Der Puma puma concolor ist laut Lexikon eine Kleinkatze, die vor Menschen meist flieht. Aber da die deutsche Rüstungsindustrie ein Faible für Raubtiere hat, muss die Kleinkatze auch als Namensgeber für einen neuen Schützenpanzer herhalten.
Er wird den Herstellern zufolge "im internationalen Konfliktmanagement wichtige Aufgaben übernehmen". Und nebenbei "eine große Zahl von Arbeitsplätzen auf lange Sicht" sichern.
Nachdem das Parlament bereits vor einigen Wochen sein Okay gegeben hatte, wurde jetzt das umstrittene Geschäft unterzeichnet: Die Bundeswehr bestellt 405 "Puma" für 3,1 Milliarden Euro. Auftragnehmer ist die Kasseler Firma PSM, die je zur Hälfte den Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) gehört.
"Das ist ein großer Tag für uns", jubelt Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt über den Auftrag. Fragt sich nur, ob das auch für den Besteller gilt. Alexander Bonde, Haushalts- und Rüstungsexperte der Grünen im Bundestag, bezweifelt es. "Die Bundeswehr kauft eine Katze im Sack", hatte Bonde im Mai gewarnt.
Ebenso wie der Bundesrechnungshof sieht der Grünen-Abgeordnete erhebliche Risiken auf den Auftraggeber zukommen. Denn bislang ist es PSM nicht gelungen, einen kompletten "Puma"-Prototyp zu präsentieren. Nun wurde dem Hersteller zugestanden, die Serienreife bis Ende 2012 nachzuweisen. Gelingt dies nicht, kann der Bund vom Vertrag zurücktreten. Im Verteidigungsministerium hält man deshalb das Risiko für "überschaubar".
Ob von dem Rücktrittsrecht tatsächlich Gebrauch gemacht wird, darf allerdings bezweifelt werden, zumal der Ersatz des Vorgängers "Marder" kaum aufzuschieben ist. Bonde hofft nur, dass die Transaktion "nicht so endet wie die HS-30-Affäre". Obwohl von dem Schützenpanzer nur ein Holzmodell existierte, hatte der Bund in den 1950er Jahren zahlreiche Fahrzeuge bestellt, die sich dann als untauglich erwiesen.
Folgt man Rheinmetall, ist der "Puma" von völlig anderem Kaliber. Er unterstreiche die "technologische Spitzenposition" des Unternehmens und stelle "die überragende Leistungsfähigkeit der deutschen heerestechnischen Industrie insgesamt unter Beweis".
Vor allem kommt er geschäftlich gelegen. Denn der Konzern schreibt erstmals seit zehn Jahren rote Zahlen. Zuletzt setzte er im Geschäftsbereich "Defence" rund 1,8 Milliarden Euro um und beschäftigte dort 9000 Leute. Bei KMW "entwickeln, fertigen und betreuen" mehr als 3000 Beschäftigte "von München und Kassel aus Gefechtsfahrzeuge für Kunden in mehr als 30 Ländern".
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