Es ist die erste Pressekonferenz des Konzerns seit den 1990er Jahren: Schlecker lädt an den Stammsitz in Ehingen bei Ulm ein. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zusammen mit Vertretern der Familie Schlecker und des Managements wollen das weitere Vorgehen erläutern.
Die Drogeriekette strebt weiterhin ein Insolvenzplanverfahren an und will als Unternehmen komplett erhalten bleiben. Wie viele der rund 30.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden, ist bisher unklar. Vor einer Woche hatte Schlecker Insolvenz angemeldet. Am Wochenende wurde bekannt, dass das Land Baden-Württemberg potenziellen Investoren staatliche Hilfe in Aussicht gestellt hat.
Letztlich liegt es in der Hand der Gläubiger, wie es weitergeht. Der wichtigste Gläubiger ist der Einkaufsverband Markant, der für Schlecker und die anderen großen Drogeriemarktketten die Warenbestellung übernimmt und dafür im Voraus zahlt. Offenbar hat Schlecker seit geraumer Zeit seine offenen Rechnungen bei Markant nicht beglichen. Die genaue Summe ist bislang unklar. Es kursieren Gerüchte, dass es um 150 Millionen Euro gehen könnte.
Offensichtlich war geplant, die Forderungen gegenüber Markant mittels eines Kredits mit kurzer Laufzeit zu begleichen. Dabei spielten die Banken nicht mit. Diese geplatzte „Zwischenfinanzierung“ löste letztlich die Zahlungsunfähigkeit von Schlecker aus. Branchenkenner gehen davon aus, dass Schlecker zwar die für Unternehmen üblichen Kreditlinien mit Banken vereinbart hat – einem Überziehungskredit von Privatkunden vergleichbar. Die massive Erweiterung des Filialnetzes in den vergangenen Jahren wurde aber nicht mit Hilfe von Darlehen gestemmt. Die Expansion hat sich im Grunde selbst finanziert: Die Einnahmen, die die Filialen tagtäglich eingespielt haben, wurden auch verwendet, um neue Geschäfte zu eröffnen
Dies übernimmt zunächst einmal der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der am Montag vom Amtsgericht Ulm bestimmt wurde.
Die etwa 35.000 Beschäftigten in Deutschland sind zunächst einmal geschützt. Sie erhalten das sogenannte Insolvenzgeld. Das zahlt die Bundesagentur für Arbeit für maximal drei Monate.
Er muss vor allem so schnell wie möglich das Vermögen des Unternehmens sichern. Dazu zählt nicht nur Bargeld oder Bankguthaben, sondern im Prinzip alles, was sich zu Geld machen lässt. Außerdem muss er sicherstellen, dass Waren weiter geliefert werden – Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Sollte dies gelingen, werden die Filialen ganz normal weitergeführt.
Viel. Das Unternehmen wird um die Aufwendungen für Gehälter erleichtert – einen der größten Posten bei den Kosten. Schlecker bekommt für ein knappes Vierteljahr Luft zum Atmen und gewinnt Zeit, um mit Banken, Lieferanten und potenziellen Investoren zu verhandeln und eine Sanierung einzuleiten.
Dem Amtsgericht hat einen Insolvenzverwalter eingesetzt. Daher ist eine Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung nicht möglich. Damit hätte Unternehmensgründer Anton Schlecker noch die Verfügungsgewalt über seine Kette behalten. Auch die Geschäftsführung, in der seine Kinder Meike und Lars sitzen, kann jetzt nicht weitermachen. Die Familie Schlecker dürfte unter anderem Pacht-, Miet- und auch Tarifverträge kurzfristig kündigen.
In den letzten fünf Jahren hat das Unternehmen nach einer Untersuchung der Nürnberger Martkforscher GfK sechs Millionen Kunden verloren. Laut "Wirtschaftswoche" wanderten allein 2011 rund zwei Millionen Kunden ab. 40 Prozent der Abwanderer gingen lieber bei dm oder Rossmann einkaufen. (dpa/kho)
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.