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20. September 2012

PR bei Wikipedia: Mitarbeiter manipulieren Wikipedia

 Von Jonas Rest
Die Enzyklopädie rühmt sich für ihr freie Kultur, jeder könne mitmachen. Darum steht sie immer wieder in Gefahr, für PR genutzt zu werden.  Foto: imago stock&people

Das schöne Gibraltar wird zum Skandal für Wikipedia. Hochrangige Mitarbeiter sollen für die kleine Region PR gemacht haben. Auch andere Artikel der freien Enzyklopädie sollen manipuliert worden sein. Die Glaubwürdigkeit des Portals ist gefährdet, denn die PR wird immer raffinierter.

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„Abscheulich“ nennt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die Vorgänge, die die Reputation der freien Online-Enzyklopädie erschüttern: Gleich zwei hochrangigen Wikipedia-Mitarbeitern wird vorgeworfen, ihr Position ausgenutzt zu haben, um PR für ihre Klienten zu platzieren.

Roger Bamkin, der sich im Karrierenetzwerk Linkedin als „Direktor“ der britischen Wikimedia-Foundation bezeichnet, soll dafür gesorgt haben, dass gleich 17 Mal Texte über Gibraltar erscheinen. Wie das Technikportal CNet berichtet, seien die Texte in der Rubrik „Schon gewusst?“ auf der englischsprachigen Wikipedia-Startseite aufgetaucht. Brisant dabei: Bamkin arbeitet zugleich als PR-Berater – zu seinen Klienten zählt seit Ende Juni Gibraltar. Die häufige Platzierung dürfe die Tourismus-Abteilung des britischen Überseegebietes gefreut haben. Auf die englischsprachige Startseite von Wikipedia sollen jeden Monat Hundert Millionen Nutzer zugreifen.

Ein weiterer führender Wikimedia-Mitarbeiter soll nebenbei sogar eine PR-Agentur betreiben, die explizit die Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln anbietet. Die Beratungsfirma „untrikiwiki“ hat bis vor kurzem damit geworben, dass ein positiver Wikipedia-Artikel „unbezahlbare“ Suchoptimierung sei, da dieser bei Google beinah mit hundertprozentiger Garantie einer der Top-3-Treffer sei. Das Statement wurde inzwischen von der Internetpräsenz der Beratungsfirma entfernt. Sie erklärte zugleich, das kein Interessenskonflikt bestanden hätte.

Die Wikipedia-Community dürfte dies anders sehen. Sie hat ohnehin damit zu kämpfen , dass die freie Online-Enzyklopädie zu einem Hauptangriffsziel für PR-Firmen geworben ist. Denn ihre Artikel haben für die Nutzer eine hohe Glaubwürdigkeit – die PR-Firmen gerne für ihre Zwecke nutzen möchten. Für Aufsehen sorgten im Dezember 2011 Recherchen der britischen Tageszeitung The Independent, die ans Licht brachten, wie eine PR-Agentur hunderte Einträge der freien Enzyklopädie bearbeitet hatte. Man habe ein Team, um Wikipedia in Ordnung zu bringen, hatte die Firma den sich als Kunden getarnten Reporten erklärt.

Geduldiges Formulieren

„Für das Image eines Unternehmens ist Wikipedia online so bedeutend wie kein anderer Kanal“, sagt der Experte für Online-Reputation Malte Landwehr. In einer Untersuchung kam er 2008 zu dem Ergebnis, dass jeder Dritte Dax-Konzern seinen Wikipedia-Eintrag manipuliert hatte. „Da wurde dann aus einem führenden Chemiekonzern ganz schnell mal die Formulierung, es handele sich um den führenden Chemiekonzern“ – während bei einer Explosion plötzlich der Hinweis verschwand, auf dem Werksgelände welcher Firma sie sich ereignet hatte.

Das plumpe Kopieren von Werbetexten falle zwar meist sofort auf, sagt Landwehr. Doch er sagt auch: „Anders sieht es aus, wenn PR-Firmen einen Text über einen langen Zeitraum bearbeiten.“ Ein unliebsamer Fakt wird dann erst vorsichtig zu einem Vorwurf umformuliert – und verschwindet dann irgendwann ganz aus dem Eintrag. „Das sind langfristige Projekte, für die eigene Accounts systematisch aufgebaut werden.“

Mit den von den PR-Firmen geführten Benutzer-Accounts werden dann zunächst beliebige Artikel editiert, Rechtschreibfehler korrigiert oder Zahlen aktualisiert. „Erst nach einiger Zeit wird dann damit begonnen, den Zielartikel zu manipulieren.“

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