Hamburg. Die schlechte Nachricht vorweg: Strom und Gas werden 2010 für die Verbraucher wieder teurer. Das ist zwar paradox, denn gleichzeitig zahlen die Zwischenhändler international für Strom und Gas deutlich weniger als vor einem Jahr. Warum die Verbraucher nicht im gleichen Umfang von den Preisschwankungen profitieren liegt einerseits an den Marktstrukturen, andererseits an langfristigen Lieferverträgen.
Zunächst zum Erdgas, wo die bizarre Situation besonders ausgeprägt ist. "Der Markt wird mit Gas derzeit regelrecht überschwemmt, die unterirdischen Gasspeicher sind voll. Das drückt den Preis im Großhandel", sagt Andreas Kögler vom Branchenmagazin Energie & Management. Hintergrund ist der gesunkene Verbrauch in der Industrie als Folge der Wirtschaftskrise und zugleich steigendes Angebot zum Beispiel von verflüssigtem Erdgas LNG. Auch wenn sich die Konjunktur 2010 wieder erholt, der Gaspreis an den Spotmärkten "müsste eigentlich weiter fallen".
Kopplung an Öl ist das Problem
Bei den Verbrauchern ist die Welt eine andere. So werden die im Gaspreisindex des Branchenportals Verivox gemessenen Tarife in Deutschland zum 1. Januar im Durchschnitt um sechs Prozent zulegen. "Im Jahresverlauf rechnen wir im Mittel mit einem weiteren Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich", sagte Sprecher Thorsten Storck der FR. Grund für die Annahme ist die Bindung der Gaspreise an das Öl, die bei langfristigen Lieferverträgen immer noch üblich ist. Die großen Versorger wie Eon Ruhrgas und Wintershall kaufen das Gros des flüchtigen Rohstoffs auf Jahre ein, vor allem aus Russland und Norwegen. Wegen der Kopplung an den Ölpreis haben sich die Gaspreise zuletzt nicht verändert und dürften in den nächsten Monaten wieder steigen. Denn die Verdoppelung des Ölpreises seit Anfang 2009 auf rund 70 Dollar je Fass ist bis heute nicht eingepreist. Selbst Größen wie Eon sollen diese Verträge längst ein Dorn im Auge sein, könnten sie doch deutlich günstiger am Markt einkaufen. 2009 sind die Gaspreise für deutsche Haushalte immerhin um 25 Prozent gesunken.
Auch für Strom müssen die Haushalte laut Verivox-Preisindex im neuen Jahr im Schnitt rund ein Prozent mehr bezahlen als noch im Oktober. Seit Januar sind die Tarife damit um drei Prozent gestiegen. Dabei sind auch hier die Beschaffungskosten für die Versorger an der Börse um fast die Hälfte auf rund 36 Euro je Megawattstunde (MWh) gefallen. Neben den staatlichen Belastungen haben die Stromfirmen im laufenden Jahr die Preiserhöhungen damit begründet, dass sie sich in der Vergangenheit ebenfalls langfristig mit Elektrizität zu hohen Preisen eingedeckt hätten. Da 2009 die Beschaffungspreise gefallen sind, müsste sich "das auch irgendwann bei den Verbrauchern positiv auswirken", fordert Storck. Doch rauf gehe es immer schneller als runter, sagt Kögler. Bisweilen fällt das "runter" offensichtlich ganz aus.
Denn für 2010 deuten Indikatoren auf weitere Preiserhöhungen hin. So zahlen Händler für Elektrizität zur Lieferung im nächsten Jahr an der Börse in Leipzig rund 25 Prozent mehr als aktuell. "Dafür gibt es keinen fundamentalen Grund. Die Händler spekulieren", sagt Beobachter Kögler. Es gibt auch Gründe, die das Gegenteil erwarten ließen. So muss ab 2010 regenerativer Windstrom an der Börse verkauft werden. Dies könnte die Strompreise insgesamt drücken.
Und noch ein Lichtblick: Die Zahl konkurrierender Anbieter und Preise dürfte insbesondere beim Erdgas so groß werden wir nie zuvor. "Die Preisschere wird dabei immer weiter auseinandergehen", sagt Verivox-Experte Storck. Ein Vier-Personen-Haushalt könne schon heute beim Wechsel des Gasanbieters im Jahr gut und gerne 200 Euro sparen.
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