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Preisrutsch: Die Mär vom Milchpreis

Der Schwarze Peter geht um. Die Milch ist schon wieder viel zu billig und keiner will's gewesen sein. Zwar freuen sich die Verbraucher, Milchbauern dagegen fürchten um ihre Existenz. Von Antje Schüddemage

Milch - gesund und den Bauern viel zu billig.
Milch - gesund und den Bauern viel zu billig.
Foto: ap

Der Schwarze Peter geht um. Die Milch ist schon wieder viel zu billig und keiner will's gewesen sein. Zwar freuen sich die Verbraucher ob des veritablen Preisrutsches im weißen Sortiment, Milchbauern dagegen fürchten um ihre Existenz.

Der Schuldige scheint schnell gefunden: die großen Discounter. Diesen warf der Deutsche Bauernverband (DBV) am Donnerstag Missbrauch ihrer Marktmacht bei der Bestimmung des Milchpreises vor. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner appellierte im ZDF-Morgenmagazin an Discounter und den Einzelhandel, "die Milchbauern nicht an die Wand zu drücken". Man müsse den Handel "zur Raison rufen", der die Zersplitterung der Milchbauern und der Molkereien "mit seinem Turbokapitalismus ausnützt".

Sonnleitner, der hinter dem Preisrutsch Absprachen vermutet, verkündete zudem, das Bundeskartellamt zur Überprüfung der Verfahrensweise der Discounter aufgefordert zu haben. Denn seit Montag bieten Aldi Nord und Süd, Rewe und Lidl Milch für einen Preis an, der noch unter dem Niveau von Anfang 2007 steht. So kostet der Liter Vollmilch bei allen Märkten 55 Cent und der Liter fettarme Milch 49 Cent. Auch die Preise für andere Milchprodukte wie Sahne, Kondensmilch und Quark sind identisch.

Ob es tatsächlich Absprachen gab, mag dahingestellt bleiben, auch die Marktmacht der großen Discounter sei unbestritten, doch hat der neuerliche Preisverfall bei Milchprodukten hauptsächlich eine Ursache: Es gibt mal wieder zu viel Milch auf dem Markt. Die Folge: Der Preis i sinkt.

Proteste gegen Milchpreise

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Bei der Frage, warum zu viel Milch da ist, scheiden sich die Geister. Aus Sicht des BDV liegt es nicht an der produzierten Menge. "Wir haben ein Absatzproblem", sagt Rudolf Schmidt, Referatsleiter Milch, der FR. "Durch die gestiegenen Preise haben die Verbraucher weniger konsumiert, der Export hat gelitten und lebensmittelverarbeitende Betriebe haben Rezepturen von tierischem Fett auf pflanzliches Fett umgestellt." Deshalb fordert Schmidt ein Konjunkturprogramm für den Absatz von Milchprodukten.

Ganz andere Töne sind vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu hören. "Das beste Mittel gegen hohe Preise sind hohe Preise", kommentiert dessen Sprecher Thorsten Sehm. Denn sie animierten die Landwirte, mehr zu produzieren. Den jüngsten Preisrutsch kreidet der BDM allerdings nicht melkwütigen Bauern, sondern Bauernverband, Milchindustrieverband (MIV) und der Politik an. Die 35 000 im BDM organisierten Michbauern hatten sich im Sommer auf nationale Maßnahmen zur Mengenreduzierung und Preisstabilisierung geeinigt. DBV und MIV sprachen sich jedoch dagegen aus, die Agrarexperten der Länder bekundeten am 20. Oktober ihre Ablehnung. Dieses Signal habe, so Sehm, ausgereicht, um tags darauf bei den Preisverhandlungen der Molkereien mit den Handelskonzernen die Preise in den Keller fallen zu lassen.

Ob die Milchbauern sich mit ihrer nationalen Lösung noch durchsetzen können, wird sich heute im Bundesrat entscheiden. In der neuen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) scheinen sie eine Verbündete zu haben. Diese appellierte gestern an die Länder, nicht dagegen zu stimmen.

Autor:  ANTJE SCHÜDDEMAGE
Datum:  7 | 11 | 2008
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