Lohnt sie sich oder lohnt sie sich nicht? Zehn Jahre nach der Einführung der Riester-Rente ist die Verwirrung um dieses Instrument der Altersvorsorge groß. Es ist erst zwei Wochen her, seit das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie titelte: „Zehn Jahre Riester-Rente: Kein Grund zum Feiern“. Riestern bringe nicht genug Erträge und spiele vor allem der privaten Versicherungswirtschaft in die Taschen. Von jener kam Dienstag die Retourkutsche: „Zehn Jahre Riester-Rente: Und sie lohnt sich doch!“, konterte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und stellte Zahlen vor, die diese These untermauern.
Wie können das DIW und der GDV zu solch unterschiedlichen Ergebnissen kommen?
Wie so oft ist auch in diesem Streitfall die Frage, wie gerechnet wird. Während das DIW etwa tatsächliche Mustersparer für seine Berechnungen herangezogen hat, darf in Zweifel gezogen werden, ob es – wie im Beispiel der Versicherungswirtschaft – viele 36-jährige Mütter von zwei Kindern mit einem Brutto-Einkommen von 45.000 Euro im Jahr gibt. Auch hat die Versicherungswirtschaft nicht offengelegt, welche Vertragskonditionen sie ihren Berechnungen zugrunde gelegt hat. Die variieren erheblich je nach Jahr des Vertragsabschlusses.
Zu welchen Ergebnissen kommen DIW und GDV?
Die Versicherungswirtschaft hat errechnet, dass ein Single, der mit 35 Jahren und einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr einen Riester-Vertrag abschließt, seine eingezahlten Beiträge und die Zulagen bis zum Alter von 75 Jahren komplett ausgezahlt bekommt. Alles, was er in den Jahren danach erhält, ist sein Gewinn. Gleiches gilt für die bereits erwähnte Mutter von zwei Kindern. Damit lohne sich die Riester-Rente. Das DIW, Ökotest so wie der Berliner Professor für Wirtschaftstheorie, Klaus Jaeger, kommen in ihren Berechnungen jedoch zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Demnach ist die Riester-Rente in vielen Fällen ein Minusgeschäft, weil es wesentlich länger dauert, bis die Anleger ihr eingezahltes Geld und die Zulagen wieder heraushaben. Wollen sie darüber hinaus noch einen Gewinn machen, müssen sie oft das Greisenalter erreichen. Sterben sie früh, war die Anlage für sie ein reines Minusgeschäft.
Für wen lohnt sich die Riester-Rente überhaupt?
Ein lohnendes Investment ist die Riester-Rente in erster Linie für Sparer mit Kindern und niedrigem Gehalt. Insbesondere durch die hohen Kinderzulagen profitieren sie. Kinderlose Gutverdiener wiederum profitieren von hohen Steuerzuschüssen.
Wer braucht keinen Riester-Vertrag?
Geringverdiener können im Alter ohnehin oft nur mit der Grundsicherung rechnen. Da die Einnahmen aus der Riester-Rente darauf angerechnet würden, ist es für sie auf jeden Fall besser, auf das Riester-Sparen zu verzichten. Alle anderen müssen die Vertragskonditionen genau analysieren.
Wie hoch sind die Kosten eines Riester-Vertrages? Verwaltungskosten und Provisionen können 10 bis 25 Prozent der eingezahlten Beiträge auffressen. Im Schnitt liegen die Kosten nach Berechnungen des DIW bei 12,5 Prozent. Der GDV geht von zehn bis zwölf Prozent aus. Das reicht aus, damit die staatliche Zulage bei bestimmten Sparern durch die Kosten komplett aufgezehrt werden. Der Garantiezins wird anschließend nur auf das Geld gewährt, was nach Abzug der Kosten angelegt wird.
Hat sich die Riester-Rente in den vergangenen Jahren verschlechtert?
Ja, ganz eindeutig. Alleine der Garantiezins ist erheblich gesunken. Bei Einstieg in die Riester-Rente im Jahr 2001 lag er noch bei 3,25 Prozent, ab kommendem Jahr wird für neu abgeschlossene Verträge nur noch ein Garantiezins von 1,75 Prozent gelten.
Was drückt noch auf die Rendite?
Die Rendite der Riester-Altersvorsorge wird vom Garantiezins, Überschusszinsen, der Sterblichkeit der Versicherten und den Verwaltungskosten bestimmt. Hierzu treffen die Versicherten bestimmte Annahmen. Läuft das Geschäft anschließend besser als gedacht, bleibt Geld übrig. Bei Einführung der Riester-Rente mussten die Versicherer 90 Prozent dieses Geldes an die Versicherten ausbezahlen. Seit 2005 gilt das nicht mehr. Seither müssen zwar noch 90 Prozent der Zinsüberschüsse ausbezahlt werden, aber nur noch 50 Prozent der Kostenüberschüsse und 75 Prozent der Sterblichkeitsgewinne. Das schmälert die Erträge der Versicherten.
