Die IG Metall hat die Politik aufgefordert, Konsequenzen aus der neuen Leiharbeits-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu ziehen. "Das IAB bestätigt: Leiharbeit ist keine Brücke in nachhaltige Beschäftigung. Allenfalls ein wackeliger schmaler Steg", sagte IG-Metall-Vizechef Detlef Wetzel der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau. Nur einer "verschwindend geringen Minderheit von sieben Prozent" gelinge es, Leiharbeit komplett hinter sich zu lassen.
Zeitarbeit sei kein sinnvolles arbeitsmarktpolitisches Instrument, "sondern ein Mittel, um Tarifverträge zu umgehen und Löhne zu drücken, gerade auch in der Metallindustrie", kritisierte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft. Es sei ein "Skandal", dass das Niveau von Leiharbeit heute schon wieder fast den Stand von 2008 erreicht habe.
Für die Ausweitung solcher Jobs in der Metall- und Elektroindustrie seien allein die Arbeitgeber verantwortlich: "Sie nutzen mit Leiharbeit ein Instrument, das Arbeitnehmer nicht nur in prekäre Beschäftigung, sondern auch in Armut trotz Arbeit führt."
Gleiche Arbeit, gleiches Geld
Die Politik sei in der Pflicht, die Verhältnisse wieder gerade zu rücken: "Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Leiharbeit wieder zeitlich begrenzt wird und der Grundsatz "Gleiche Arbeit-Gleiches Geld" endlich Anwendung findet", forderte Wetzel mit Blick auf die Gespräche zur Überarbeitung des Arbeitnehmerüberlassungs-Gesetzes.
Ganz anders bewertet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall die Studie: "Der IAB-Bericht bestätigt die Erfahrungen mit Zeitarbeit in der Metall- und Elektroindustrie: Zeitarbeit sichert in unserer Industrie die personalpolitische Flexibilität, die sie im internationalen Wettbewerb benötigen", erklärte ein Gesamtmetall-Sprecher der Online-Ausgabe der FR. Gleichzeitig sei sie ein "wichtiges beschäftigungspolitisches Instrument", da sie vor allem Erwerbslosen und Geringqualifizierten den Einstieg in sozialversicherungspflichtige Arbeit ermögliche.
Die Arbeitsmarkt-Expertin Claudia Weinkopf betonte dagegen, dass "nur ein sehr kleiner Teil" der Zeitarbeiter in reguläre Beschäftigung komme. Für Unternehmen gebe es keine Anreize, die Leute zu übernehmen, so die Volkswirtin an der Uni Duisburg Essen. Denn die Beschäftigten erhielten meist nur geringe Einkommen, zudem könnten sie unbefristet eingesetzt werden.
Deshalb sollten die Einkommensunterschiede zwischen Leiharbeiter und Stammkräften gesetzlich beseitigt werden, fordert die Vize-Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation. "Es darf keine Anreize geben, Lohndumping zu betreiben." Im Schnitt verdienen Zeitarbeiter rund 15 Prozent weniger als Stammkräfte mit einem vergleichbaren Job, hat das IAB berechnet. "Im europäischen Vergleich ist die Lohnlücke in Deutschland am größten", betonte Weinkopf. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten im Jahr 2006 rund 67 Prozent dieser Arbeitnehmer im Niedriglohn-Sektor.
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