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09. Oktober 2012

Rüstungs-Branche: Tauziehen um Fusion von EADS und BAE

 Von Frank-Thomas Wenzel und Peter Riesbeck
Die Wolken über EADS lichten sich. Die geplante Fusion mit BAE ist womöglich doch noch nicht geplatzt. Foto: afp/Symbolbild

Ist die geplante Fusion der beiden Rüstungskonzerne nun geplatzt oder nicht? Aus Verhandlungskreisen heißt es zunächst, sie sei gescheitert, doch dann dementieren die Unternehmen.

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Ist die geplante Fusion der beiden Rüstungskonzerne nun geplatzt oder nicht? Aus Verhandlungskreisen heißt es zunächst, sie sei gescheitert, doch dann dementieren die Unternehmen.

Das kam überraschend. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen hat die britische Regierung bei der geplanten Megafusion der Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne  EADS und BAE-Systems  in letzter Minute noch eingelenkt. 

Der Knackpunkt des Deals ist der Einfluss der beteiligten Staaten auf die Geschicke des geplanten neuen Unternehmens. London wehrte sich zunächst gegen starke Mitspracherechte von Paris und Berlin. Doch nun sind die Briten offenbar bereit, einen Anteil des deutschen und des französischen Staates von jeweils neun Prozent zu akzeptieren. 

Medienberichten zufolge wurden dem Fusionsprojekt  in Regierungskreisen  kaum noch Chancen gegeben. Die Nachrichtenagentur dpa  meldete schon das endgültiges Scheitern der Verhandlungen, Reuters will gar aus Unternehmenskreisen erfahren haben, dass EADS gar rechtliche Schritte wegen Marktmanipulation ernsthaft in Betracht ziehe.

Annäherung zwischen Paris und London

EADS teilte hingegen mit, Frankreich und Großbritannien hätten sich angenähert. Es gebe erhebliche Fortschritte bei den Verhandlungen über die Begrenzung der Staatsanteile.  Damit ist der Deal  zwar  bei weitem noch nicht unter Dach und Fach. Aber die  Voraussetzung für die  Verlängerung einer Frist, die am Mittwoch um 18 Uhr abläuft, könnte gegeben sein. Nach britischen  Börsenregeln  müssen  beide Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt erklären, ob sie die Pläne für eine Verschmelzung  weiterverfolgen. Dies ist  aber nur sinnvoll, wenn es Lösungen  bei grundsätzlichen Fragen gibt.

Streit um Staatsbeteiligungen

Thomas Enders, EADS-Chef, und Ian King,  BAE-Boss,  verhandelten  Dienstagnachmittag darüber, wie es weitergehen soll. Am Abend ist in den Verhandlungen um die geplante Fusion von EADS und BAE Kreisen zufolge eine neue Hürde aufgetreten. Grund sei die Weigerung der Bundesregierung, einem von Großbritannien und Frankreich favorisierten Entwurf für den Umgang mit den Staatsbeteiligungen zuzustimmen, sagten mehrere mit dem Vorgang Vertraute am Dienstag.

„Es gibt eine Blockade“, sagte ein Insider. Die Bundesregierung wollte sich auf Anfrage nicht äußern. EADS war zunächst nicht zu erreichen.

Das größte Problem ist  nach Einschätzung von Insidern, dass  die französische Regierung es sich offenhalten  will, ihren Anteil an dem  geplanten Luftfahrt- und Rüstungsriesen von neun  auf 13 Prozent zu erhöhen.  Das wäre möglich, wenn der Staat im Zuge der Fusion sein bestehendes Aktienpaket   aufstockt, indem er  die  EADS-Anteile kauft, die  der französische Mischkonzern Lagardère derzeit noch hält.

In der Nacht zu Mittwoch zeigte sich Bundesverteidigungsminister erstaunt“ über Berichte, die von einem Scheitern der Fusion zwischen EADS und BAE Systems wegen eines angeblichen deutschen Widerstandes sprachen.

Weitreichende Konsequenzen

Ein solcher  Schritt   hätte weitreichende  Konsequenzen.  Berlin  müsste dann nachziehen  und ebenfalls auf  13 Prozent aufstocken.  Die Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen immer  wieder betont, dass    in dem fusionierten  Konzern die  Balance zwischen  Deutschland und Frankreich gewahrt bleiben  muss, so wie es bei EADS seit   mehr als einem Jahrzehnt praktiziert  wird.   Derzeit werden  die   deutschen Interessen  in dem Unternehmen  vor allem  durch den  Großaktionär Daimler  vertreten, der  aber  seine   Anteile   abstoßen  will. 

Die deutsche und die  französische Seite kämen   mit den aufgestockten Aktienpaketen  gemeinsam  auf  26 Prozent. Sie würden  damit  die Grenze   von einem  Viertel der Anteile  für eine  Sperrminorität überschreiten und  könnten  somit maßgebliche  Entscheidungen blockieren.

Entscheidung bis 18 Uhr

Am Mittwochmorgen wollte sich die Konzerne nicht äußern, ob sie eine Verlängerung der Übernahmefrist beantragen wollen. „Eine Mitteilung am Morgen ist nicht geplant“, sagte eine EADS-Sprecher.

Bis 18.00 Uhr müssen beide Konzerne entscheiden, ob sie ihr rund 45 Milliarden Dollar schweres Zusammengehen zum weltgrößten Rüstungs- und Raumfahrtkonzern vorantreiben wollen.

49.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Für  die  Bundesregierung  geht es bei dem Poker  vor allem darum, die  EADS-Jobs in Deutschland   zu halten.  Eine   Garantie für die rund 49.000 Arbeitsplätze  hatte  Enders  bereits  bei einer Anhörung  im Wirtschaftsausschuss des Bundestags in Aussicht gestellt.

Auf dem Nato-Verteidigungsministertreffen in Brüssel am Dienstag wurde offiziell nicht über den Deal geredet. Doch ist klar: Frankreich und Großbritannien geht es bei den Verhandlungen auch darum, die Schlagkraft und Eigenständigkeit ihrer Armeen zu gewährleisten. Ein nationaler Champion in der Rüstungsindustrie ist eine verlängerte Werkbank der nationalen Militärstrategie.

Sorge um britische Alleingänge

Großbritannien wünscht von BAE vor allem die Entwicklung der neuen Generation von U-Booten der Astute-Klasse. Zudem soll der Konzern bereitstehen für  Innovationen im Bereich des Cyberwars. Eine deutsch-französische Sperrminorität  aber könnte britische Alleingänge in der Rüstungsentwicklung blockieren. Frankreich setzt bei EADS  neben klassischen Rüstungsgütern vor allem auf Raketentechnik für seine Atomwaffen.

Mit der rund 35 Milliarden Euro schweren  Fusion würde der  weltweit größte  Luftfahrt- und Rüstungskonzern  entstehen. (aktualisiert mit rtr)

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