Was dem US-Amerikaner das Tankflugzeug, ist dem Europäer der Militärtransporter A400M. Bei allen Unterschieden ist beiden Projekten gemein, dass es um Aufträge aus dem zivil-militärischen Komplex geht. Hier galten und gelten andere Entscheidungskriterien als auf dem sogenannten freien Markt. Hier bündeln sich industriepolitische und militärische Überlegungen mit verteidigungspolitischen Zielen.
Der A400M sollte von Anfang an nicht nur die überalterten Maschinen vom Typ Transall ersetzen, mit denen etwa die Bundeswehr in Afghanistan Soldaten, Waffen und Nahrung transportiert. Die Turboprop-Maschine sollte eine europäische Antwort auf US-amerikanische oder russische Modelle sein. Diese wären zwar die günstigeren und sofort einsetzbaren Alternativen gewesen. Bereits jetzt fliegen angemietete Iljuschins Nachschub für die deutschen Isaf-Einheiten nach Termez in Usbekistan. Doch hoffen die Europäer mit dem A400M unabhängig zu werden und einen Exportschlager zu bekommen, der mit Maschinen von Boeing auf dem lukrativen Weltmarkt konkurrieren kann.
Viel wichtiger war und ist es Politikern und Managern aber, mit dem A400M den Wirtschaftsstandort Europa zu stärken. Schließlich geht es bei EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) um das nach Boeing zweitgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt mit rund 120000 Beschäftigten in etwa 70 Produktionsstätten in Europa und einem jährlichen Umsatz von rund 43 Milliarden Euro.
Zu guter Letzt ist der A400M Teil verteidigungspolitischer Überlegungen, die der US-Politik etwas entgegensetzen wollen. In Europas Hauptstädten zogen Außenpolitiker diesbezüglich eine Lehre aus den beiden Kriegen in Afghanistan und im Irak. Sie lautet: Europa muss künftig in solchen Konflikten mit einer Stimme sprechen. Dafür müssen die Nationalstaaten ihre Armeen gemeinsam entwickeln und mit Waffen aus eigener, heißt europäischer Produktion versorgen.
Brüssel bewegt sich
Davon ist die EU meilenweit entfernt. Die schnelle Eingreiftruppe etwa gibt es nur in Ansätzen; von einer Entwicklung gemeinsamer Streitkräfte ganz zu schweigen. Doch Brüssel hat sich auf den Weg gemacht - das zeigen zivile oder militärische Missionen der EU-Mitglieder wie der Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika. Diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende, wie ein Blick in den Lissabon-Vertrag zeigt. Zur Kooperation im Verteidigungsbereich ist da von einer "ständig strukturierten Zusammenarbeit" zu lesen.
Aus all diesen Gründen wird der A400M wohl trotz allen Zwists zwischen Hersteller EADS und den Auftraggebern aus den sieben Nato-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und Türkei gebaut werden. Noch immer zocken sie um den Preis und wer welchen Anteil davon übernehmen soll.
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