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Projekt Ökostrom: Der Mix macht's

Sonnenstrom tanken - dank Desertec. Es passt alles zusammen. Doch neue Energiequellen alleine reichen nicht. Denn Solarstrom, Windkraft und Co. werden Öl, Kohle und Gas nicht automatisch verdrängen. Von Joachim Wille

Sonnenkraftwerke wie im spanischen Almeria sollen in der Sahara gebaut werden.
Sonnenkraftwerke wie im spanischen Almeria sollen in der Sahara gebaut werden.
Foto: ddp

Sonnenstrom tanken - dank Desertec. Es passt alles zusammen. Alle Autofirmen von BMW bis Toyota arbeiten an Strom-Autos, und die Energieversorger Eon und RWE entwickeln mit Siemens das Sahara-Energie-Projekt, das in zehn Jahren Ökostrom nach Europa liefern könnte. Weg vom Öl - leicht gemacht. Statt an die Tankstelle fährt man an die Ladestation, und alles ist gut.

So einfach ist es nicht. Desertec gilt zwar selbst den kritischen Umweltschützern von Greenpeace als Meilenstein für die Solarenergienutzung.

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Großkonzerne wollen solarthermische Anlagen in Nordafrika bauen und Strom für Europa erzeugen - Lösung mit Zukunft oder technologischer Irrweg? Lesen Sie unsere Debatte.

Der Schlüssel für ein zukunftsfähiges Energiesystem sind solche Projekte aber nicht, selbst wenn diese und die dafür nötigen, die Kontinente überspannenden Strom-Supernetze in Amerika und Asien kopiert würden. Der Grund: Solarstrom, Windkraft und Co. werden Öl, Kohle und Gas nicht automatisch verdrängen.

Denn die fossilen Energien sind nicht knapp. Wer für den Sprit genug zu zahlen bereit ist, kann auch 2050 noch ein Benzinauto fahren und seine Ölheizung betreiben. Zwar reichen die gut gewinnbaren Erdöl-Reserven Experten zufolge nur noch 40 Jahre.

Doch könnten Kraftstoffe, die bei entsprechendem Preisniveau aus den reichlich vorhandenen Ölsanden gewonnen werden können, das Ende des Erdölzeitalters um Jahrzehnte hinauszögern.

Kohle reicht noch Jahrhunderte

Die Vorräte des schmutzigsten Energieträgers Kohle reichen beim derzeitigen Verbrauch noch mehrere Jahrhunderte. Auch aus Kohle kann man Benzin und Öl machen, wie Deutschland im Zweiten Weltkrieg gezeigt hat. Nur Erdgas wird in absehbarer Zeit knapp. Aber auch Gas lässt sich bekanntermaßen aus Kohle gewinnen.

Trotzdem erscheint ein Umsteuern in der Energiepolitik unausweichlich - aus Klimaschutz-Gründen. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat ausgerechnet, was ein "Weiter so" in der Energiepolitik bei einer auf mehr als acht Milliarden Menschen ansteigenden Weltbevölkerung und dem Nachholbedarf an Wohlstand in den Entwicklungsländern bedeuten würde.

Schon bis 2030 würde der Welt-Energie-Verbrauch um 45 Prozent steigen, der Anteil der fossilen Energieträger läge weiter bei 80 Prozent. Konsequenz: Die Erdatmosphäre würde sich bis 2100 um bis zu sechs Grad Celsius erwärmen - ein Horrorszenario; Klimaforscher halten zwei Grad für beherrschbar.

Kernfusion ist in weiter Ferne

Einen Ausweg bietet nur der forcierte Umstieg auf erneuerbare Energien, Atomkraft oder - in weiter Ferne - Kernfusion. Doch ein einfacher Austausch der Energiequellen wäre schwierig und gefährlich. Die IEA hat in einem klimaschutz-orientierten Szenario ausgerechnet.

Bis 2050 müssten rund 1300 Atomkraftwerke neu gebaut werden, also pro Jahr mehr als 30 Anlagen, wenn das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden soll - viermal so viel, wie es heute gibt. Die Kosten wären, bei Preisen von drei bis vier Milliarden Euro für einen modernen Reaktor, horrend; zudem würde wegen Uran-Mangels ein Übergang auf die gefährliche Brüter-Technologie notwendig.

Aber die "sanften" erneuerbaren Energien bieten keinen einfachen Ausweg. Ihr schneller Ausbau, um den rasant steigenden globalen Energieverbrauch zu decken, wäre ebenfalls extrem teuer.

Umweltorientierte Energieforscher wie Ernst Ulrich von Weizsäcker argumentieren: Nur Energieeffizienz führt aus der Wachstumsfalle. Primärenergie wird auch 2050 zum erheblichen Teil aus fossilen Quellen stammen; sie muss besser ausgenutzt werden. Beispiele gibt es reichlich. Kraftwerke, die Strom und Wärme liefern, oder "Passivhäuser", die keine Heizung mehr brauchen.

Greenpeace hat in einer Studie gezeigt, dass mit einer solchen Strategie erneuerbare Energien 2050 für global 70 bis 80 Prozent des dann noch benötigten Stroms und der benötigten Wärme reichen könnten.

Autor:  JOACHIM WILLE
Datum:  14 | 7 | 2009
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