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23. April 2014

Rana-Plaza in Bangladesch : Das Warten auf Hilfe

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Nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Komplexes vor einem Jahr sind viele Überlebende der Katastrophe noch nicht wieder in der Lage zu arbeiten.  Foto: AFP

Ein Jahr nach der Rana-Plaza-Katastrophe haben sich die Zustände in den Textilfabriken Bangladeschs nur wenig verbessert. Zudem überweisen westliche Modefirmen nur zögerlich Geld an den Entschädigungsfonds für Opfer der Katastrophe.

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Frankfurt –  

Es klingt wie Hohn. "Mode ist für Menschen da" lautet die neue Markenbotschaft der Adler-Modemärkte. Mit der "Haltungs- und Imagekampagne" hätten Kundenfrequenz und Umsatz schon in den ersten drei Wochen spürbar angezogen, teilte der Textileinzelhändler mit Sitz in Haibach bei Aschaffenburg mit. Von dem Bemühen, sich ein neues Image zu verpassen, konnte Shila Begum allerdings nichts spüren. Adler ließ die aus Bangladesch angereiste Gewerkschafterin und Überlebende der Rana-Plaza-Katastrophe in Haibach einfach vor der Tür stehen.

Wie NKD, die Kanz Kids Fashion Group und Benetton gehört Adler zu den Textilhändlern, die bislang jede Zahlung in den Entschädigungsfonds für die Opfer und Hinterbliebenen des Unglücks vom 24. April 2013 verweigern. Mindestens 40 Millionen US-Dollar werden nach Angaben der Clean Clothes Campaign (CCC) – Kampagne für saubere Kleidung – benötigt, um die Tausenden Hinterbliebenen und verletzten Näherinnen und Textilarbeiter zu entschädigen.

Die Bilanz zum Jahrestag des Unglücks fällt ernüchternd aus. Bislang sind laut CCC erst 15 Millionen Dollar auf dem Konto des Fonds gelandet, den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf verwaltet. Mindestens 28 westliche Unternehmen, die aus den Fabriken des Rana-Plaza-Komplexes Textilien bezogen, sind aufgefordert, in den Fonds einzuzahlen. Unter ihnen befinden sich neben hiesigen Firmen wie Adler und NKD auch KiK, Güldenpfennig und auf dem deutschen Markt stark präsente Bekleidungshäuser wie C&A, Benetton und Mango. "Wir erwarten von ihnen substanzielle Beiträge für den Fonds", sagte Frauke Banse von der Kampagne für saubere Kleidung. Die Höhe solle sich an den Umsätzen der Unternehmen orientieren.

Intransparenter Prozess

Davon kann in den meisten Fällen bislang keine Rede sein. Der irische Discounter Primark hat immerhin früh bestätigt, in Rana-Plaza produziert zu haben. Eine Million Dollar hat der Discounter dem Fonds überwiesen. Weitere neun Millionen Dollar sollen direkt an Familien der Opfer sowie an 580 Arbeiter gehen, die für einen Primark-Zulieferer im Rana-Plaza-Gebäude-Komplex gearbeitet haben. Anfang März gab auch KiK bekannt, eine halbe Million Dollar in den Fonds gegeben zu haben, eine Summe in gleicher Höhe habe das Unternehmen zudem "gespendet" – an wen, blieb unklar. Es sind solche Zahlungen am Fonds vorbei, die auf heftige Kritik von Nichtregierungsorganisationen stoßen.

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Es gehe nicht um willkürlich verteilte Almosen, sondern um einen für alle transparenten Prozess nach internationalen Regeln, sagt Frauke Banse. Der Entschädigungsfonds unter Aufsicht der Internationalen Arbeitsorganisation orientiert sich an einer ILO-Konvention, die nach der Rana-Plaza-Katastrophe erstmals auf die internationalen Auftraggeber der Zulieferer übertragen wird, die für die medizinischen Kosten der Opfer und Lohnausfälle aufkommen sollen. Am ersten Jahrestag des Unglücks erhalten nun alle registrierten Betroffenen beziehungsweise die Hinterbliebenen eine erste Pauschalzahlung von umgerechnet 465 Euro. Die Höhe der Entschädigung, die später in vier Tranchen ausgezahlt werden soll, wird individuell berechnet. 15 Millionen Euro werden da längst nicht ausreichen.

Modehändler Adler zieht sich mit dem Argument aus der Affäre, ein Teilauftrag für Blusen sei ohne das Wissen des Unternehmens im Rana-Plaza-Komplex produziert worden, es hätten keine formalisierte Geschäftsbeziehung bestanden. Dennoch habe das Unternehmen aus "humanitärem Verantwortungsgefühl" den vom Unglück Betroffenen über "vertrauenswürdige Kontakte im Land" 20 000 Euro zukommen lassen, teilte Adler mit.

Ein weit verzweigtes und flexibles Netz von Zulieferbetrieben ist typisch für die Textilbranche. Mit dem unübersichtlichen System "werden die Risiken bewusst outgesourct", sagt Banse.

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