Die Angst vor einer tiefen Rezession hat den Ölpreis auf den tiefsten Stand seit drei Jahren sinken lassen. Die US-Referenzsorte WTI kostete gestern zeitweise nur noch 54,67 Dollar. Brent-Nordseeöl war sogar für 50,60 Dollar pro Fass (159 Liter) zu haben.
Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, geht denn auch davon aus, dass die Talfahrt bald beendet ist. Kurzfristig sei ein starker Anstieg zu erwarten. "Ein Preis von 70 Dollar zum Jahresende ist durchaus vorstellbar." Denn die Übertreibung nach unten sei derzeit derart massiv, dass ein singuläres Ereignis, das Erhöhungen rechtfertigt, reiche, um die Preise deutlich nach oben zu ziehen.
Für Branchenexperten ist klar, dass die düsteren Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung die Ölpreise in den vergangenen Wochen massiv nach unten gedrückt haben - zumal die konjunkturelle Krise offenbar erheblich schneller kommt als von vielen Volkswirten bislang erwartet.
Das US-Energieministerium rechnet damit, dass die Nachfrage in den Vereinigten Staaten 2009 so stark zurückgehen werde wie seit 1980 nicht mehr. Die USA sind der größte Ölverbraucher der Welt. Noch Anfang Juli wurde ein Fass für knapp 150 Dollar gehandelt.
Nach Weinbergs Ansicht wurde sowohl die massive Verteuerung des wichtigsten Rohstoffs der Weltwirtschaft als auch er drastische Preisverfall von Spekulanten massiv verstärkt wurde. Zunächst wetteten sie auch steigende, nun auf fallende Kurse. Als weiterer Faktor komme hinzu, dass die Finanzkrise nun unmittelbar das Ölgeschäft beeinflusse.
So würden Lagerbestände verstärkt abgebaut, weil viele Lagerhalter dringend Geld brauchten. Damit erhöhe sich aber das Angebot. Nach Ansicht des Rohstoffexperten des Commerzbank kann sich der Preisverfall langfristig gesehen als "sehr schädlich" erweisen.
Viele aufwendige Projekte zur Exploration neuer Öl-Vorkommen würden für nun gestoppt, geplante Vorhaben würden erst gar nicht angegangen. "Und die Investoren werden sich merken, wie schnell der Preis sinken kann."
Das mache es generell schwieriger, neue Ölquellen zu erschließen. Es könne in der Zukunft die Versorgung erschweren, zumal die Nachfrage in China und Indien steigen werde. "China wird sich mit seinem derzeitigen Verbrauch nicht zufrieden geben."
Nach Angaben des ADAC kosten Benzin wie auch Diesel jeweils rund 1,22 Euro pro Liter. Beim Benzin fiel der Preis seit vergangener Woche demnach um fast fünf Cent, beim Diesel sank der Preis um rund drei Cent.
Die deutschen Verbraucher profitieren vom Preisrutsch. Nach Angaben der Deutschen BP sind die Benzinpreise an den Tankstellen der Tochter Aral in den vergangenen zehn Tagen zwischen einem und 1,8 Cent pro Tag gesunken. Superbenzin liegt vielerorts an der Marke von 1,20 Euro pro Liter. Insider erwarten weitere Verbilligungen, da die Preise für Sprit denen für Rohöl oft mit einigen Tagen Verzögerung folgen.
Einen Nachfrage-Boom erleben die Heizölhändler. Im Oktober wurde mit 2,8 Millionen Tonnen gut 57 Prozent mehr als im Vorjahresmonat verkauft. Lieferfristen von mehreren Wochen sind laut Mineralölwirtschaftsverband die Regel. Der Brennstoff wird derzeit in einigen Regionen für 70 Cent je Liter verkauft, im Juli waren es etwa 30 Cent mehr.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.