Viele Privatversicherte bereuen inzwischen offenbar den Wechsel von der gesetzlichen Krankenkasse zu einem privaten Anbieter, das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest ergeben, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Jeder Zehnte würde demnach „auf keinen Fall“ mehr in die private Krankenversicherung wechseln, hätte er noch einmal die Wahl. Acht Prozent würden „wahrscheinlich“ nicht mehr wechseln, zehn Prozent könnten sich einen Wechsel „eventuell“ noch vorstellen. Damit hat rund jeder dritte Privatversicherte Zweifel, ob er bei den Privaten gut aufgehoben ist.
Die Umfrage wurde von der Krankenkasse Barmer GEK in Auftrag gegeben, die die Einstellung der Krankenversicherten zu den beiden Versicherungssystemen erkunden wollte. Demnach übt die private Krankenversicherung noch immer eine erhebliche Anziehungskraft aus. Jeder Fünfte gesetzlich Versicherte hält einen Wechsel in die private Krankenversicherung für „äußerst attraktiv“ oder „attraktiv“.
Prämien größtes Ärgernis
Der Zustrom zu privaten Krankenversicherern hielt sich 2010 trotzdem in Grenzen. Die Zahl der Privatversicherten stieg gerade einmal um ein Prozent auf 8,9 Millionen Menschen. Das hängt damit zusammen, dass viele wechselwillige gesetzlich Versicherte das System nicht verlassen können, weil sie das dafür notwendige Mindesteinkommen nicht erreichen. Zudem galt bis zum Jahresanfang die dreijährige Wartefrist, die nun auf ein Jahr verkürzt wurde. „Im laufenden Jahr dürfte das Neugeschäft besser ausfallen“, sagt der Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung, Reinhold Schulte.
Wer in die private Krankenversicherung wechselt, muss jedoch mit stark steigenden Prämien rechnen. Die Versicherer haben ein massives Kostenproblem. Zwischen 1997 und 2008 sind die Beiträge für Privatversicherte im Schnitt um 55 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die der gesetzlichen Kassen (plus 32 Prozent). Anfang 2011 legten die Beiträge im Schnitt um 3,5 bis 7,5 Prozent zu. Bei neu abzuschließenden Tarifen sind sie sogar so stark wie noch nie gestiegen.
Der Anstieg der Prämien ist laut Umfrage für Privatversicherte denn auch das derzeit größte Ärgernis. 15 Prozent sind darüber unglücklich. Bei Kassenmitgliedern sind es nur halb so viele (acht Prozent), die sich über steigende Beiträge ärgern, obwohl der Kassenbeitrag Anfang des Jahres von 14,9 auf 15,5 Prozent gestiegen ist, bei manchen Kassen müssen zudem noch Zusatzbeiträge bezahlt werden. Als großes Ärgernis gilt in beiden Systemen, dass bestimmte Leistungen nicht bezahlt werden. Prozentual gesehen sind darüber fast so viele Privatversicherte (sieben Prozent) wie Kassenmitglieder (acht Prozent) verärgert.
Überraschend schlecht kommt bei den Privatversicherten auch das Prinzip der Kostenerstattung weg. Jeder Dritte gibt an, dass dieses eher nachteilig sei. Teilweise hohe Beträge für medizinische Leistungen müssten vorfinanziert werden, es entstehe ein hoher Zeit- und Verwaltungsaufwand, die Rückerstattungsverfahren seien umständlich und langwierig, argumentieren sie. Das Kostenerstattungsprinzip gilt unter Befürwortern als Garant für mehr Kostentransparenz im Gesundheitswesen und ein höheres Kostenbewusstsein bei den Versicherten.
Kosten nicht transparent
Aber nur die Hälfte der Privatversicherten gab an, dass die Aufstellungen über Leistungen und Kosten grundsätzlich nachvollziehbar seien. Gesetzlich Krankenversicherte lehnen das Kostenerstattungsprinzip mit großer Mehrheit (64 Prozent) ab. Gleichzeitig wünschen sie sich aber mehr Kostentransparenz. 59 Prozent fordern generell mehr Transparenz, 29 Prozent wünschen sich Verbesserungen in Einzelfällen.
„Die private Krankenversicherung ist teuer, bietet keine bessere Versorgung und verursacht bei vielen Versicherten Ärger und Unzufriedenheit“, resümiert Athansios Drougias von der Barmer GEK die Ergebnisse. Da die private Krankenversicherung ohne staatliche Beihilfen nicht überlebensfähig sei, „sollte sie in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden“. „Die Krankenvollversicherung sollte ausschließlich den gesetzlichen Krankenkassen vorbehalten werden. Die Privaten können sich auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen konzentrieren.“
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