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Ryanair darf Aer Lingus nicht übernehmen

Die EU-Kommission verbietet der irischen Fluggesellschaft Ryanair, den Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Foto: Bernd Thissen
Die EU-Kommission verbietet der irischen Fluggesellschaft Ryanair, den Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Foto: Bernd Thissen

Brüssel/Dublin. Brüssel hat dem irischem Billigflieger Ryanair erneut die Komplett-Übernahme des einheimischen Konkurrenten Aer Lingus verboten.

«Dieser Kauf konnte nicht erlaubt werden. Passagiere hätten sonst höhere Preise bezahlt», sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia nach einer mehrmonatigen Untersuchung am Mittwoch in Brüssel. Die Behörde hatte bereits 2007 die erste Ryanair-Kaufofferte blockiert. Die Fluggesellschaft will sich auch gegen das zweite EU-Veto rechtlich wehren.

«Die Wettbewerbsbedenken waren größer als 2007», resümierte der spanische Kommissar. Auf 46 Strecken von und nach Irland hätte der neue Verbund ein Monopol gehabt oder zumindest den Wettbewerb beherrscht. «Wir schützen über elf Millionen Flugreisende, die jedes Jahr nach Dublin, Cork, Knock oder Shannon fliegen», sagte Almunia. Er unterstrich, dass die erste rote Karte aus seinem Haus 2007 vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bestätigt wurde.

Einen zweiten Übernahme-Anlauf hatte Ryanair selbst abgebrochen. Für den 2012 gestarteten dritten Versuch bot der Billigflieger an, Teile des Aer-Lingus-Kurzstreckengeschäfts an Konkurrenten wie die britische Fluglinie Flybe abzutreten, um so den freien Wettbewerb auf den Strecken aufrecht zu erhalten. Die Kommission traute den Briten jedoch nicht zu, das dauerhaft leisten zu können.

Ryanair bietet nach früheren Angaben 700 Millionen Euro für Aer Lingus, knapp 30 Prozent der Aktien gehören dem Billigflieger bereits. Aer Lingus hingegen hofft darauf, dass Ryanair auch diese Anteile abstoßen muss. Es sind die beiden führenden Airlines der grünen Insel.

Ryanair teilte in Dublin mit, das Unternehmen wolle Einspruch erheben gegen die Brüsseler Entscheidung. Die Airline hatte schon früher angekündigt, bei einem Veto vor das Luxemburger EU-Gericht zu ziehen. Das Übernahmeverbot ist laut Ryanair politisch motiviert. Es sei im Interesse des irischen Staates ausgesprochen worden, der seinerseits 25 Prozent an Aer Lingus halte. «Das Verbot gründet nicht auf einer fairen und vernünftigen Anwendung der EU-Wettbewerbsvorschriften», heißt es in einer Stellungnahme. Es stehe auch nicht im Verhältnis zu anderen Übernahmen und Fusionen in der europäischen Luftfahrtbranche.

Aer-Lingus-Vorstandschef Christoph Müller begrüßte hingegen die Entscheidung: «Unsere Position war immer, dass es das Angebot von Ryanair gar nicht hätte geben dürfen.» Es sei nun das dritte Mal, dass Ryanair vergeblich versucht habe, Aer Lingus zu übernehmen. (dpa)