Als Protagonistin einer türkischen Fernseh-Soap würde Güler Sabanci wohl den Unwillen des konservativen Regierungschef Erdogan erregen. Denn sie ist so ganz anders als das von ihm propagierte Leitbild der türkischen Frau. Sie ist die reichste und mächtigste Frau der Türkei, Chefin des zweitgrößten türkischen Konzerns, dabei Single und kinderlos, eine Fürsprecherin weiblicher Karrierewünsche. Am Mittwoch soll die 57-jährige auf der Siemens-Hauptversammlung als zweite Frau neben der Chefin des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, in den 20-köpfigen Siemens-Aufsichtsrat gewählt werden. Für sie ist das ein logischer Schritt, für Siemens ein Gewinn.
Güler Sabanci hat sich in der Männerwelt der türkischen Wirtschaft und der zu 60 Prozent familieneigenen Sabanci-Holding durchgesetzt. Für viele junge Türkinnen ist die energiegeladene Frau mit der rauen Stimme ein Vorbild. Als der frühere Firmenchef Sakip Sabanci 2004 starb, machten seine Brüder sie zu seiner Nachfolgerin in dem 25-Milliarden-Dollar-Unternehmen. Als erste türkische Frau wurde sie zur Vorstandschefin eines Konzerns dieser Größe. Seither erscheint ihr Name regelmäßig auf Listen der mächtigsten Frauen der Welt. Heute ist sie für mehr als 55.000 Beschäftigte in 18 Ländern und für einen Umsatz von rund zehn Milliarden Euro verantwortlich.
Angefangen hat die türkische Industriellensaga in den Baumwollfeldern der Cukurova in Südanatolien. Gülers Großvater Haci Ömer Sabanci hatte sich vom Baumwollträger zum Baumwollfabrikanten hochgearbeitet. Trotz ihrer Wurzeln im konservativen Anatolien wuchs Güler in einem familiären Umfeld auf, in dem Mädchen ebenso gefördert werden wie Jungen. Sie studierte in Istanbul Betriebswirtschaft und begann mit 23 Jahren ihre geschäftliche Karriere beim familieneigenen Autoreifenhersteller.
Güler Sabanci mischt sich ein, zum Ärger der konservativen Regierung auch in der Heimat – wie im letzten Jahr, als sie mit öffentlichem Protest dazu beitrug, eine Bildungsreform zu verhindern, die es gestattet hätte, Mädchen schon nach der vierten Klasse von der Schule zu nehmen.
Mit 31 Prozent der leitenden Mitarbeiter sind Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft in der Türkei inzwischen stärker vertreten als in Deutschland. Dass sich dieser Trend stabilisiert, dafür sorgt Güler Sabanci als Chefin der Sabanci-Stiftung, die insbesondere Frauen und Mädchen fördert.
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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