Frankfurt/Main - Der Aufsichtsrat der Deutschen Post hat Kreisen zufolge dem Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank zugestimmt. Der Aufsichtsrat habe grünes Licht gegeben, sagten mehrere Personen aus dem Umfeld des Kontrollgremiums. Ein Post-Sprecher verwies lediglich auf eine offizielle Erklärung, die in Kürze veröffentlicht werden solle.
Auch die Bundesregierung gibt grünes Licht für den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank. Nach den Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat der Bund zwar ein Vetorecht bis zum 31. Dezember. "Wir werden diese Vetoposition nicht einlegen", sagte Steinbrück am Freitag in Nizza. Er lobte, dass das Zusammenrücken der beiden Institute die Konsolidierung des "zu kleindimensionierten" deutschen Bankensektors vorantreibe.
Die Deutsche Bank übernimmt für fast 2,8 Milliarden Euro 29,75 Prozent der Postbank. Damit wird die größte Deutsche Bank größter Einzelaktionär der Postbank. Rechnerisch wird das gesamte Institut dadurch mit 8,3 Milliarden Euro bewertet. Vollständig verleibt sich der Branchenprimus den Wettbewerber damit nicht ein, doch er sichert sich das Vetorecht in der Hauptversammlung, was andere Kaufinteressenten fern halten dürfte. Außerdem soll die Vereinbarung zwischen Deutscher Bank und Post Kauf und Verkaufsoptionen enthalten, durch die der Anteil der Deutschen Bank bis zum Jahr 2010 steigen sollte.
Die Deutsche Post will zumindest einen Teil des Erlöses an die Aktionäre ausschütten. Der Verkaufserlös von knapp 2,8 Milliarden Euro sei zentraler Bestandteil der Überlegungen zur Ausschüttung an die Aktionäre. Die Post will den Angaben zufolge noch in diesem Jahr darüber entscheiden. Vor allem angelsächsische Großinvestoren hatten immer wieder gefordert, die Postbank zu verkaufen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten. Die Deutsche Post erwartet aus der vollständigen Trennung von der Postbank einen maximalen Erlös von 4,6 Milliarden Euro.
Damit enden monatelange Verhandlungen, die an unterschiedlichen Preisvorstellungen zu scheitern drohten und zeitweise auf Eis lagen. Erst als die Commerzbank mit der Allianz über den Kauf ihrer Finanztochter Dresdner Bank handelseinig wurde, kam wieder Bewegung in den Prozess.
Angesichts der Verwerfungen auf den Kapitalmärkten haben nicht nur die deutschen Banken den Privatkunden wiederentdeckt. Denn das ihnen anvertraute Vermögen, die so genannten Einlagen, ermöglicht es ihnen, sich deutlich günstiger zu refinanzieren als am Kapitalmarkt, an dem seit Monaten hohe Risikoprämien verlangt werden.
Im Sommer hatte die Deutsche Bank bereits versucht, das deutsche Privatkundengeschäft der Citibank zu ergattern. Wie Vorstandschef Josef Ackermann kürzlich verriet, hatte das Institut vier Milliarden Euro geboten. Doch der französische Credit Mutuel legte 900 Millionen Euro mehr auf den Tisch - und erhielt den Zuschlag.
Als nun auch noch die Dresdner Bank den Besitzer wechselte, wuchs bei der Deutschen Bank die Nervosität. Die vorerst letzte Gelegenheit, sich im Privatkundengeschäft auf dem Heimatmarkt zu verstärken, wollte das Institut nicht verpassen.
Wie wenig umstritten der Deal intern ist, zeigt sich auch daran, dass das Institut keine Aufsichtsratssitzung abhalten wird. Der Beschluss soll, wie verlautet, im Umlaufverfahren gefasst werden. Dabei erklären die Mitglieder des Gremiums schriftlich ihre Zustimmung.
Künftig will Ackermann sich ganz auf das Kerngeschäft Logistik konzentrieren, wo ihn die Riesenbaustelle US-Expressgeschäft mit täglichen Verlusten von fünf Millionen Euro erwartet. Doch die Post hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, ihre profitable Finanztochter an den Mann zu bringen. Die internationale Bankenkrise drückte den Wert des Instituts um fast ein Drittel auf knapp 7,4 Milliarden Euro.
Den Verkauf einfach vertagen will Appel auch nicht, denn eine mittelfristige Überbrückungsstrategie mit offenem Ende würde den Konzern wieder Millionen Euro kosten. Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss können beide Parteien ihr Gesicht wahren. Der kolportierte Kaufpreis entspricht einer Prämie auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate von etwa zwei Prozent.
Appel muss sich also nicht dem Vorwurf aussetzen, das Institut zum Schleuderpreis verkauft zu haben. Zumal er für die verbliebenen Anteile vielleicht noch mehr herausholen kann, wenn es an der Börse wieder nach oben gehen sollte. Und doch muss er die Zahlen der Postbank künftig nicht mehr in seiner Bilanz aufführen. Das gefällt den Investoren, denen ein reiner Logistikkonzern lieber ist als ein Gemischtwarenhandel. mit rtr
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