Frankreich verliert nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa seine Topbonität der Klasse Triple-A. Entsprechende Gerüchte über eine Abstrafung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wurden am Freitag in Finanzkreisen bestätigt. Auch Österreich soll die Topnote „AAA“ verlieren. Welche weiteren Euroländer möglicherweise betroffen sind, wurde nicht bekannt. Deutschland soll allerdings nicht gefährdet sein.
Eine Herabstufung Frankreichs und Österreichs würde den Druck auf Europa in der Schuldenkrise noch erhöhen. Denn neben Deutschland blieben nur noch die kleineren Staaten Niederlande, Finnland und Luxemburg mit einem sogenannten Triple-A übrig. Je schlechter aber die Kreditwürdigkeit, desto schwerer und teurer wird es für Europas Staaten, sich Geld am Kapitalmarkt zu leihen.
Es wird erwartet, dass die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Abend bekanntgibt, welche der insgesamt 15 im Dezember unter Beobachtung gestellten Euroländer sie abwertet. Die Börsenkurse in Europa und den USA gaben bereits nach.
Volkswirte bleiben gelassen
Führende Volkswirte sehen der erwarteten Herabstufung Frankreichs und anderer Euroländer gelassen entgegen. „Das wäre sicherlich ein Rückschlag für die Rettungsversuche in der Schuldenkrise, aber es wäre nicht dramatisch. Die Gerüchte kursieren schon eine Weile am Markt, eine Herabstufung käme nicht überraschend“, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer betonte: „Frankreichs Bonität wird nicht angezweifelt, sondern die Italiens und Spaniens.“ Deshalb seien nur die Refinanzierungskosten dieser beiden Länder entscheidend für die Lösung der Staatsschuldenkrise. Die Auswirkungen auf Frankreich sieht er hingegen gelassen. Auch Japan habe seine Topbonität von „AAA“ längst verloren, die USA lebten prächtig mit „AA“.
Kursrutsch an den Börsen
Die Spekulationen lösten am Freitagnachmittag an den europäischen Börsen einen Kursrutsch aus. Die offizielle Bekanntgabe könnte am Abend erfolgen. S&P hatte bereits vor einem Monat vor einer möglichen Abstufung zahlreicher Eurostaaten gewarnt und in der Schuldenkrise ein entschlossenes Durchgreifen der Staats- und Regierungschefs gefordert.
Die Anleihenmärkte sieht Bargel durch die großzügige Versorgung der Banken durch die EZB mit billigem Geld vor einem Crash gesichert. „Jetzt können sich die Banken wieder refinanzieren.“ Die Geschäftsbanken hatten die EZB-Mittel auch genutzt, um Staatsanleihen klammer Länder wie Italien und Spanien zu kaufen. Damit verbilligte sich zuletzt die Refinanzierung beider Länder.
(dpa)g
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