Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

16. Januar 2016

Rückrufaktionen bei Autos: Immer häufiger Mängel bei Autos

 Von 
Lebensretter: Häufig weist der Insassenschutz wie z.B. der Airbag bei Autos Mängel auf.  Foto: rtr

Die Qualitätsmängel der Autos werden immer bedenklicher. Das zeigt die abermals hohe Zahl von Rückrufen auf dem US-Markt. Die Manager der Autobranche müssen umdenken. Die Analyse.

Drucken per Mail

Die Automärkte in Europa und den Vereinigten Staaten laufen wieder. In den USA konnten die Hersteller im vergangenen Jahr so viele Fahrzeuge verkaufen wie nie zuvor, in Europa war es das beste Jahr seit 2009. Die Verkäufe legten um 9,3 Prozent auf 13,7 Millionen Fahrzeuge zu, wie der Branchenverband Acea mitteilte. Doch die Autobauer liefern nicht nur viel aus, sie müssen auch viele Autos wieder zurückrufen.

Nach Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach wurden 2015 allein in den USA 45,8 Millionen Autos in die Werkstätten geholt, um sicherheitsrelevante Mängel zu beheben. Das sind gut zweieinhalb Mal mehr Fahrzeuge als im gleichen Zeitraum dort zugelassen wurden. Das CAM untersucht regelmäßig die Lage in den USA, da wegen scharfer Sicherheitsrichtlinien und der Größe des Marktes valide Aussagen über die Produktqualität der Autokonzerne möglich sind.

2015 ist nach 2014 das Jahr mit der zweithöchsten Zahl an Rückrufen. Die Menge der festgestellten Mängel wird zunehmend größer. CAM-Studienleiter Stefan Bratzel spricht deshalb von einem „bedenklichen Qualitätsniveau in der Branche“. Und das sei nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kämen sogenannte „stille Rückrufe“ und Serviceaktionen – dabei werden Teile ausgetauscht, ohne dass es öffentlich bekannt wird, da es sich nicht um Komponenten handelt, die für die Sicherheit wichtig sind. Bratzel sieht Defizite im Qualitäts-Management der Hersteller. Da werde vielfach nicht den neuen globalen Produktsicherheitsanforderungen Rechnung getragen. „Manche Hersteller betreiben zur kurzfristigen Gewinnmaximierung eher reaktive Qualitätsmanagementsysteme mit nachsorgender Mängelbeseitigung, teilweise unter billigender Inkaufnahme von Unfällen“, betont Bratzel.

Die technische Komplexität von Autos wird in den nächsten Jahren erheblich steigen, Pkw werden zu fahrenden Rechenzentren, die mit Assistenzsystemen vollgestopft sind. Dadurch steigen auch die Risiken erheblich. Deutlich wurde das, als es voriges Jahr Hackern gelang, die Bordelektronik von Fahrzeugen des Chrysler-Konzerns zu beeinflussen. Für Bratzel ist klar, dass Autobauer umdenken müssen: Vorsorgende Qualitätsstrategien seien nötig. Dabei dürfe nicht auf das schnelle Geld geschaut werden. Langfristige Kosten-Nutzen-Betrachtungen müssten im Mittelpunkt stehen. Und es sei nötig, neue Methoden der Qualitätsverbesserung zu prüfen. Dazu dürften dann auch Software-Updates gehören, die über Mobilfunktechnik aus der Ferne bei den Rechnern an Bord aufgespielt werden.

Im vorigen Jahr hat es besonders die Japaner erwischt – Honda, Mitsubishi, Mazda und Toyota. Die deutschen Autobauer waren besser als der Durchschnitt. Dennoch könnten Mercedes, BMW und Volkswagen nicht wirklich überzeugen, so Bratzel. Die absolute Zahl der Mängel ist relativ hoch – wobei der VW-Abgasskandal dabei noch gar keine Rolle spielt. Bemerkenswert ist außerdem, dass auch der Nobel-Elektroautobauer Tesla vor technischen Mängeln nicht gefeit ist. Generell gilt, dass es bei 60 Prozent der Mängel um den sogenannten Insassenschutz geht. Dazu gehören zum Beispiel fehlerhafte Airbags. Die zweite große Gruppe besteht aus Elektrik und Elektronik. Die Autoindustrie tut gut daran, die Fehler zu reduzieren, wenn sie das Kundenvertrauen nicht verspielen will.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

 

Gastwirtschaft

Der Kern der Aufklärung

Von  |

Wir müssen über den Kapitalismus reden. Denn es gibt einen Zusammenhang zwischen Exklusion, ökonomischer Ungleichheit und globaler Umweltzerstörung. Mehr...

Öffentliche Verwaltung

Unordnung des Entscheidens

Was Personalräte in Behörden bewirken können. Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Anzeige

 

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen