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24. November 2012

Rüstungsbranche Korruption: Transparency kritisiert Rüstungsbranche

 Von Thomas Magenheim
Ein Eurofighter Typhoon des Herstellers EADS.  Foto: dapd

Transparency International attestiert der Rüstungsbranche Mängel bei der Korruptionsbekämpfung. Ein EADS-Sprecher gelobt Besserung.

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München –  

Aus heiterem Himmel sind die europaweiten Ermittlungen mehrerer Staatsanwaltschaften gegen den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS wegen Schmiergeldgeschäften nicht gekommen. Das legt eine Studie der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI) über die globale Verteidigungsindustrie nahe. Auf einer von A bis F reichenden Skala wurde EADS dort mit C benotet. Was auf den ersten Blick durchschnittlich aussieht, signalisiert aber dennoch Mängel im firmeninternen Anti-Korruptionssystem.

Unterdurchschnittlich sei bei EADS zum Beispiel der Umgang mit „Whistleblowern“ entwickelt, sagt TI-Geschäftsführer Christian Humborg. Das sind interne Informanten, die teils anonym Hinweise zu illegalen Praktiken geben.

"Wir wollen besser werden", sagt EADS

C sei keine gute Note, stellt Humborg klar. „Zudem zählt EADS zur Minderheit der Unternehmen, die sich nicht aktiv an der Untersuchung beteiligt hat“, rügt der Anti-Korruptionsexperte. Informationen über das EADS-interne Vorsorgesystem musste sich TI indirekt über öffentlich zugängliche Quellen besorgen.
„Wir wollen besser werden“, gelobt ein mit der Studie konfrontierter EADS-Sprecher. Allerdings rangiere man mit dem eigenen Anti-Korruptionssystem nicht abgeschlagen auf hinteren Plätzen, sondern zusammen mit dem Gros der Wettbewerber im Mittelfeld. Auch der US-Erzrivale Boeing sei mit C benotet worden.

Allgemein stellt die Studie, die weltweit 129 Konzerne mit zusammen 500 Milliarden Dollar Rüstungsumsatz hinsichtlich ihrer Anti-Korruptionssysteme unter die Lupe genommen hat, der Branche ein schlechtes Zeugnis aus. Nur jeder zehnte Verteidigungskonzern verfügt demnach über ausreichend Transparenz. Bei 85 Prozent aller untersuchten Firmen macht sich das Topmanagement weder intern noch öffentlich sichtbar zum Fürsprecher von Korruptionsbekämpfung. Gerade ein Drittel bietet Informationen, die auf ausreichende Korruptionsbekämpfung schließen lassen, stellt die Studie fest.

In internen Anti-Korruptionsrichtlinien würden viele Konzerne einen „Juristenjargon“ verwenden, der für das eigene Personal schwer oder gar nicht verständlich ist. Der Tonfall lasse oft sämtliche Überzeugung vermissen und sei in einem „Pflichtübungsstil“ verfasst, der auch auf die eigenen Angestellten entsprechend wirkt.

Es gibt auch Positivbeispiele

Transparency nennt aber auch Positivbeispiele, die die Organisation zur Nachahmung ausdrücklich empfiehlt. So lassen Thyssen-Krupp und BAE Systems ihre Anti-Korruptionssysteme regelmäßig extern überprüfen und sie veröffentlichen diese Ergebnisse. EADS hat erst im Licht des aktuellen Korruptionsfalls beschlossen, sich einem solchen externen Urteil zu stellen.

EADS wird derzeit verdächtigt, mit Schmiergeld über 113 Millionen Euro 2003 den Verkauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen an Österreich illegal angeschoben zu haben. In Italien sitzt ein früherer Exportdirektor der Eurofighter GmbH in Untersuchungshaft. Münchner Fahnder ermitteln gegen 13 Personen wegen gemeinschaftlicher Bestechung in Tateinheit mit Untreue in einem besonders schweren Fall. Sie wollen 71,5 Millionen Euro identifiziert haben, die von EADS an eine Londoner Briefkastenfirma geflossen sind, um damit Beamte und andere Entscheidungsträger zu bestechen.

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