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Selbstverkauf: Streit um Yahoo

Der Internet-Pionier Yahoo will sich auf dem Markt feil bieten, denn das Unternehmen verliert stetig an Wert, trotz ordentlichen Marktanteils in USA. Kommt Microsoft hier zum Zuge, könnte das sogar den Wettbewerb beflügeln - und Googles Strategie von "Teile und herrsche" vereiteln.

Der angeschlagene Internet-Pionier Yahoo gilt als Übernahme-Kandidat.
Der angeschlagene Internet-Pionier Yahoo gilt als Übernahme-Kandidat.
Foto: REUTERS

Yahoo ist ein Internet-Pionier in Not. Der Umsatz fällt, der Gewinn ist zuletzt um fast ein Viertel eingebrochen. Neue, profitable Geschäftsfelder hat Yahoo sei Jahren nicht mehr erschlossen. Wertvoll ist vor allem die Beteiligung an der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba, die sich von einem Käufer leicht versilbern ließe. Und: Yahoo hat immer noch eine breite Nutzerbasis. Etwa 700 Millionen Besucher greifen monatlich auf Yahoos Dienste zu, zum Beispiel auf E-Mails und Webcam-Chat, auf Finanzinfos oder das News-Portal. Auch die Yahoo-Suchmaschine hat in den USA noch einen ordentlichen Marktanteil.

Allein aber verliert Yahoo vermutlich weiter stetig an Wert und bietet sich deshalb zum Verkauf an. Auf größtes Interesse ist Yahoo damit in der Firmenzentrale von Microsoft gestoßen. US-Medien berichteten vergangene Woche, Microsoft plane zusammen mit zwei Großinvestoren, Yahoo für etwa 20 Milliarden Dollar zu kaufen. 2008 hatte Microsoft mehr als die doppelte Summe geboten, war aber am Veto des später dafür geschassten Ex-Yahoo-Chefs Jerry Yang gescheitert. Ein Zusammenschluss ergäbe auch jetzt Sinn. Denn Microsofts Position würde durch neue Nutzer gestärkt. Das Algorithmen-Herz der Suchmaschine von Yahoo kommt bereits von Microsoft, Anzeigen werden gemeinsam vermarktet.

Microsofts erneutes Interesse könnte eine Übernahmeschlacht um Yahoo auslösen. Es soll neben Microsoft zahlreiche weitere Interessenten geben. Und ein Unternehmen hat ein besonders großes Interesse daran, dass einer dieser Deals klappt: Der Suchmaschinen-Riese Google. Aus kartellrechtlichen Gründen kann Google selbst Yahoo zwar nicht kaufen. Dem Prinzip „Teile und Herrsche“ folgend will Google aber verhindern, dass Microsoft zum Zug kommt. Vor allem im Geschäft mit Display-Werbung, also großflächigen, grafisch aufwendigen Anzeigen im Internet, würde eine starke Konkurrenz entstehen.

Google greift nun offenbar zu einem Trick, um Microsofts Zugriff zu verhindern. Einem Bericht des Wall Street Journals vom Wochenende zufolge hat Google mit zwei Investoren gesprochen, die Yahoo mit Googles Hilfe kaufen sollen. Vermutlich würde Google einen günstigen Kredit zur Verfügung stellen, der den Deal für die zwei Investoren deutlich attraktiver macht, als wenn sie sich das Geld zum Beispiel von Banken leihen müssten. Der von Google erwünschte Effekt: Yahoo bleibt unabhängig – und schwach. Fraglich ist allerdings, ob die US-Kartellwächter einem solchen Deal ohne Weiteres zustimmen würden. Schließlich würde Google damit indirekt Kontrolle über Yahoo ausüben und verhindern, dass sich ein starker Konkurrent entwickelt.

Google sollte von den Kartellbehörden ohnehin genau auf die Finger geschaut werden. Dass der Konzern nicht nur bei der Internet-Suche, sondern auch mit seinem Smartphone-Betriebssystem (Android) inzwischen mit Abstand führend ist, bereitet Sorge. Denn der Marktanteil mobiler Geräte am Internet-Datenverkehr steigt drastisch an, Googles Macht wächst und wächst. Auch Microsoft ist ein Mega-Konzern. Dennoch wäre es für den Wettbewerb besser, wenn Microsoft sich mit Yahoo stärkt, als wenn Yahoo unabhängig bleibt und immer weiter schrumpft.

Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  24 | 10 | 2011
Kommentare:  1
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