Seine Dauerwelle sitzt perfekt, sein neuerdings glatt rasiertes Gesicht ist sonnenstudiogebräunt, aber sein Lächeln wirkt echt. German Gref, Chef der russischen Sberbank, ist einer der Sympathieträger beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. "Wenn Sie Ihr Geld ausgeben wollen, um Spaß zu haben, investieren Sie es in Frauen", scherzt er dort, "wenn Sie es mit Nutzen ausgeben wollen, in die Landwirtschaft."
Aber wenn die Rede auf die Investition in Opel kommt, wird Grefs Lächeln traurig. "Am Ende haben wir beschlossen, dass dieses Geschäft ziemlich riskant ist, aber enormes Potenzial birgt." Kein glühendes Bekenntnis zu den 35 Prozent der Opel-Aktien, die seine Sberbank, Russlands größtes Geldinstitut, zu erwerben im Begriff ist.
Chrysler und GM sind insolvent. Opel braucht fremde Hilfe. Porsche und VW kämpfen gegen- statt miteinander. Zulieferer leiden mit. Viele Jobs wackeln. Spezial: Krise der Autobauer
Der 45-Jährige fühlt sich unwohl, die Kollegen feixen. "Ich beneide German nicht", sagt Michail Sadornow, Chef der WTB-24-Bank. "Opel bedeutet Publicity. Aber vor allem ist Opel ein branchenfremdes Guthaben. Damit sollten sich Banken normalerweise nicht beschäftigen."Vermutlich denkt Gref insgeheim ähnlich.
Der aus Kasachstan stammende Russlanddeutsche studierte in Omsk und Leningrad Jura, lernte dort Wladimir Putin kennen, machte aber zunächst allein Karriere. Er soll Putin sogar geholfen haben, nachdem der 1996 sein Amt als Petersburger Vizebürgermeister verlor. Vier Jahre später ernannte Putin ihn zum Wirtschaftsminister.
Seitdem gilt er als fortschrittlichster Favorit des teilweise recht reaktionären Putin. Gref startete liberale Reformen, scheiterte aber an der Bürokratie, die sein Chef säte. Gref klagte über Korruption und Beamtenwillkür, saß aber weiter im Kabinett und im Gazprom-Aufsichtsrat. Eine liberale Alibifigur in einem ganz und gar nicht liberalen Machtapparat. Es heißt, er war nicht unglücklich, als Putin ihn 2008 zur Sberbank, der solidesten im Land, versetzte.
Jetzt muss Gref die Rubel seiner Kunden in ein Konzept stecken, dass sich andere ausgedacht haben. Er soll dabei auch den halb-bankrotten GAZ-Autokonzern des Megaschuldners Oleg Deripaska retten, der in der Krise 20 Milliarden Dollar verzockt hat. Gref, der bei der Sowjetarmee angeblich Scharfschütze war, ist keiner, der seine Pfeile in den Nebel schießt und in der Hoffnung hinterherläuft, dass er goldene Kälber getroffen hat.
Irgendwann werde Sberbank die Opel-Anteile an einen russischen strategischen Investor weitergeben, sagt er. Vorher müsse man vaterländische Autohersteller modernisieren, Opel restrukturieren, die beteiligten Regierungen zufriedenstellen. Was aber, wenn die zweite Krisenwelle kommt? Gref lächelt: "Wir sind entweder schon am Tiefpunkt oder erreichen ihn bald. Das Glas ist nicht mehr halbleer, sondern wieder halbvoll."
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