Sorgen mehr Menschen dank der Riester-Rente fürs Alter vor?
Es gibt Studien, die nahelegen, dass die Riester-Rente nicht dazugeführt hat, dass die Bürger mehr sparen. Es wurde vielmehr beobachtet, dass die Bürger ihr Geld in die Riester-Rente umgeschichtet haben und einfach die staatlichen Zuschüsse mitnehmen. Damit wird unnötig Geld verbrannt.
Was bedeutet Riester für die gesetzliche Rentenversicherung?
Durch die Riester-Rente werden der gesetzlichen Rente Beiträge vorenthalten. Denn die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung wurden auf 22 Prozent gedeckelt. Stattdessen sollen die Menschen mit Riester vorsorgen. Damit sie die volle Zulage erhalten, müssen sie vier Prozent ihres Bruttoeinkommens einzahlen. Zusammen ergibt das eine Belastung von 26 Prozent. Damit wäre die gesetzliche Rentenversicherung ausreichend finanziert, um auskömmliche Renten zu zahlen.
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Ein Freund hat 2002 einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Ich habe mir angeschaut, wie er über Angeboten und Formularen brütet und überlegt, ob ich das jetzt auch machen soll. Der drohende Aufwand war nicht gerade verlockend. Der entscheidende Grund, es nicht zu tun, war aber ein anderer: Als Zeitungsredakteurin bin ich nicht nur in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern zusätzlich bei der Presse-Versorgung pflichtversichert. Jeden Monat fließen 7,5 Prozent meines Bruttoeinkommens in diese Altersvorsorge. Ich zahle 2,5 Prozent, mein Arbeitgeber sogar den doppelten Betrag. Die Verlage übernehmen noch Mitverantwortung für die Altersvorsorge. Für Berufsanfänger wollen sie allerdings künftig weniger zahlen. Damit liegen sie im Trend, andere Unternehmen haben die betriebliche Altersversorgung schon zurückgefahren. Vielleicht hat die Riester-Rente sie ja ermuntert, die Vorsorge ihren Beschäftigten zu überlassen. Eva Roth
Ich bin ein echter Papierkram-Muffel und habe deshalb bislang die private Auseinandersetzung mit Riester-Produkten gescheut. Die Vorstellung, Angebote einzuholen, Kosten und Renditeerwartungen auszurechnen und zu vergleichen, ist ungefähr so schlimm wie der Gedanke an die alljährliche Steuererklärung, die ich auch immer bis zum letzten Moment vor mir herschiebe. Hinzukommt, dass ich den Handlungsdruck als nicht besonders groß empfinde, weil auch ich eine Zusatzversicherung beim Presse-Versorgungswerk habe.
Trotzdem ist es natürlich dumm, sich die staatliche Zulage durch die Lappen gehen zu lassen, zumal ich auch noch Geld für ein Kind einstreichen könnte. Getrieben von diesem Gedanken habe ich neulich einen neuen Versuch gestartet und mir ein Angebot vorlegen lassen. Nachdem ich mich durch die wirklich kryptische Kostendarstellung gekämpft habe, weiß ich zumindest, was ich nicht will: eine klassische Rentenversicherung. Die ist einfach zu teuer. Am Ende wird es wohl ein Bausparvertrag werden. Das Wohn-Riestern ist vergleichsweise günstig, und das eigene Häuschen soll ja mit die beste Altersvorsorge sein. Antje Schüddemage
Seit kurzem habe ich keine guten Argumente mehr, warum ich noch nicht riestere. Im Herbst 2009 hat der Europäische Gerichtshof die Riester-Rente europatauglich gemacht. Bis dahin galt: Wer seinen Lebensabend im Ausland verbringt, in Südfrankreich etwa, muss alle Zulagen zurückzahlen. Hallo? Der Staat schreibt mir vor, dass ich nur zwischen Nordsee und Bodensee meine hoch subventionierte Rente verprassen darf? Das war für mich freiheitsliebenden Menschen nichts. Indes, ich gestehe, habe ich meine nicht minder freiheitsliebende Frau gebeten, einen Vertrag abzuschließen. Hey, vier Kinder! Keine Kostenbelastung kann so hoch sein, als dass wir damit nicht eine ansehnliche Rendite kassieren. Allein für 2009 gab es 740 Euro für die Kids und 154 Euro für mein Weib! Da ich nur noch transparenten Produkten traue, haben wir einen – Sie werden es nicht glauben – Sparplan abgeschlossen. Bei der Volksbank in Mainz. Das Tolle daran: Die Nominalwertgarantie ist gratis, weil es auf einem Sparkonto ja nicht weniger wird. Und die Verzinsung richtet sich vierteljährlich nach der Umlaufrendite. Davon zieht die Bank 0,5 Prozentpunkte als Gebühren ab. Zurzeit lautet der Zinssatz 2,41 Prozent. Und wenn die böse Inflation kommt, steigt die Umlaufrendite. Damit ist unser Riester-Geld sogar inflationsgesichert. Robert von Heusinger
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