Mit dem Verfall des Ölpreises nimmt der Druck auf die Mineralölindustrie zu, an den Tankstellen die Preise zu senken. "Benzin ist extrem überteuert", sagte Wolfgang Steichele vom ADAC der Frankfurter Rundschau. "Die Mineralölkonzerne geben die Entwicklungen an den Rohöl- und Devisenmärkten nicht an die Verbraucher weiter." Am Mittwoch lagen die Preise für Super nach ADAC-Beobachtung im Bundesschnitt immer noch über 1,50 Euro je Liter und damit nur neun Cent unter dem Höchstpreis von Mitte Juli, als das Rohöl knapp unter 150 Dollar je Fass (159 Liter) notierte. In der Zwischenzeit hat sich Öl um ein Drittel verbilligt. Ein Fass der US-Sorte WTI kostete gestern knapp 93 Dollar.
"Selbst 1,45 Euro wären noch zu viel", sagte Steichele. Es sei für die Verbraucher nicht nachvollziehbar, dass der Ölpreis so stark falle, Benzin aber teuer bleibe. So kostete Super am Mittwoch im Vergleich zur Vorwoche drei Cent je Liter mehr, obwohl im gleichen Zeitraum Öl um rund zehn Prozent billiger geworden ist. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) forderten die Treibstoffbranche auf, Kostensenkungen weiterzugeben.
Eins zu eins durchgereicht
Die Konzerne stellen nun fallende Preise an den Tankstellen in Aussicht. Bis zur vergangenen Woche seien die gesunkenen Einkaufskosten beim Benzin eins zu eins an die Autofahrer durchgereicht worden, versicherte eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV). Doch der seit Wochenbeginn beschleunigte Ölpreisverfall im Zusammenhang mit einem in den vergangenen Tagen wieder schwächeren Dollar habe sich noch nicht an den Tankstellen bemerkbar gemacht, räumte sie ein. "Es müsste weiter runtergehen."
Auch bei Diesel und Heizöl können die Verbraucher mit Nachlässen rechnen. Die Preise für beide Produkte sanken in den vergangenen Wochen bereits deutlicher als für Benzin: Im Rhein-Main-Gebiet kostete der Liter Heizöl gestern rund 86 Cent, Mitte Juli betrug der Preis noch knapp einen Euro - jeweils bei einer Abnahme von 3500 Liter. Diesel kostete am Mittwoch im Schnitt 1,38 Euro und damit 16 Cent weniger als in der Spitze im Juli. Dass die Preise nicht noch mehr gepurzelt sind, liegt vor allem am US-Dollar. Gegenüber dem Euro hat er seit Mitte Juli rund 20 Cent an Wert gewonnen. Da Öl in der US-Währung gehandelt wird, hat ihr Anstieg in Europa den Preisverfall teilweise kompensiert.
Große Nachfrage aus den USA
Doch dieses Argument allein kann die hohen Benzinpreise nicht erklären. "Die deutschen Raffinerien verkaufen derzeit massenhaft Kraftstoffe in die USA", sagt Axel Bülow vom Bundesverband Freier Tankstellen. Hintergrund ist, dass durch die Wirbelstürme in den USA Schäden an Raffinerien und damit eine Beeinträchtigung der Benzinversorgung befürchtet wurde. Deshalb stiegen die Preise am Rotterdamer Benzinmarkt sogar an, obwohl das Öl billiger wurde.
Doch auch diese durch die Hurrikane über dem Golf von Mexiko ausgelöste Sonderkonjunktur ist, so der Verkehrsclub Deutschland (VCD), kein Argument für das aktuelle Preisniveau. "Die Mineralölwirtschaft verdient glänzend", sagte VCD-Sprecher Daniel Kluge mit Verweis auf die Rekordergebnisse der Ölkonzerne. "Das betrifft zwar kaum die Gewinnmargen an den Tankstellen, dafür aber die Ölförderung und Verarbeitung."
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