Auch im Februar hat sich der rabiate Preisverfall auf dem Milchmarkt fortgesetzt. Im exportorientierten Norden der Republik ist sogar schon die 20-Cent-Marke geknackt, heißt es beim Deutschen Bauernverband. Die Erlöse für die Milchbauern seien gegenüber dem Januar um noch einmal ein bis zwei Cent abgesackt.
Im Januar lag der Preis im Bundesschnitt noch bei 25 Cent, wobei zwischen Nord- und Süddeutschland derzeit mehr als fünf Cent Differenz bestehen.
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Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) geht nun sogar davon aus, dass der Lebensmittelhandel das nun erreichte Niedrigpreisniveau in den laufenden Verhandlungen mit den Molkereien festschreiben wolle, und zwar bis ins nächste Jahr hinein.
In einem Brief an den Präsidenten des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Josef Sanktjohanser, schreibt der BDM, der "regelrechte Zusammenbruch des Milchmarktes" mache eine "nachhaltige Erzeugung von Milch in Deutschland unmöglich". Auf dem Spiel stünden die "Lebensmittelsouveränität und die regionale Versorgung" mit Milch aus deutschen Landen.
Die für Bauern existenzbedrohende Milchkrise dürfe nicht noch dadurch verschärft werden, indem die jetzt extrem niedrigen Preise durch lange Laufzeiten der Verträge auch noch "eingefroren" werden. Gleichzeitig warnt der BDM den Handel vor einer Wiederholung von "Maßnahmen des Protests", wie sie "in 2008 geschehen" seien.
Auf Ablehnung ist der Vorschlag von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gestoßen, die Milchquote derzeit nicht anzuheben. Sowohl der EU-Ratsvorsitzende, der tschechische Agrarminister Petr Gandalovic, als auch Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel lehnten den Vorstoß ab.
"Das löst das gegenwärtige Problem nicht", sagte Fischer Boel. Die Milchproduktion bleibe im Jahr 2008/09 ohnehin um vier bis fünf Prozent unter der Quote, ähnlich werde es 2009/10 sein. "Wir sollten diese rein politische Diskussion deshalb beenden und uns auf das wirkliche, wirtschaftliche Problem konzentrieren."
Aigner hingegen will die diesjährige Quotenerhöhung auf 2010 verschieben. Angesichts der Marktlage, in der wegen die Wirtschaftskrise die Nachfrage nach Milchprodukten weltweit gesunken ist, dürfe die Menge nicht erhöht werden. Sie war EU-weit 2008 um zwei Prozent angehoben worden und sollte in diesem und den vier folgenden Jahren um je ein Prozent wachsen.
Das Auslaufen der Quote zum Jahr 2015 hingegen stelle Aigner nicht in Frage, bekräftigte ihr Büro. Sie sprach sich zugleich dafür aus, dass die EU die Exportsubventionen "wohl dosiert" einsetze, um sensible Märkte in Entwicklungsländern nicht zu zerstören.
Unterdessen können Bauern darauf hoffen, vom Milliarden-Programm der EU zu profitieren. Aigner wolle zum Ende der Woche mit ihren Länderkollegen beraten, wie viel Geld den Milchbauern zufließen können.
Kommentar, Seite 14
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