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21. September 2010

Rente mit 67: Länger leben, länger arbeiten

 Von Daniel Baumann
Das Statistische Bundesamt liefert neue Argumente für die Rente mit 67. Foto: ddp

Die Quote der Beschäftigten im Alter zwischen 60 und 64 Jahren hat sich seit 1999 verdoppelt. Mit den Zahlen liefert das Statistische Bundesamt neue Argumente für eine längere Lebensarbeitszeit und einen späteren Eintritt in den Ruhestand.

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Die Menschen in Deutschland leben nicht nur immer länger, sie arbeiten offenbar auch immer länger. Der Eintritt in den Ruhestand hat sich in den vergangenen zehn Jahren um zwei Jahre nach hinten verschoben, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Im vergangenen Jahr gingen demnach 39 Prozent der Personen zwischen 60 und 64 Jahren einer Arbeit nach. Das waren fast doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Mit den Zahlen liefert das Amt neue Argumente für eine längere Lebensarbeitszeit und einen späteren Eintritt in den Ruhestand. „Die Zahlen sind eine gute Nachricht. Sie beweisen, dass ältere Menschen noch arbeiten können und wollen“, sagte der Sozialexperte Martin Gasche vom Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel der Frankfurter Rundschau. Die Menschen würden gesünder altern und seien dementsprechend länger arbeitsfähig. Er kritisierte, dass in der Debatte um die Rente mit 67 Jahren zu sehr auf die Arbeitsfähigkeit der heute 67-Jährigen geschaut werde, obwohl erst für die Jahrgänge ab 1964 die Rente mit 67 gelte. „Wir müssen auf die in 20 Jahren 67-Jährigen sehen“, sagte Gasche.

Suche nach Erklärungen

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes seien ein Beleg für einen Bewusstseinswandel. Arbeitnehmer seien sich im Klaren darüber, dass sie länger arbeiten müssten. „Und die Arbeitgeber haben eingesehen, dass es ohne Ältere nicht mehr geht.“ Im vergangenen Jahr lag die Erwerbsbeteiligung der Menschen bis zum Alter von 50 Jahren bei 90 Prozent. Im Alter zwischen 58 und 64 Jahren scheiden schließlich die meisten aus dem Erwerbsleben aus. Mit 64 Jahren ist nur noch knapp ein Viertel der Menschen berufstätig, mit 65 Jahren noch ein Neuntel.

Für die höhere Erwerbsbeteiligung im Alter gibt es allerdings nur unzureichende Erklärungen. So ist zum Beispiel unklar, warum die Menschen länger arbeiten. Offen ist, ob dafür finanzielle Notwendigkeit oder Lust an der Arbeit ausschlaggebend sind. Eine Ursache ist sicher, dass der Gesetzgeber die Möglichkeit eingeschränkt hat, wegen Arbeitslosigkeit oder über Vorruhestandsregelungen vorzeitig in den Vorruhestand zu gehen. Allerdings kann dieser Faktor laut Statistischem Bundesamt die gestiegene Erwerbsbeteiligung nur unzureichend erklären.

Viele Jobs machen krank

Allerdings kann nicht in allen Berufen gleich lange gearbeitet werden. 40 Prozent der Menschen im Hoch- oder Tiefbau, der Fliesenleger und Heizungsbauer gingen der Statistik zufolge im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand. Auch Taxi- und Lkw-Fahrer, Postzusteller, Maler, Lackierer und Hilfsarbeiter scheiden häufig gesundheitsbedingt aus ihrem Beruf aus. Im Durchschnitt gehen 28 Prozent der Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

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