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Renault: Opa war kein Nazi

Weil der Autobauer Renault mit den Nazi-Besatzern kollaborierte, wurde sein Unternehmen vom französischen Staat enteignet. Jetzt fordern die Erben seine Rehabilitierung - und Schadensersatz.

Louis Renault (Mitte): Autos für den Führer.
Louis Renault (Mitte): Autos für den "Führer".
Foto: AFP
Paris –  

Wenn es um die Nazizeit geht, haben haben viele einen kreativen Umgang mit der Geschichte. Da wird ein ehemaliger Nazirichter schonmal zum Friedenskämpfer uminterpretiert, und so mancher SS-Scherge waren ganz sicher gegen Hitler - heimlich zumindest.

Die Enkel des Autopioniers Louis Renault versuchen jetzt auf ähnliche Weise, ihren Großvater zu rehabilitieren. Mehr als 60 Jahre nach der Enteignung von Renault fordern sie vor einem Pariser Gericht eine Entschädigung. Das Gericht will bis Mitte Januar entscheiden, ob die Verstaatlichung im Jahr 1945 wegen Zusammenarbeit mit den Nazi-Besatzern verfassungswidrig war oder nicht.

Bilder aus 50 Jahren Renault R4

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Falls die Richter zu diesem Schluss kommen sollten, wird der Antrag der sieben Renault-Enkel an das Kassationsgericht weitergereicht, das Pendant zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Die Erben argumentieren, die Enteignung sei nicht nachvollziehbar. „Kein anderes Unternehmen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf diese Art behandelt“, sagte der Anwalt der Erben der Zeitung Figaro. Er deutete damit an, dass die Verstaatlichung ein Racheakt von Widerstandskämpfern in der Nachkriegsregierung gewesen sein könnte.

Der Firmengründer ließ sich mit Hitler fotografieren

Firmengründer Louis Renault wird seit langem der Kollaboration mit der damaligen Nazi-Besatzung beschuldigt. Seine Fabriken in Paris-Billancourt lieferten der Wehrmacht unter anderem Lastwagen. Er selbst ließ sich in Berlin neben Hitler und Göring fotografieren.

Kurz vor Kriegsende wurde er verhaftet und starb in einem Gefängnis südlich von Paris. Die Todesumstände wurden nie restlos geklärt, es hieß, er habe einen Genickbruch erlitten.

Die Regierung beschlagnahmte sein Eigentum und verwandelte die Firma in die „Régie Nationale des Usines Renault“. Erst in den Neunziger Jahren privatisiert, behielt Renault noch lange den Ruf eines ehemals staatlichen Unternehmens.

Die heutige Renault-Direktion sieht es höchst ungern, dass die Geschichte neu aufgerollt wird. Der Fernsehsender France-3 strahlte in der vergangenen Woche einen Dokumentarfilm aus, der die beiden französischen Autohersteller Louis Renault und André Citroën einander gegenüberstellt. In Bezug auf die Kriegszeit fällt der Vergleich klar zu Gunsten des Letzteren aus: Im Unterschied zu Renault hatte Citroën – wie beispielsweise auch Michelin – ab 1943 heimlich die Widerstandsbewegung unterstützt.

Die Entschädigungsforderungen der Renault-Erben könnten sich auf „mehrere Milliarden Euro“ summieren, vermutet die Historikerin Annie Lacroix-Riz. Angeklagt ist der französische Staat.

Die Erben wollen Opa Louis rehabilitieren

Der Anwalt einer Vereinigung von Deportierten und Widerstandskämpfern, Alain Lévy, betonte, dass während des Krieges ein Großteil der Renault-Produktion für die Nazis bestimmt gewesen sei.

„Man fordert von uns die Rehabilitierung von jemandem, dessen Besitz enteignet wurde, weil er mit dem Feind zusammengearbeitet hat.“ Er warf den Renault-Erben vor, die Geschichte neu schreiben zu wollen. Eine Enkelin von Louis Renault sagte, ihr Großvater sei zur Zusammenarbeit mit den Nazis gezwungen worden.

Den Erben geht es nach eigenen Angaben weniger um Geld als um die Rolle ihres Großvaters zur Zeit der Nazi-Besatzung. Die Erben setzten bereits im vergangenen Sommer durch, dass ein Foto ihres Großvaters mit Hitler in einer Gedenkstätte abgehängt wurde. (mit jno)

Autor:  Stefan Brändle
Datum:  19 | 12 | 2011
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