Berlin (ddp/dpa/rtr) - Bahnkunden bleibt der umstrittene Bedienzuschlag von 2,50 Euro beim Kauf von Fernzugtickets am Schalter erspart. Das entschied die Deutsche Bahn am Freitag, wie das Unternehmen in Berlin mitteilte.
Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte das Aus für den geplanten Bedienzuschlag. Die Bahn habe auf die Kunden und ihren Eigentümer gehört, sagte Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann. Es sei gut, dass die falsche Entscheidung zur Einführung der Gebühr zurückgenommen worden sei. Sie habe zu einem massiven Imageschaden geführt. Er gehe jedoch davon aus, dass sich die Gemüter nun wieder beruhigen könnten.
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee lobte den Verzicht der Bahn auf die Schaltergebühr. Dies sei eine gute und klare Entscheidung für alle Bahnkunden, sagte Tiefensee am Freitag in Berlin. Tiefensee betonte, seine intensiven Gespräche mit Bahnchef Hartmut Mehdorn hätten dazu geführt, dass der Zuschlag nun endgültig vom Tisch sei. In unternehmensnahen Kreisen war auch darauf hingewiesen worden, dass Kanzlerin Angela Merkel bei Mehdorn interveniert habe.
Gegen die geplante Einführung der Gebühr zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember hatte es massive Proteste von Verbraucherschützern, Gewerkschaften und aus der Politik gegeben. Zunächst hatte die Bahn-Spitze darauf mit der Ankündigung von Ausnahmeregeln für Senioren und Schwerbehinderte reagiert.
Für die Bundesregierung, die noch 100-prozentiger Eigentümer der Bahn ist, hatte nach Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) auf einen Verzicht gedrängt.
Den internen Planungen zufolge sollte die Gebühr der Bahn unter dem Strich Zusatzeinnahmen von 60 Millionen Euro bringen. "Das ist zwar viel Geld, angesichts eines Umsatzes von mehr als 30 Milliarden Euro ist ein Verzicht darauf aber zu verschmerzen", sagte ein Bahn-Insider. Allerdings seien die Personalkosten in den Reisezentren bereits auf mehr als 100 Millionen Euro gestiegen. "Allen ist klar, dass man da etwas tun muss." Eine Möglichkeit sei, an Stelle eines Aufschlags für Schalterkunden einen Rabatt für Käufe im Internet und am Automaten einzuführen - dies werde aber womöglich erst 2009 umgesetzt, hieß es weiter. Verärgert sei man im Konzern über die Haltung der Regierung und der Gewerkschaften. Auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch in London "haben die nicht einmal gehustet". Erst danach sei der Aufschrei gekommen - "das ist nicht in Ordnung".
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