Der drastische Nachfrageeinbruch auf dem russischen Automarkt zwingt den größten Autokonzern des Landes, Avtovaz, zu Massenentlassungen. Der Lada-Hersteller kündigte an, ein Viertel aller Stellen zu streichen. 27.600 Arbeitsplätze im Stammwerk Togliatti an der Wolga sollen wegfallen. Derzeit beschäftigt Avtovaz 102.000 Leute.
Es herrscht bereits Kurzarbeit, die Gehälter sind um die Hälfte gekürzt worden - trotz staatlicher Finanzspritzen in Milliardenhöhe. Die vorgestern verkündete Abwrackprämie von umgerechnet 1100 Euro für russische Altwagen kommt sehr spät. Laut der Zeitung Kommersant wurden in den ersten acht Monaten 2009 in Russland 990.000 Pkw verkauft, halb soviel wie im gleichen Zeitraum 2008. Toyota verkaufte 62 Prozent weniger, Ford 55 Prozent, Avtovaz 44 Prozent weniger. Bezeichnend, dass das Unternehmen trotz solcher Verluste einsamer Marktführer ist, mit über 241.000 verkauften Lada-Pkw, weit vor Chevrolet mit 74.000.
Dabei erlebte Russland in der jüngeren Vergangenheit einen unvergleichlichen Pkw-Boom. 2007 wurden noch 2,7 Millionen Autos verkauft. Fast alle großen Pkw-Produzenten eröffneten Fabriken in dem Land, die russischen Hersteller suchten ihr Heil in Kooperationen mit Ausländern. Avtovaz mit Renault und Chevrolet, Gaz mit Chrysler und jetzt bald mit Opel. Aber es kam kein wirklicher Technologietransfer zustande. "Made in Russia" ist ein Makel.
Dennoch stieg der Marktanteil heimischer Produzenten im vorigen Jahr von 40 auf 52 Prozent. Branchenkenner halten den Patriotismus der Käufer für unfreiwillig. Auch aufgrund der Rubelabwertung ist ein Lada Priora mit umgerechnet 6400 Euro billig, während ein vergleichbarer VW Golf mehr als doppelt so viel kostet. Die russische Pkw-Industrie kämpft einen verzweifelten Kampf. Gaz musste bereits die Hälfte seiner einst 120.000 Mitarbeiter entlassen. Das Wirtschaftsministerium schlug Avtovaz kürzlich vor, auf die Produktion von Spielzeugautos umzusteigen.
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