Schon am ersten Tag des Prozesses um die so genannte Telekom-Bespitzelungsaffäre hat der Hauptangeklagte umfassend ausgesagt. Dabei hat Klaus Trzeschan, ehemaliger Leiter der konzerneigenen Sicherheitsdienstes „KS3“, wenig Zweifel daran gelassen, unmittelbar im Auftrag des damaligen Konzernchefs Kai-Uwe Ricke gehandelt zu haben.
Trzeschan und zwei weitere Angeklagte müssen sich vor der Wirtschaftsstrafkammer des Bonner Landgerichts dafür verantworten, gegen das Bundesdatenschutzgesetz und das Fernmeldegeheimnis verstoßen zu haben. Sie sollen Telefonverbindungsdaten erhoben und ausgewertet haben, um vermeintlich konzernschädigende Gespräche zwischen Journalisten und Geheimnisträgern der Deutschen Telekom AG nachweisen zu können.
Trzeschan wird darüber hinaus Betrug in zwei besonders schweren Fällen vorgeworfen. Ein vierter Angeklagter, der Berliner Unternehmer Ralph Kühn, wurde aus gesundheitlichen Gründen von der Teilnahme am Verfahren befreit.
Wie Trzeschan am Freitagvormittag detailgenau erklärt, begann die ganze Affäre damit, dass er am 20. Januar 2005 in Rickes Büro bestellt worden sei. Dort hätten neben dem Vorstandsvorsitzenden drei weitere Personen gesessen. Ricke sei übe einen Artikel in der Zeitschrift Capital erbost gewesen, in dem ungenannte Quellen aus dem Konzern zitiert worden seien.
Laut Trzeschan hat die Unterredung der fünf Männer rund 20 Minuten gedauert. Ricke habe wissen wollen, ob es eine Möglichkeit gebe, die undichte, mutmaßlich im Aufsichtsrat lokalisierte Stelle zu ausfindig zu machen. Woraufhin Trzeschan geantwortet habe, diese Möglichkeit sehr wohl zu sehen. Nachdem sich der Sicherheitsexperte zuvor noch gewundert hatte, dass an dem Treffen trotz des Medienbezugs kein Vertreter der Konzernkommunikation teilgenommen hatte, sei er nun von Ricke zu einem Vieraugengespräch gebeten worden. Darin, so Trzeschan, habe Ricke noch einmal die Vertraulichkeit der Operation betont. Nur an ihn persönlich sei zu berichten, habe er gemahnt.
Trzeschan verfügte über Erfahrungen mit Ermittlungen dieser Art. Sein Anwalt hatte zuvor dargelegt, dass Trzeschan wegen seiner Fachkenntnisse im Fernmeldewesen schon in den 80er Jahren häufiger an der Aufklärung von Geiselnahmen oder Erpressungen beteiligt gewesen sei – bis hin zu Ermittlungen gegen den legendären Kaufhauserpresser „Dagobert“.
Auch diesmal sei der ehrgeizige Trzeschan rasch tätig geworden. Bei der nun folgenden „Operation Rheingold“ habe er mit der Berliner Firma Network und deren Geschäftsführer Ralph Kühn zusammen gearbeitet. Die Telefondaten sollten unterdessen jene beiden Mitangeklagten besorgen, die damals bei der Telekom-Tochter T-Mobile tätig waren. In den folgenden Monaten habe das Team Mobil- und Festnetzanschlüsse von 34 Personen ausgewertet. Darunter waren neben Journalisten auch Aufsichtsratsmitglieder der Telekom und Gewerkschafter wie Verdi-Chef Frank Bsirske.
Trzeschan identifizierte den damaligen Vorsitzenden des Gesamtbetriebrats und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Wilhelm Wegner identifiziert. Ricke sei „bestürzt“ gewesen. Wegen der heiklen Erkenntnis habe Trzeschan nun auch ein Vieraugengespräch mit Klaus Zumwinkel geführt, in welchem er den seinerzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden über die Erkenntnisse aufklärte. Dann aber sei der Fall für ihn abgeschlossen gewesen.
Um ähnliches Vorfälle zu vermeiden, sollten in einer „Operation Clipper“ die Telefondaten von Journalisten gesammelt werden. Auch dies wurde von der Telekom bezahlt. Über den Fortgang dieser Aktion machte Trzeschan allerdings keine weiteren Angaben.
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