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Reiche Ernte: China tischt Gen-Reis auf

Die chinesische Regierung gibt den Weg für den Großanbau von Gen-Reis frei. Die Asiaten wollen damit ihre Unabhängigkeit sichern. Aber nicht nur das. Von Bernhard Bartsch

Durch den Anbau von Gen-Reis soll der Pestizid-Einsatz sinken.
Durch den Anbau von Gen-Reis soll der Pestizid-Einsatz sinken.
Foto: afp

Peking. China setzt bei der Lösung seiner Ernährungsprobleme auf gentechnisch veränderten Reis. Nach Angaben chinesischer Wissenschaftler hat die Volksrepublik als erstes Land den Großanbau des umstrittenen Laborgetreides genehmigt. Zwei Mitglieder des Komitees für Biosicherheit des chinesischen Landwirtschaftsministeriums sagten der Nachrichtenagentur Reuters, der von chinesischen Experten entwickelte schädlingsresistente "Bt-Reis" solle in zwei bis drei Jahren in großem Stil produziert werden. Zuvor müssten allerdings noch Anbautests durchgeführt werden. Eine offizielle Erklärung der Zulassungsbehörde steht noch aus.

China ist der weltweit größte Produzent und Konsument von Reis. In den vergangenen zwölf Monaten ernteten die chinesischen Bauern 60 Millionen Tonnen. Nur rund ein Prozent davon wurde exportiert.

Produktivität im Blick

Durch den Anbau von Gen-Reis will die Volksrepublik ihr knappes Ackerland produktiver einsetzen. Die Chinesen machen 22 Prozent der Weltbevölkerung aus, verfügen aber nur über sieben Prozent des weltweiten Ackerlands, das aufgrund grassierender Erosion und Umweltverschmutzung sogar noch beständig abnimmt. Der Bt-Reis, der von Wissenschaftlern der Huazhong Landwirtschaftsuniversität im zentralchinesischen Wuhan entwickelt wurde, soll einen um acht Prozent höheren Ertrag bringen als herkömmliche Sorten und den Einsatz von Pestiziden um 80 Prozent senken.

Einem Bericht der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften in Peking zufolge geben die Reisbauern des asiatischen Landes jährlich rund 500 Millionen Euro für Schädlingsbekämpfungsmittel aus.

Die Ausfuhr von Gen-Reis würde in vielen Ländern strengste Prüfungen notwendig machen. Die EU-Kommission hatte China bereits im Sommer zu verstärkten Kontrollen bei exportierten Reisprodukten wie Babynahrung aufgefordert. Dahinter steckt die Befürchtung, dass in den Lieferungen Spuren der ebenfalls gentechnisch veränderten Reissorte "Bt-63" enthalten sein könnten, die in der EU nicht zugelassen ist. Allerdings wird Bt-63 in China noch nicht in großem Maßstab angepflanzt. In der vergangenen Woche hatte China mit einer Sorte Gen-Mais erstmals den Anbau eines Getreides mit veränderten Erbanlagen erlaubt. Die Mais-Sorte, die einen hohen Phosphorgehalt hat, soll als Schweinefutter eingesetzt werden. Auch die Weizenproduktion soll künftig durch Gensaatgut erhöht werden. Schon seit Jahren werden in China Gen-Tomaten, -Papaya, -Pfeffer und -Baumwolle produziert.

Chinas Biotech-Engagement ist Teil einer breit angelegten Strategie, mit der die Volksrepublik ihre Unabhängigkeit sichern will. Anfang des Jahres hatte Peking angekündigt, seine Investitionen in die Entwicklung von Gen-Getreide in den kommenden zwölf Jahren um rund zwei Milliarden Euro aufstocken zu wollen. China ist darauf bedacht, bei der Entwicklung von Saatgut technisch selbstständig zu sein. Internationale Unternehmen spielen auf dem chinesischen Markt deshalb kaum eine Rolle.

Allerdings erklärte der US-amerikanische Konzern Monsanto Anfang des Monats, seine Kooperation mit chinesischen Forschern ausbauen und in Peking ein neues Entwicklungszentrum bauen zu wollen. Monsantos Schweizer Konkurrent Syngenta ist in China ebenfalls aktiv.

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  27 | 11 | 2009
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