Es vergeht kein Tag, an dem am Rheinufer in Mainz nicht mindestens ein Schiff festmacht. Und auf der Donau ist es manchmal so voll, dass Passagiere an der Mole über drei Boote hintereinander steigen müssen, um an Land zu kommen. Hierzulande ist der Kreuzfahrtstudie des Deutschen Reisebüroverbands (DRV) zufolge mittlerweile jede dritte Kreuzfahrt eine auf dem Fluss.
Die 22 hiesigen Anbieter von Flussreisen steigerten ihre Passagierzahlen trotz zweier Insolvenzen im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf knapp 400000, berichtete DRV-Sprecherin Sibylle Zeuch. Das bedeute einen Umsatz von knapp 443 Millionen Euro – Tendenz steigend.
Bei solchen Aussichten ist auch Deutschlands größter Reiseveranstalter aufgewacht. Gestern legte in Köln die „TUI Sonata“ die Leinen los, das erste eigene TUI-Flusskreuzfahrtschiff: 20 Millionen Euro ließ sich TUI den Twin-cruiser mit „besonders leisem Motor und mit kaum spürbarer Vibration“ kosten. Dem Schiff – 135 Meter lang, hellblaues Design, 94 Kabinen – sollen weitere folgen. „Bis April 2011 werden vier weitere TUI-gebrandete Schiffe im Viereinhalb- bis Sechs-Sterne-Bereich folgen, darunter zwei baugleiche Schwestern der Sonata und das Luxusschiff Premicon Queen“, kündigte Deutschland-Chef Volker Böttcher in der Taufrede an.
Die Schiffe würden exklusiv im Rahmen eines Chartervertrages vermarktet. Dadurch könne man eigene Akzente setzen und „mit unserm Qualitätsversprechen auch an Bord gehen“. Investor und Eigentümer ist Premicon, nach eigenen Angaben mit 25 Flussschiffen Marktführer in Deutschland. Insgesamt wird die TUI dann mit sechs schwimmenden Hotels für 1052 Passagiere auf Rhein, Main, Donau und Mosel unterwegs sein. Bisher war nur ein Schiff mit dem hellblauen Label unterwegs, die „Maxima“.
Bei hoher Qualität massiv zu wachsen und dieser Urlaubsform zugleich das altbackene Image zu nehmen, gab Böttcher als Ziel aus. Ähnlich wie bei der Hochseekreuzfahrt zeichne sich eine Verjüngung der Zielgruppe ab. Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der TUI belege dies. Demnach könnten sich 42 Prozent der unter 30-Jährigen vorstellen, eine Flussreise zu unternehmen. Bei den 50 bis 59-Jährigen seien es 48 Prozent. Bereits auf Flusskreuzfahrt gewesen seien nur acht Prozent der Umfrageteilnehmer. Das spricht für ein großes Potenzial.
Dass Donauwalzer nicht mehr groß ankommen, wohl aber moderne Schiffe, hat TUI nicht als erster Veranstalter entdeckt: Viking Reisen setzte 2009 die dieselelektrisch betriebene „Viking Legend“ aufs Wasser, Lüftner Cruises stattete die „Amadeus Mozart“ als „schwimmendes Luxushotel“ aus. Und so wie Aida mit ihren Clubschiffen dem Hochseemarkt Impulse gab, geht die Rostocker Reederei A-Rosa mit Show-Cooking am Büfett schon seit 2002 auf Fahrt. Sie half damit, das Bild zu entstauben, Flussschiffe seien schwimmende Altersheime. „Unser Konzept aus legerem Wohlfühlurlaub, vielfältigem Freizeitprogramm und luxuriöser Ausstattung ging auf. Das vergangene Wirtschaftsjahr haben wir mit rund zwölf Prozent Umsatzsteigerung trotz der schwierigen Rahmenbedingungen aufgrund der Wirtschaftskrise abgeschlossen“, sagt Sprecherin Lara Vitzthum.
Die Rostocker schickten im März mit der „A-Rosa VIVA“ ihr achtes Schiff auf Europas Flüsse, das nächste und dritte Rheinschiff wird im Frühjahr 2011 in Dienst gestellt. Die Passagiere seien im Schnitt Ende 50 – „Best Ager“, die jeder Veranstalter gern an Bord hat. Sie haben schließlich das Geld für einen Zweit- oder Dritt-Urlaub, was eine Flussreise meistens ist. Sie kostete laut DRV voriges Jahr im Schnitt 1070 Euro. 2006 waren es 100 Euro mehr.
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