Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

13. Januar 2012

S&P-Ranking: Neun Euroländer abgestuft, Deutschland bleibt AAA

 Von Robert von Heusinger
Vor der Zentrale von Standard & Poor´s in Paris haben sich Demonstranten eingefunden.  Foto: dpa

Jetzt ist es passiert: Frankreich, das nach Deutschland wirtschaftlich stärkste Euro-Land, hat seine Bestnote verloren. Doch damit stehen die französischen Nachbarn nicht allein. S&P unterstellt gleich neun Euroländern eine schlechtere Kreditwürdigkeit. Ist das schlimm? Blickt man auf die Finanzmärkte, so lautet die Antwort: Ja.

Drucken per Mail

Das Krisenmonster ist wieder hellwach. Doch, verdammt nochmal, wer sind die Märkte? Lasst sie zappeln!,  möchte man rufen. Als die USA im Herbst ihre Bestnote verloren, stieg die Unsicherheit. Das führte dazu,  dass die Renditen der US-Staatsanleihen sogar sanken. Weil sie die höchste Sicherheit bieten, die Sicherheit, dass sie in jedem Fall zurückgezahlt werden.

Das Rating ist für Staaten, die in der kapitalistischen Hierarchie weit oben stehen, relativ irrelevant -  solange sie sich in ihrer eigenen Währung verschulden können. Denn die eigene Währung kann die Notenbank produzieren. Und dass sich die Staatsschulden nach  Finanzkrisen fast verdoppeln, ist statistisch belegt. Kein Wunder, dass die Ratings dann sinken. 

Schlimm ist die Aktion, weil sie die Schwächen der Euro-Rettung bloßlegt. Die Rettung, die dem krisenverstärkenden Verhalten der Marktteilnehmer nichts entgegen zu setzen hat. Der Rettungsschirm verliert an Kraft.  Das wiederum schreckt die Käufer der Rettungsanleihen, was wiederum die Renditen der Wackelkandidaten aus Südeuropa nach oben treibt.

Herabstufung trifft auch Italien

„Dies ist keine gute Nachricht“, sagte der französische Finanzminister François Baroin im Sender France-2 und bestätigte die Herabstufung. „Es ist eine halbe Überraschung.“ Er fügte aber hinzu: „Das ist natürlich keine Katastrophe.“

Frankreich ist als zweitgrößte Wirtschaft in der EU maßgeblich am Rettungsfonds EFSF beteiligt. Die Herabstufung schadet nicht nur den Bemühungen im Kampf gegen die Schuldenkrise in der Eurozone. Sie könnte auch die Chancen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy beeinträchtigen, bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl eine zweite Amtszeit zu gewinnen. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's setzte auch die Kreditwürdigkeit von Österreich, Italien, Spanien, Portugal und Zypern herab. Deutschland behielt indes sein Spitzenrating von „AAA“.

Börsenkurse reagieren bereits

Man kann es drehen und wenden wie man will: Solange der Euro für die Euro-Staaten eine Fremdwährung bleibt, die sie nicht selber herstellen können, solange geht die Krise weiter.

Die Herabstufung Frankreichs erhöht den Druck auf Europa in der Schuldenkrise noch weiter. Denn neben Deutschland bleiben nur noch die kleineren Staaten Niederlande, Finnland und Luxemburg mit einem sogenannten Triple-A übrig. Je schlechter aber die Kreditwürdigkeit, desto schwerer und teurer wird es für Europas Staaten, sich Geld am Kapitalmarkt zu leihen.

Merkel will Reformen schnell umsetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in der Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer europäischer Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor's eine Aufforderung, die im Euro-Raum beschlossenen Reformen möglichst schnell umzusetzen. Die Euro-Zone solle den Fiskalpakt „noch schneller“ fertigstellen und nicht versuchen, ihn „an allen Ecken und Enden“ wieder aufzuweichen, sagte die CDU-Vorsitzende zum Abschluss einer Klausursitzung des Parteivorstands in Kiel.

Zudem sollte der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) „so schnell wie nur irgend möglich“ einsatzfähig gemacht werden. Merkel fügte hinzu, die Entscheidung der Ratingagentur sei nicht vollkommen überraschend gekommen. Der Schritt bestätige ihre Auffassung, „dass wir in Europa noch einen längeren Weg vor uns haben“, bis das Vertrauen der Anleger wieder hergestellt sei. (mit dpa/dapd) 

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Arbeitswelt

Schuften bis zum Umfallen

Von  |

Die Bundesbank empfiehlt eine unsinnige Rentenpolitik Mehr...

Finanzanlage

Mit Geld die Welt verändern

Investitionen in Projekte, die anders wirtschaften Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Videonachrichten Wirtschaft

Anzeige

Forum Entwicklung

Recht auf Arbeit – auch für Kinder?

Das Forum Entwicklung ist eine Debattenreihe von Frankfurter Rundschau, hr-iNFO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).  

Weltweit arbeiten rund 150 Millionen Kinder – oft unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in der Teppichproduktion oder als Dienstmädchen. Darum geht es beim „Forum Entwicklung“ am Donnerstag, 23, April. Mehr...

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen