Zirka 18 Millionen Bundesbürger verbringen ihren gesamten Arbeitstag auf ihm: dem Bürostuhl. Das ständige Sitzen kann zu einer enormen Belastung für die Wirbelsäule und die Bandscheiben werden. Dagegen soll das „Dynamische Sitzen“ helfen, also das Ausharren in abwechselnd geneigten und aufrechten Positionen. Viele Hersteller bieten zur Unterstützung ergonomische Bürostühle mit verstellbarer Lendenwirbelstütze an. Ihre Sitz- und Rückenlehnen bewegen sich aufeinander abgestimmt und folgen den Bewegungen des Körpers automatisch. Neben der Frage, ob der dynamische Sitz für den Rücken von Vorteil ist oder nicht, spielen aber auch dessen verarbeitete Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle für die Gesundheit.
Die Zeitschrift Öko-Test hat in ihrer März-Ausgabe acht Bürostühle untersucht. Das Fazit lautet: Bei weitem nicht jeder Stuhl ist zum langen Sitzen geeignet. Nur ein einziges Produkt wird von Öko-Test uneingeschränkt empfohlen. In allen anderen Bezügen und Polstern verbergen sich problematische Schadstoffe. So seien vor allem die „Aktivsitze“ der Firma Aeris-Impulsmöbel „wahre Schadstoffschleudern“. In ihrem Produkt „muvman“ fand Öko-Test beträchtliche Mengen an zinnorganischen Verbindungen wie etwa das giftige Dibutylzinn. Der Hocker schnitt im Test mit der Note „ungenügend“ ab. Dies gilt auch für den „Swopper-Work-Sitz“. Er enthält im Lehnenbezug den krebsverdächtigen Stoff Anilin.
In sechs weiteren Produkten wurden umstrittene halogenorganische Verbindungen gefunden. Sie können Allergien auslösen. Auch die oft krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) konnten in drei Produkten nachgewiesen werden.
Einzig der Drehstuhl „Sedus black dot“ mit Polsterbezug „Atlantic“ stimmte die Tester zufrieden. Er sei „frei von Problemstoffen und mit 475 Euro für einen ergonomischen Bürodrehstuhl auch halbwegs erschwinglich“, heißt es in Öko-Test. Er schnitt mit der Bestnote „sehr gut“ ab. Die Hersteller von Bürostühlen verlassen sich in den meisten Fällen auf sogenannte Schadstoffsiegel, die beispielsweise vom TÜV Rheinland ausgegeben werden. Sie sind allerdings nicht völlig zuverlässig, weil umwelt- und gesundheitsschädliche Substanzen wie das giftige Dibutylzinn bei ihnen nicht gänzlich tabu sind.
Ökotest, Heft März 2011,
im Zeitschriftenhandel, 3,80 Euro
Wenn es alleine um ergonomische Kriterien geht, reicht es, beim Einkauf auf Label wie das AGR-Gütesiegel zu achten. Bei den Inhaltsstoffen lassen Siegel wie Öko-Tex Standart 100 und Toxproof laut Ökotest aber inakzeptable Mengen an Schadstoffrückständen zu.
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