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Rüsselsheimer Autobauer: Neuer Zoff bei Opel

Der Streit um Opel eskaliert: Der Betriebsrat fühlt sich hintergangen und spricht von fast 10.000 bedrohten Jobs in Europa - 2000 mehr als der Opel-Chef Nick Reilly bisher angekündigt hatte. Das Management widerspricht den Zahlen. Von Christine Skowronowski

Die Kontrahenten: Betriebsratschef Klaus Franz gegen Opel-Boss Nick Reilly.
Die Kontrahenten: Betriebsratschef Klaus Franz gegen Opel-Boss Nick Reilly.
Foto: afp

Der Streit zwischen Arbeitnehmervertretern und dem Management von Opel eskaliert. Nach Angaben des Europäischen Arbeitnehmerforums (EEF) will das Unternehmen nun fast 2000 Stellen mehr kappen als bislang angekündigt. Die jüngsten Pläne sähen den Abbau von knapp 10000 der rund 48.000 Arbeitsplätze in Europa vor, so EEF-Chef Klaus Franz. Er beruft sich dabei auf Pläne, die das Opel-Management mit Nick Reilly an der Spitze gestern vorgelegt habe. Der Autobauer hatte den Stellenabbau bislang mit 8300 beziffert. Vorige Woche war zeitweise von rund 8000 die Rede. Opel widersprach gestern der Darstellung von Franz.

"Es gibt keinen Plan, beim vorgesehenen Stellenabbau über die rund 8300 Arbeitsplätze hinaus zu gehen, die bereits zuvor mehrfach kommuniziert wurden." Die vom EEF genannten zusätzlich 2000 Jobs bezögen sich offensichtlich auf Mitarbeiter, die sich bereits im Jahr 2006 für ein Altersteilzeitprogramm gemeldet haben. "Das hat nichts mit dem Zukunftsplan zu tun, über den wir derzeit diskutieren", so Reilly.

Laut Franz ist von den jüngsten Plänen vor allem Deutschland betroffen. Dort sollen 4800 Jobs gekappt werden, das wären 800 mehr als bislang von Opel offiziell angekündigt. Auch das bestreitet Reilly. Neben Deutschland ist laut Franz vor allem Belgien von den Streichungen betroffen. Das Management hält an seinen Plänen fest, das Werk in Antwerpen mit etwa 2500 Beschäftigten bis Mitte dieses Jahres dicht zu machen.

Die Arbeitnehmer laufen gegen die Pläne des Managements Sturm und sind weiterhin zu keinerlei finanziellen Zugeständnissen bereit, solange Opel nicht auf die Forderungen der Beschäftigten eingehe. Eine Absicherung der Beiträge der Belegschaft durch Anteile am Unternehmen lehne Reilly nach wie vor strikt ab, so Franz.

Auch habe er keine Alternativen als Ausgleich für zu erbringende Opfer angeboten. "Nach den wiederholten Vertragsbrüchen von GM lehnen die Arbeitnehmervertretungen Beiträge ohne Sicherheiten ab", betont das EEF nach dem gestrigen Treffen mit dem Management in Rüsselsheim. Ein weiterer Termin wurde bislang nicht vereinbart.

Unterstützung erhält das EEF von IG-Metall-Chef Berthold Huber. Es sei nicht hinnehmbar, dass die von den Arbeitnehmern geforderten Beiträge dazu missbraucht würden, Schließungskosten von Standorten und Produktionsverlagerungen zu finanzieren.

Das Unternehmen will von der Belegschaft einen Sanierungsbeitrag von 265 Millionen Euro. Die Opel-Mutter General Motors ist nach wie vor finanziell angeschlagen. Die Kosten für die Restrukturierung von Opel und der britischen Schwester Vauxhall beziffert GM mit 3,3 Milliarden Euro. Laut Betriebsrat hat das Unternehmen im vorigen November 600 Millionen Euro für die Ablösung eines Brückenkredits bezahlt und im Januar weitere 650 Millionen Euro als Vorschuss auf Entwicklungsleistungen von Opel im Stammwerk Rüsselsheim geleistet. Das Unternehmen sei nicht bereit, sich mit eigenen Beiträgen an der Sanierung zu beteiligen, kritisiert das EEF.

Dem widerspricht Opel-Chef Reilly. Die 600 Millionen Euro seien immer Teil der von Beginn an verkündeten 3,3 Milliarden gewesen.

Autor:  Christine Skowronowski
Datum:  1 | 2 | 2010
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