirmen vergeben. Das könnte eine Spirale nach unten bedeuten.“

Das Management der Deutschen Post prüft, das Paketgeschäft auszulagern. Entscheidungen gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher des Logistikkonzerns, der zu gut 30 Prozent dem Bund gehört. „Es ist aber völlig richtig, über Kosten nachzudenken“, sagt Christian Götz, Analyst der LBBW. Schließlich leide das Briefgeschäft unter schrumpfenden Umsätzen. Und mit der Pleite des Versandhauses Quelle sei der Paketsparte ein ganz wichtiger Großkunde weggefallen. Götz betont aber auch, dass das Verringern der Aufwendungen die Qualität nicht beeinträchtigen dürfe.

Im Paketgeschäft herrscht heftiger Wettbewerb. Die härtesten Konkurrenten der Post sind Hermes, UPS, DPD und GLS. Das Unternehmen im markanten Gelb hat aber nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 39 Prozent und transportiert täglich 2,5 Millionen Pakete. Der Markt wächst wegen des seit Jahren expandierenden Internethandels.

Eine komplette Auslagerung des Paketgeschäfts hierzulande kann einem FAZ-Bericht zufolge Einsparungen von 140 Millionen Euro pro Jahr bringen. Das Szenario würde vor allem städtische Regionen betreffen, wo Briefe und Pakete separat zugestellt werden. Die Post versucht seit Jahren, eine stärkere Fremdvergabe durchzudrücken. Verdi und die DPVKOM konnten dies bislang weitgehend verhindern. Allerdings wurde zuletzt vereinbart, dass in 990 von 6800 Zustellbezirken Fremdfirmen Pakete verteilen dürfen.

Tarifvertrag läuft bis Ende 2011

In Gewerkschaftskreisen werden die neuen Pläne als ein weiterer Anlauf gewertet, Lohnkosten im Paketgeschäft zu drücken – entweder bei den eigenen Leuten oder mittels Outsourcing. Paket-Zusteller bei der Konkurrenz verdienen deutlich weniger als Postler, die im Schnitt deutlich über zehn Euro pro Stunde erhalten. Bei Wettbewerbern werden teils weniger als sechs Euro gezahlt.

„Auch uns lassen diese Gedankenspiele keineswegs kalt. Wir müssen weiterhin wachsam sein“, sagte eine Verdi-Sprecherin der FR. Sie macht aber darauf aufmerksam, dass es einen Tarifvertrag gibt, der bis Ende 2011 läuft. Bis dahin dürfe es weder betriebsbedingte Kündigungen noch längere Arbeitszeiten oder weniger Lohn geben. Zudem habe die Post zuletzt „brillante Zahlen“ vorgelegt, und man müsse erst einmal darüber nachdenken, wie groß der Kostendruck tatsächlich sei.

„Doch was wird nach 2011?“, fragt Brandenburger von der DPVKOM. Bei einer Fremdvergabe gehe für die Post der direkte Draht zum Kunden verloren. Die Gefahr sei groß, dass dies mit Einbußen bei der bislang sehr hohen Zuverlässigkeit bei der Zustellung einher gehe. Dann bestehe die Gefahr, dass Kunden zur Konkurrenz abwanderten, was die Erlöse schrumpfen lasse und eine weitere Verschlechterung des Service nach sich ziehe.

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  25 | 8 | 2010
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