Schwein gehabt – das dürfte sich mancher Anleger denken, der in Staatsanleihen der Euro-Peripherieländer investiert hat. Diese werden im Finanzjargon als PIIGS-Staaten zusammengefasst, damit sind Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien gemeint. Denn seit der Euro-Rettungsschirm gespannt wurde, konnten Anleger davon ausgehen, beim möglichen Zahlungsausfall eines Landes nicht an den Verlusten beteiligt zu werden – und doch eine ansehnliche Rendite zu erhalten. Zumindest bis 2013 – denn bis dahin soll der Rettungsschirm gespannt bleiben.
In den vergangenen Wochen aber ist die Sorge an den Anleihemärkten gewachsen, das sich das ändern könnte: Grund waren Überlegungen vor allem der deutschen Regierung, man könne das Ausfallrisiko eines Euro-Mitgliedslandes nicht allein dem Steuerzahler überlassen. „Die Märkte versuchen dieses Szenario einzupreisen, in Abhängigkeit davon, wie sich die finanzielle Situation in den einzelnen Staaten darstellt“, sagt Anja Mikus, Mitglied der Geschäftsführung von Union Investment und verantwortlich für das Portfoliomanagement.
Die Einschätzung des Ausfallrisikos, also das Rating beachten: griechische Anleihen etwa haben „Junk“-Status, gelten somit als hoch ausfallgefährdet.
Änderungen des Ratings haben oft direkt eine Korrektur der Risikoaufschläge zur Folge.
Aus den Wertpapierprospekten von Rentenfonds kann man die Risikoneigung der Produkte erkennen, damit auch, ob in hoch riskante Staatsanleihen investiert wird. olt
Die Risikoaufschläge im Vergleich zu den als sicher geltenden Bundesanleihen sind enorm gestiegen. Am Donnerstag etwa lagen sie für eine zehnjährige Anleihe von Griechenland bei 943 Basispunkten, für Irland bei 645, Portugal bei 445, Spanien bei 253 und Italien bei 168. Die einzelnen Länder seien aber auch anhand ihrer Sparquote zu beurteilen, um den eigenen Bedarf zu decken, meint Johannes Müller, Chefvolkswirt von DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Bei Griechenland, Irland und Portugal, auch bei Spanien sei das nicht der Fall. „Die italienischen Staatsschulden werden aber vor allem von Italienern gehalten“, erläutert Müller. Deshalb sei Italien anders zu beurteilen.
Um einem Ausfall vorzubeugen, sollte man sich bei den anderen Staaten auf kürzere Laufzeiten konzentrieren – die Renditen fallen dann aber geringer aus. Auch für Anleihen, die etwa im März 2012 auslaufen, erhält man recht attraktive Sätze, für eine griechische etwa elf Prozent, eine irische 5,5 Prozent und eine portugiesische 4,0 Prozent.
„Eine Einzelinvestition in solche Anleihen gleicht aber eher einem Glücksspiel“, warnt Nils Nauhauser, „es sei denn, man ist sich der Risiken bewusst. Wer kein Spekulant ist, sollte die Finger davon lassen.“ Denn die tagesaktuellen Kurse und damit die Zinsen der Anleihen schwanken heftig – je nach Nachrichtenlage.
Anleihen der Peripherie-Länder sind aber auch in anderen Finanzprodukten enthalten, in auf Euro lautenden Rentenfonds etwa. Dabei hängt es von der Ausrichtung ab, ob die Fondsmanager mit den etwas höheren Renditen der PIIGS-Staaten die Gesamtrendite des Fonds aufpeppen oder ob der Fonds sich an konservative Anleger richtet.
Die Risikoausrichtung ist wichtig: In Rentenfonds der Risikoklasse 3 (von fünf) seien bei DWS auch Anleihen der Peripherieländer beigemischt. Auch in diversen Fonds von Union Investment sind kürzer laufende Anleihen dieser Staaten enthalten, vorzugsweise von Italien.
Auch Versicherungen haben Geld in PIIGS-Anleihen investiert. „Die deutsche Versicherungswirtschaft hat sich nur in geringem Maße in Irland engagiert. Nach unseren vorläufigen Schätzungen liegen unsere Investments in die Republik Irland sogar noch unter denen in die hellenische Republik“, heißt es in einem offiziellen Statement des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Direkt in Staatsanleihen haben die deutschen Unternehmen demnach 3,4 Prozent investiert.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.